Antisemitische Zionsliebe

Sowohl bei Ghassan als auch bei Rhizom findet sich ein Zitat aus der FAZ, das auf erschreckende Weise den gegenwärtigen Zustand von Israel-Solidarität und damit auch Palästina-Solidarität veranschaulicht:

Die Bundesrepublik hat nun, erstmals in ihrer Geschichte seit den frühen sechziger Jahren, nicht nur eine proisraelische, keiner Palä­stinensersympathie mehr verdächtige Linke, deren Organe von ‘Konkret’ bis zur ‘Jungle World’ reichen. Sie hat auch eine ebenso gestimmte Rechte. Ein Datum, das man sich notieren sollte.

Der Staat Israel, der Zionismus – beide haben einen festen Platz in den Herzen hiesiger Politmanager und -kommissare.  Linke, Rechte, Fundamentalisten, Rassisten – sie alle leben in ständiger Sorge um Israel. Sie alle scheinen dauerhaft honestly concerned und eben damit – samt einer moralischen Dauererektion – nur allzu gut leben zu können.

Wo wir gerade von Veranschaulichung sprechen: Doch nicht erst seit neulich wird Zionisten* Unterstützung, ja Verehrung, aus den finstersten Ecken zuteil – wie dieses eindrucksvolle Beispiel eines frühen antisemitischen Prozionismus‘ belegt:

 

"Diese Postkarte (um 1900) stammt aus einer Reihe von unzähligen Postkarten, die judenfeindliche Klischees im wilhelminischen Alltag zeigen."(Zeiten und Menschen 1. Geschichte Oberstufe, Braunschweig et al 2007, S. 497.)
"Diese Postkarte (um 1900) stammt aus einer Reihe von unzähligen Postkarten, die judenfeindliche Klischees im wilhelminischen Alltag zeigen." (Zeiten und Menschen 1. Geschichte Oberstufe, Braunschweig et al 2007, S. 497.)

 

 

18 Gedanken zu “Antisemitische Zionsliebe

  1. Hi. Dass Teile der Linken und vor allem ihrer Organe von Antideutschen à la BAK-Shalom durchwachsen sind, scheint bedauerlicherweise der gegenwärtigen Realität zu entsprechen. Die Rechte, sofern es sich um Rechtsradikale und Rechtsextreme handelt, äußert sich aber immernoch und gerade jetzt wieder zunehmend antiisraelisch, was bei letzteren eindeutig als antijüdisch/antisemitisch betrachtet werden muß. Ausnahme ist lediglich vielleicht die „Pro-…“ Bewegung, die ihrerseits einen plakativen Philosemitismus propagiert, als reines taktisches instrument ihres antiislamischen Schwerpunkt-Konsens. Peinlich dass hier jüdische Referenten von solchen „Linken“ persönlich beschimpft werden. Ich habe da von besonders peinlichen Vorfällen gehört, zB von einer alten Dame, die die KZs überlebte und nun gegen die gegenwärtige israelische Politik referiert, die von– wascheinlich– Antideutschen übelst beschimpft wurden. Es bleibt in diesem Fall für mich im Wesentlichen eine Jüdin die von nichtjüdischen Deutschen beschimpft wird. Seltsam dass solche Menschen immernoch meinen, sich von ihren vermeintlichen Gegnern zu unterscheiden.

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    1. Ja hallo… und dann fragt man sich schon gar nicht mehr, was der Verfasser des – nicht mehr betriebenen – Blogs Lipstick Israel, der von einer Begegnung mit einer israelischen Jüdin noch ganz fasziniert war:

      während mein opa irgendwo an der ostfront für den nationalsozialismus gekämpft hat, hat ihre großmutter als kleines kind während der todesmärsche um ihr leben kämpfen müssen. und zwei generationen 60 jahre später treffen sich die kindeskinder zu später stunde, um andauernd miteinader [sic!] rumzumachen. crazy shitty world.

      Die Überschrift lautete „vacation fun communism“, was sich nur wenig vornehmer ausmacht als „fuck israel“
      (Zitiert nach: Moshe Zuckermann, „Antisemit!“, S. 165)

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  2. Lass mich die Formulierung „antisemitische Zionsliebe“ zu Ende denken: der wahre Antisemit tritt ein für einen jüdischen Staat mit Namen Israel, der Juden nicht hassende hingegen plädiert für einen Nahen Osten ohne dieses kleine Ländchen und die Juden weltweit oder nirgends? Bitte korrigiere mich.
    Übrigens bezeichnend, eine Postkarte aus Willemszeiten aus der Schublade zu holen, und so zu tun, als würde heute (den selben Fehler begehen übrigens auch die Ideologen von der FPÖ – die denken, weil es das Lange 19. Jahrhundert gab, können sie doch im 21. Jahrhundert weitermachen, einfach an die alte Tradition anschließen, das Zwischendurch ist nicht weiter von Belang für das Entstehen des Staates Israel) die selbe Aversion vorherrschen wie damals. Es gibt nämlich so etwas wie ein Update, eine Transformation, um das Unbehagen doch irgendwie zu untermauern.

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    1. soll nicht ausgesagt sein, dass 1.) alle antisemiten „die juden“ hassen, aber es 2.) dabei zwei spielarten gibt: a.) die, die alle juden (und menschen, die sie dafür halten) vernichten wollen und b.) solche, die schon zufrieden sind, wenn die juden (und menschen, die sie dafür halten) nicht mehr in ihrer nation zugange sind – und dabei kann man eben auch zur ansicht gelangen, dass es total praktisch ist, wenn es einen staat gibt, wo man sie alle hinschaffen kann? – die obskure „Libertarian National Socialist Green Party“ zB vertritt b.

      With this in mind, LNSG policy toward Jews and Judaism was formed: all alien populations must be repatriated to their own lands, thus we are supporters of the Zionist state, Israel, insofar as it confines its influence to its own activities. […] [W]e do not belief in cruelty or brutality toward the Jewish people, and would suggest that our break from the NSDAP is in part exemplified by our belief that they should be lovingly sent on to their homeland, as there are many good people among them. […] The LNSG believes that revenge, retribution and hatred are destructive to political discourse, and thus takes a strong stand against anti-Semitism and violence against Jews. However, we also believe that there is no way for people with a Jewish ethnic and cultural identity to exist among us, thus they must be deported to their homeland, Israel, with our blessing.

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      1. „Übrigens“ – eine Randbemerkung, die eine Ausführung einleiten soll. Kannste zur Not auch weglassen, und bei „bezeichnend“ beginnen.
        Um es nochmal ohne Klammer zu sagen, um deutlich zu machen was ich meinte:
        >blockquote>Bezeichnend, eine Postkarte aus Willemszeiten aus der Schublade zu holen, und so zu tun, als würde heute die selbe Aversion vorherrschen wie damals. Es gibt so etwas wie ein Update, eine Transformation, [eine Modernisierung] um ein irrationales Unbehagen [das sich im Antisemitismus äußert und versucht dort rational zu werden] doch irgendwie zu untermauern.

        @ mich nicht umwerfend:

        soll nicht ausgesagt sein, dass 1.) alle antisemiten „die juden“ hassen

        Also nochmal: nicht alle Antisemiten hassen Juden, denn es gibt auch die, welche nicht „die Juden“ sondern Israel hassen (weil da eben die meisten Juden leben). Right?

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          1. moralische Dauererektion

            scheint mir hier eine nichtsaussagende Formulierung, die in ihrer libidinösen Anspielung auf die vermeintliche eigene Potenz schließen lässt.
            Persönlich bin ich bislang nicht geworden und erachte das auch nicht bei der Beantwortung von allgemeinen Fragen für notwendig. Der Kommentar also als nichts anderes als ein hilfloser Schuss gegen eine Nebelwand. Sowas ist einfach nicht Lösungsfördernd.

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            1. Stimmt, wenn das ein Schuss war, dann „unter die Gürtellinie“, sorry. Nur, was ich mich frage: Nach welchen Lösungen suchen Sie, wenn Sie die Formulierung „nicht Lösungsfördernd“ benutzen? Und wie könnten wir einander behilflich sein? Befindet sich Israelsolidarität – Nahostsolidarität insgesamt? – nicht in einem jammervollen Zustand? Ist nicht auch der notwendige Kampf gegen Judenhass völlig verkommen zu einer reinen Show-Veranstaltung? Hauptsache, man steht auf der (vermeintlich) guten Seite – nur die jeweils „Anderen“ (wer immer das auch sein mag) müssen sich und ihren Standpunkt rechtfertigen? Hat man es nicht viel zu lange zugelassen, dass auf diese Weise Arroganz, Chauvinismus und Rassismus Einzug halten in das, was man einmal „Diskurs“ zu nennen traute? Und was ist mit den seltsamen – um mal wieder ein von Ihnen möglicherweise als „libidinös“ (Adorno? Freud! Bin auch ein Fan, wie Sie gesehen haben ;-)!) zu bezeichnendes Bild zu bemühen – seltsamen Bettgefährten, die ich in meinem Beitrag erwähnt habe? Hauptsache, man hat das richtige Fähnchen in der Hand? Und nur irgendein „zionistischer Imperativ“ ist wichtig, so dass man Denken nur noch vortäuschen muss? Ist das alles?
              Was Ihre eigene Korrekturbedürftigkeit angeht:

              der wahre Antisemit tritt ein für einen jüdischen Staat mit Namen Israel, der Juden nicht hassende hingegen plädiert für einen Nahen Osten ohne dieses kleine Ländchen und die Juden weltweit oder nirgends? Bitte korrigiere mich.

              – so habe ich durchaus den Eindruck, dass Sie mich nicht verstehen WOLLEN. Sehr wohl bin ich für einen „jüdischen Staat mit dem Namen Israel“, aber was heißt das schon? Und: Sind Sie es? Und: Die israelische Regierung – ist sie es? Wenn es nämlich weitergeht mit Besatzung, Siedlungsbau und Landraub – wie soll Israel umgehen mit all jenen Menschen in Eretz Yisrael, die nicht jüdisch sind?
              Also frage ich Sie: Was meinen Sie, wenn Sie von einem „jüdischen Staat mit dem Namen Israel“ schreiben? Nicht ausgehen werde ich davon, dass Sie lediglich eine Worthülse gebraucht haben.
              Aber nochmal und überhaupt: Nach welcher Lösung suchen Sie?

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        1. israel wird von vielen antisemitn gehasst, weil da „die juden“ leben. würden in israel nicht „die juden“ leben, würden sie israel auch nicht hassen. dieser satz ist also falsch:

          denn es gibt auch die, welche nicht „die Juden“ sondern Israel hassen

          – aufgrund des SONDERN. erngehört geändert in:

          denn es gibt auch die, welche israel hassen, weil da „die juden“ leben.

          denn: leute, die israel wegen „der juden“ hassen, hassen auch juden woanders.

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  3. @MondoPrinte: der betreffende Blog wurde ja auch kurz darauf geschlossen🙂

    @umwerfend: man kann immer Element rausfischen und auf die Gesamtheit einer Bewegung oder Gruppe beziehen, um sie als extremistisch zu kennzeichnen. Dass ein Palästina-Blog (welcher eingentlich genau?) einen Totenkopf verwendet, bedeutet lange nicht, dass sich alle oder gar eine Mehrheit der Palestinenser und ihrer Fürsprecher, einen neuen Holocaust wünschen. Ich habe vereinzelt solche getroffen, die Mehrheit vertrat aber keineswegs auch nur annähernd solche Positionen. Diejenigen, die ich traf, die so drauf waren, waren selbst unter ihren Landsleuten und Co-Muslimen unerwünschte Außenseiter. Das war übrigens in einer Zeit, in der ich selbst noch sehr extremer Befürworter der israelischen Politik war. Die Allermeisten, die ich traf, kennen sehr wohl das Leid und die Zerissenheit der Juden und teilen es in einer humanistischen Haltung. Die Meisten, die ich traf wünschen sich eine durch und durch demokratische und friedliche Lösung. Das schloß sogar Leute ein, die ihr halbes Leben als Kindsoldaten gegen Israel verbracht hatten. Was die Verwendung von Totenköpfen betrifft: der Vorwurf erscheint mir extrem überzogen. Oder bist du auch der Meinung, die Fans des FC St Pauli wünschten sich eine physische Zerstörung der Fans von anderen Clubs?

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    1. Dass ein Palästina-Blog (welcher eingentlich genau?) einen Totenkopf verwendet

      missverständnis, habe mich unklar ausgedrückt: auf der abbildung sieht man auf der seite palästinas ein skelett:

      https://mondoprinte.files.wordpress.com/2011/02/716_ausweisung_aller_juden.jpeg?w=600&h=458

      damit soll wohl ausgedrückt sein: in palästina, dargestellt als menschenfeindliche wüste, verreckt man. gleichzeitig schicken die soldaten die juden richtig menschenfeindliche wüste. darin kann man eben schon erkennen, dass da auch der todeswunsch mit im spiel war.

      damit wiederum will ich gar nicht bestreiten, dass es prozionistische antisemiten en masse gibt – ich halte die obige darstellung nur wenig gelungen zur demonstration dessen.

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  4. @umwerfend: Ah so😀 So kann man durch zu schnelles Lesen schon mal die Orientierung verlieren.
    Ich denke, das Skelett soll eher etwas zur Wüstendramatik zutragen, obwohl die Mordabsicht dadurch keineswegs wiederlegt ist😉

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  5. Aha, wenigstens hier wurde diese verrücke Kaffeefahrt europäischer Rechter nach Israel thematisiert. Habe mich schon gewundert. Völlig untergegangen ist der Besuch Straches in Yad Vashem mit dem Burschenschaftskäppi.

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