Merkel zu Netanyahu: „Sie sind es, der uns enttäuscht hat.“

News aus einer anderen Welt? Man traut seinen Augen kaum, wenn man liest, was Ha’aretz über eine schwelende Krise (sic!)  zwischen der israelischen und deutschen Regierung zu berichten hat. Noch immer geht es um die von den USA verhinderte UN-Resolution, in der die israelische Siedlungspolitik verurteilt werden sollte. Die deutsche Delegation hatte die palästinensische Initiative zumindest nicht abgelehnt, was Israels Premierminister Netanyahu veranlasste, am vergangenen Montag Bundekanzlerin Merkel gegenüber seine Enttäuschung eben darüber zum Ausdruck zu bringen. Das hatte man sich anders vorgestellt. Die Reaktion Merkels auf Netanyahus Kritik muss man möglicherweise zweimal lesen:

„How dare you,“ she said, according to the official. „You are the one who disappointed us. You haven’t made a single step to advance peace.“

Und weiter:

The German chancellor and her advisers, who have been repeatedly disappointed by Netanyahu’s inaccurate statements and failure to keep promises, did not believe a word of what the prime minister told her, the source said.

Merkel decided to check with Israeli and U.S. officials to determine whether Netanyahu was serious this time around, or was merely trying to buy more time and alleviate the international pressure on him.

[Hervorhebungen durch mich]

Die Vorahnung Merkels ist möglicherweise nicht völlig unbegründet, und Ha’aretz scheint Himmel und Erde in Bewegung gesetzt zu haben, um just zu diesem Punkt relevante Informationen aufzutreiben. Israels Regierung erkennt offenbar zunehmend die eigene Isolation – und deshalb werden Schritte angekündigt, die in irgendeiner Weise dazu beitragen sollen, dass die Vokabel „Frieden“ nicht gänzlich aus dem israelisch-palästinesischen  Wortschatz gestrichen wird. Dass es dabei aber nicht um konkrete Schritte gehen kann, sollte niemanden ernsthaft überraschen, der sich nur kurz vergegenwärtigt, was für Leute den Staat Israels gegenwärtig repräsentieren. Was die von Ha’aretz bemühte Quellen herausgefunden haben, gibt jedenfalls kaum Anlass zu Hoffnung:

it was unclear whether Netanyahu seriously intended to advance the peace process or whether he merely wants to appear to be doing so, as a means of shifting international pressure onto the PA. In the latter case, he is counting on the Palestinians‘ objection to the Israeli initiative.

A source in the prime minister’s office confirmed that Netanyahu told Merkel of his intention to outline his plans in a speech, but not in the next few weeks. The speech would be made only in the context of resuming the peace talks with the PA, the source revealed.

Wenn am Ende des Artikels davon die Rede ist, wie tief enttäuscht die Merkel-Delegation von ihrem Israel-Besuch vor einigen Wochen nach Berlin zurückgekehrt sei und dass Merkel Netanyahu auch noch – wie würde man es aus pro-israelischer Sicht nennen – „erklären musste, wie er seinen Job zu machen habe“ – welch Anmaßung – liest sich das in der Tat wie ein Artikel aus einem Paralleluniversum.

Gespannt darf man sein, ob und wie die in Ha’aretz beschriebene Krise zwischen Merkel und Netanyahu auch Widerhall finden wird hierzulande. Ich befürchte: Deutschen Triumphalismus, so etwa mit dem Tenor: Endlich lassen „wir“ uns nicht mehr auf der Nase herumtanzen von „den Juden“. Dabei geht es doch um etwas Anderes: Die These von der immer deutlicher zutage getretenen Isolation Israels erweist sich – und die jüngsten Vorgänge im UN-Sicherheitsrat sind nur ein Anlass – als richtig.

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