Mubarak ist fort und die Jungle World pikiert

11. Februar 2011: „Ägyptens Präsident tritt zurück“. Und nun ist es endlich da: Das Gefühl, dass man Geschichte miterlebt. Wahnsinn. Nur, wie damit umgehen?

Auch die Jungle World hat darauf noch keine Antwort gefunden. Vielmehr reagiert „Nahost-Experte“ Jörn Schulz pikiert auf  Kritik von Ghassan. Wir erinnern uns: Jungle World, das ist eins jener Blätter aus dem Segment früherer Linker und vermeintlicher Antinationaler, das im Großen und Ganzen leben kann mit dem Verdikt: „Jede Kritik an Israel ist antisemitisch.“ Aus Angst vor einem Wiedererstarken des Antisemitismus haben es sich Akteure dieses Segments zur Aufgabe gemacht, den Zionismus zum kategorischen Imperativ zu erklären. Damit die Falle der Inhumanität nicht wieder zuschnappe, werden Hass und Verderben all denen gegenüber praktiziert, die sich an der Umsetzung dieses „zionistischen Imperativs“ nicht bedingungslos (genug) beteiligen wollen. Auf das Auschwitz sich nicht wiederhole, werden bei diesem Unterfangen auch Juden nicht verschont.

Klickt man auf die Website von Jungle World, so findet sich rechts die Ankündigung zu einer vom Blatt präsentierten Veranstaltung. Der Titel lautet „Freiheit auf Arabisch“, und es wird eine Leitfrage angefügt:

Sind die Revolten in Ägypten und Tunesien der Anfang einer neuen Epoche?

So lammfromm und überaus offen sich das anlesen mag, Ghassan zitiert einen User-Kommentar aus Jungle World, der zu denken geben sollte:

Wer hat denn innerhalb der Linken jahrelang erzählt, daß jede Bewegung von unten in den arabischen Ländern nichts anderes sei als der Ausbruch islamistisch-faschistischen Ressentiments gegen die Moderne. Das gegenüber dieser Gefahr der westliche Kapitalismus reinstes Gold wäre und daß diese Staaten erstmal gewaltsam an die Kandare genommen werden müßte. In der Jungle world will uns der Bismarck-Fan Thomas von der Osten-Sacken immer noch weismachen, das militärische Massaker und Kriegsverbrechen a la Irak-Krieg den Weg zum Volksaufstand und zur Revolution in Ägypten geebnet hätte. Wer bitte schön war denn der Verbündete der Amerikaner im Irak-Krieg. Die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz oder der Folterknecht Mubarak?

Um 18.38 Uhr informiert uns Ghassan, dass ebendieser Kommentar von der Redaktion der Jungle World offenbar gelöscht worden ist. Warum ich den Kommentar auch hier abbilde? Dazu nur ein Wort, nämlich: Beweismittelsicherung.

„Freiheit auf Arabisch“ und die Jungle World – nein, ich verkneife mir lieber jeden Kalauer. Vielmehr darf ich Ghassan beglückwünschen, denn mit Schulzens Würdigung von Al-Samidoun dürfte diesem hervorragenden Blog weitere Leser geführt werden. Und das ohne Facebook!

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