„Der Nil biegt und wendet sich, aber er wird nie vertrocknen.“

Ereignisse gehen in die Geschichte ein, wenn sie außerordentlich sind und sich doch jemand findet, der sie in Worte zu fassen vermag, so dass sie verstanden werden können. Das absolut Neue, der Bruch mit dem Bisherigen, wird gerieben an jenen Ideen, Bedeutungen und Kategorien, die bis dato bestanden haben. Gerieben, nicht zerrieben. Historische Ereignisse erzeugen Staunen. Und sie bewirken, dass Beteiligte und Zeugen sich selbst verändern lassen, und sei es nur für einen kurzen Moment.

Es mehren sich die Indizien dafür, dass in Ägypten sich Außerordentliches ereignet. Dies bestätigt sich in der allgemeinen hilflosen Sprachlosigkeit, die bei den Mächtigen dieser Welt und ihren Berichterstattungsorganen zu verzeichnen gewesen ist, in Befindlichkeitszirkeln und bei heiligen Kriegern.

Und wenn einer seine Sprachlosigkeit überwindet – dann findet er so klare wie schöne Worte, und es ist ein Genuss, sie bei sich aufzunehmen.  Ein bekannter amerikanischer Journalist wird in die Lage versetzt, Geschehen am Kairoer Tahrir-Platz konkret zu erleben und eindrucksvoll davon zu erzählen. Der Name des Reporters: Thomas Friedman, bekennender Verfechter eines von den USA angeführten globalen Kapitalismus und Erzieher der Massen in Sachen Nahost. Einer jener pundits, die im Jargon des vermeintlich Links-Liberalen den Nahostfriedensprozess und die unselige Rolle der USA als alternativlos und damit gut herauszustellen.  Ein echtes Vorbild für die hiesige Journaille.  Selbst in hiesige Englisch-Schulbücher hat es dieser Kerl schon gebracht. Ein echter Unsympath.

Dieser Thomas Friedman verharrt  in Demut – und gibt folgende wunderbare Zeilen zu Protokoll:

I confess, as I walked through, my head had a wrestling match going on inside. My brain was telling me: “Sober up — remember, this is not a neighborhood with happy endings. Only bad guys win here.” And my eyes were telling me: “Just watch and take notes. This is something totally new.”

And the this is a titanic struggle and negotiation between the tired but still powerful, top-down 1952 Egyptian Army-led revolution and a vibrant, new, but chaotic, 2011, people-led revolution from the bottom-up — which has no guns but enormous legitimacy. I hope the Tahrir Square protesters can get organized enough to negotiate a new constitution with the army. There will be setbacks. But whatever happens, they have changed Egypt.

After we walked from Tahrir Square across the Nile bridge, Professor Mamoun Fandy remarked to me that there is an old Egyptian poem that says: “ ‘The Nile can bend and turn, but what is impossible is that it would ever dry up.’ The same is true of the river of freedom that is loose here now. Maybe you can bend it for a while, or turn it, but it is not going to dry up.”

Dank an Richard Silverstein.

3 Gedanken zu “„Der Nil biegt und wendet sich, aber er wird nie vertrocknen.“

  1. „Thomas Friedman, bekennender Verfechter eines von den USA angeführten globalen Kapitalismus und Erzieher der Massen in Sachen Nahost. Einer jener pundits, die im Jargon des vermeintlich Links-Liberalen den Nahostfriedensprozess und die unselige Rolle der USA als alternativlos und damit gut herauszustellen.“
    Wirklich treffend charakterisiert.
    Und, welch Wunder, auch Friedman ist ein glühender Verehrer Fayyads.

    Aber mal zum ersten Abschnitt: Ich glaube, wenn sich irgendwelche „Al-Qaida“ Mujahidin in die Proteste einklinken, wird das ein Desaster für deren Ansehen.

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  2. Im Endeffekt natürlich das Ansehen von beiden. Ich meinte aber eher Al-Qaida. Meiner Meinung nach ist der Jihadismus ein (zumindest in der arabischen Welt) untergehendes Phänomen. Der Rückhalt für Al-Qaida dürfte in der ägyptischen Gesellschaft gering sein.
    Sollte sie sich aber dennoch einmischen und damit auch den gelungenen Übergang zu einer Demokratie torpedieren, würde das dem Ansehen der Gruppe enormen Schaden zufügen.

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