Skandal! CSU-Söder gegen Muslime und Nonnen?

(Abgesehen vom Fragezeichen, habe ich mich bei der Überschrift  den bei WordPress führenden Blogs doch ganz charmant angenähert, nöch?)

Einmal mehr verweise ich auf das wahrlich lesenswerte Gespräch, das Eren Güvercin mit Eberhard Straub aus Anlass der Veröffentlichung von dessen Buch Zur Tyrannei der Werte geführt hat. Der Autor lässt sich u.a. einige interessante  Aussagen zum Zusammenhang von  verdinglichtem Denken imNeoliberalismus  und Islam-„Kritik“ entlocken.

Soweit habe sich das Denken und Empfinden vieler Menschen ökonomischen Kategorien untergeordnet, dass nur ein sehr mangelhaftes Bewusstsein in Bezug auf alles, was mit den Bereichen des Glaubens und der Religion zu tun hat, übrig geblieben sei: „Der freie Markt braucht eben keine Bürger, er braucht nur Kunden.“ Und:

Die Deutschen haben in der Regel gar keine Ahnung vom Christentum oder vom Islam. Auf der einen Seite reden sie von ihrer Religion, dem Christentum, das sie nicht kennen, und nun versuchen sie damit eine andere Religion, nämlich den Islam, anzugreifen, von dem sie noch weniger Ahnung haben. Die Probleme, die es mit Muslimen gibt, sind Probleme, die auch jede andere religiöse Minderheit haben kann. Es sind in erster Linie soziale und keine religiösen Probleme.

Das eigentliche Anliegen vermeintlicher Islam-„Kritik“ a la Broder, Kelek, Giordano, Ulfkotte und Co. vermag Straub am Ende sehr deutlich auf den Punkt zu bringen:

Und vor der haben die ratlosen Europäer eine Angst – deswegen ihre Flucht in die beliebigen Werte und ihre Wut auf die Muslime, die an ihrer Religion festhalten wollen, aber auch aus Angst vor der Prognose, an die Papst Johannes Paul intensiv erinnerte: Das 21. Jahrhundert wird ein religiöses Jahrhundert werden. Die westliche Polemik gegen den Islam ist eine Polemik gegen Religion überhaupt.

Und so muss die Verbalintervention des christlich-sozialen bayrischen Gesundheits- und Umweltministers Markus Söder, aufhorchen lassen. Der ausgebuffte Politprofi aus dem mehrheitlich von Protestanten bewohnten Frankenland drehte jüngst an Aschermittwoch in Würzburg gefühlsmäßig voll auf:

Der Islam sei kein prägender Teil Deutschlands, sprach der Minister aus Nürnberg, und dass er befürchte, dass der Islam in Zukunft schon eine wichtige Rolle spielen wird. Und „wer zu uns will, muss sich an unsere Werte, Sitten und Gebräuche anpassen“. Und „in jedes bayerische Klassenzimmer gehören Kruzifixe und keine Kopftücher, und dabei wird es bleiben mit der CSU“.

Marco Schöller folgend, frage ich: Kruzifixe statt Kopftücher? Dürfen also fortan auch keine Ordensschwestern mehr Unterricht erteilen? „Söder geht auf Muslime und Nonnen los“?

Ich befürchte, dass sich Söder möglicherweise an der eigenen Portion politisch-kalkulierten Fremdenhasses  den Mund verbrannt hat. Diverse Entschuldigungsschreiben von Seiten Söders an die katholische Deutsche Bischofskonferenz, an den Bischof der katholischen Diözese Würzburg, an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, sowie, last but not least, an die Deutsche Ordensobernkonferenz – halte ich für angebracht. Mindestens!  Ganz zu schweigen von den Muslimen „in unserem Lande“ , zumal von muslimischen Wählern und Mitgliedern der Unionsparteien!

Als Zeichen der Frieden und der Versöhnung distanziere ich als gläubiger Katholik mich vom einstigen Terrorismus der IRA und bekenne, dass ich mit beiden Füßen auf dem Boden des Grundgesetzes stehe.

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2 Gedanken zu “Skandal! CSU-Söder gegen Muslime und Nonnen?

  1. Ja das ist ein schönes Interview. Allerdings viel zu intelligent für bzw. gegen die CSU-Granden, die deutlich verunsichert vom Abschuss ihres adligen Loddar Matthäus wieder mal den rechten Rand beackern. Niveau wäre da nur schädlich. Werte kennen die nicht, wenns darum geht, mit allen Mitteln schwindende Pfründe zu sichern. Ansonsten übrigens auch nicht.
    Mit dem ersten Zitat kann ich vollständig konform gehen, das zweite regt Zweifel an. Ich finde nicht, dass die sog. Islamkritiker das Prinzip Religion überhaupt bekämpfen. Dann wären das ja Atheisten und nicht glühende Verteidiger des jüdisch-christlichen Morgenlandes pardon Abendlandes. Ich würde eher sagen, dass unsere heldischen Islambekämpfer den religiös begründeten Glauben bekämpfen, ausschließlich soweit er sich „unchristlich“ orientiert. Die CSU hat schlicht ein Problem mit ihrer eigenwilligen Interpretation eines laizistischen Staates als „In jedem Klassenzimmer ein Balkensepp.“ Kommt eine andere Religion daher, fühlt man sich ertappt. Zu recht, übrigens. – Und als klassisches Eigentor: Kann es denn eine schönere Perspektive geben als die Aufnahme des verbindlichen Gebrauchs der deutschen Sprache in die bayerische Verfassung? Das ist ja wohl überfällig! Herr Seehofer, bitte sprechen Sie ab sofort Deutsch!
    Zu den Werten: Das muss man gar nicht grundsätzlich erörtern. Es reicht, sich vorzustellen, was man seinen Kindern als eherne Prinzipien auf den Lebensweg gibt: Lügen: jederzeit, und so infam wie möglich. Ehrlichkeit: Geliehenes nie zurückgeben, Versprochenes immer dementieren. Solidarität: Ist charakterliche Schwäche, nur für Weicheier. Hartz IV: „Eure Armut kotzt mich an.“ Diese schöne Werteskala kann man beliebig fortsetzen. Sind das nun die beschworenen jüdisch-christlichen Werte oder etwa nicht?

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    1. Doch an die Stelle von „Lügen“ tritt die Floskel „gesunder Pragmatismus“, während die Suche nach Wahrheit als harmlose Naivität oder aber als gefährlicher, sanktionspflichtiger Fanatismus/Fundamentalismus umgedeutet wird. Ich bedanke mich herzlich für Deinen Kommentar!

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