Mehrfacher Mord in „Itamar“

Bin absolut fassungslos. Fassungslos. Diese Meldung haut mich einfach um:

Nach dem Mord an fünf Mitgliedern einer Siedlerfamilie suchen israelische Sicherheitskräfte im Westjordanland intensiv nach den Tätern.

Eine israelische Armeesprecherin teilte mit, der Einsatz konzentriere sich auf die Umgebung der Siedlung Itamar südöstlich von Nablus sowie das naheliegende Dorf Awarta. Vermutlich zwei palästinensische Täter hatten in der Nacht zum Samstag eine Siedlerfamilie im Schlaf überfallen. Die Eltern sowie Kinder im Alter von elf und vier Jahren und ein dreimonatiger Säugling wurden mit Messern getötet.

Zu der Bluttat bekannten sich die palästinensischen Al-Aksa-Brigaden. Die Leichen waren von der zwölfjährigen Tochter entdeckt worden, die sich zur Tatzeit bei Freunden in der Nachbarschaft aufgehalten hatte und erst gegen Mitternacht heimkehrte. «Alles war durcheinander und voller Blut», sagte sie der israelischen Zeitung «Jediot Achronot».

Zwei weitere Kinder im Alter von zwei und acht Jahren wurden von den Angreifern verschont oder nicht entdeckt. Das kleinere Kind habe weinend bei den blutverschmierten Leichen gesessen und verzweifelt versucht, die toten Eltern aufzuwecken, berichteten Augenzeugen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu reagiert schockiert auf den Anschlag und kündigte eine Bestrafung der Verantwortlichen an. Er versammelte sein Kabinett am Sonntag zu einer Beratung über das weitere Vorgehen. Die Al-Aksa-Brigaden, der bewaffnete Flügel der Fatah-Bewegung, rühmte die Morde in einer Erklärung als «heldenhaften Einsatz».

Mir wird übel bei dem Gedanken an all jene, die aus diesem Mehrfachmord versuchen werden, noch weiter politisches Kapital zu generieren. Die Rede vom „heldenhaften Einsatz“, wenn sie denn so geführt worden ist, ist erst der Beginn. Und ich hoffe inständig, dass jene, die für dieses Wahnsinnstat verantwortlich sind, gefasst und bestraft werden. Und dass mit der „Umgebung der Siedlung Itamar südöstlich von Nablus“ nicht die gesamten Besetzten Gebiete gemeint sind. Ich kann Phil Weiss‘ Blogpost nicht ganz verstehen. Momentan gehen mir andere Dinge durch den Kopf als die Frage, vor welchen Supermarkt man als nächstes zum Boykott israelischer Waren aufzurufen gedenkt.

Angemessener erscheinen mir die Reaktionen von Richard Silverstein, Jerry Haber und Dimi Reider. Ich muss mir Weiss‘ Artikel vielleicht noch mehrmals durchlesen. Eine Familie ist einem mehrfachen Mord zum Opfer gefallen. In diesem Moment ist dies, was zählt.

8 Gedanken zu “Mehrfacher Mord in „Itamar“

  1. Übel, dieser Mord, finde ich auch. Aber gestern dauerte es eine ganze Weile, bis von israelischer Seite Palästinenser beschuldigt wurden – und so ganz klar scheint das noch nicht zu sein:
    http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=368066&utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter
    Da wüsste ich gerne noch Näheres – ungeachtet dieser Erklärung der Al-Aqsa-Brigaden – wenn die denn echt ist. Es passt nicht wirklich.

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    1. Für mich geht es zunächst einmal aber darum, dass es Menschen sind – Kinder und Erwachsene -, die ermordet worden sind. Alles Andere ist sekundär. Bei Mondoweiss ist es schon zu wirklich ekligen Aussagen und Aufrechnungen im Kommentarteil des von mir verlinkten Artikels gekommen, …

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        1. Natürlich ist das auch widerlich, aber mir ging es gestern erstmal darum, selbst klarzukommen mit der Tat an sich – abseits von ideologischen Erwägungen. Mir ist wichtig: Auch wenn sie sich aktiv an einem verbrecherischen System beteiligt haben, sind die beiden Eltern Menschen. Und jedes menschliche Leben ist heilig. Von den Leben der Kinder ganz zu schweigen. Den Artikel von Yossi Gurvitz habe ich auch gelesen und auf seiner eigenen Website kommentiert.

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    2. Einem drei Monate alten Baby das in den Armen seines Vaters lag wurde die Kehle durchgeschnitten, seinem drei Jahre alten Bruder 2x ins Herz gestochen, seinem 11 Jahre alten Bruder und Mutter ebenfalls die Kehle durchgeschnitten.
      Ein Mensch ist zu sowas nicht faehig. Klar is tmittlerweile das das Attentat von einer kleinen aber sehr gewalttaetigen palaestinensischen Gruppe ausgefuehrt wurde und in den anliegenden palestinaensischen Doerfen Bonbons zur Feier des erfolgreichen Attentats verteilt wurde.
      Ich boykottiere ab sofort auch – all jene, die pro palaestinensische Attentate noch durch ihre Blogs und Aufrufe zum Boykott gegen Israel befuerworten.
      Ich befuerworte keine Religion, deren Ethik solche Attentate hervorruft…

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      1. Deine Entrüstung in allen Ehren, die teile ich mit dir. Aber ist es wirklich notwendig, den Tod einer Familie dazu zu benutzen, gleich ganze Religionen, wie du es sagst, zu verdammen? Überhaupt: Welche Religion meinst Du? Und welche Religionen meinst Du nicht? Ich hatte mein Posting nicht verstanden als Einladung zur Propaganda. Dass es schwer zu sein scheint, über den Mehrfachmord in „Itamar“ zu sagen: „Furchtbar. Das hätte nie passieren dürfen“, finde ich bemerkenswert.

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  2. Ich schätze deinen Blog als überlegt und gut durchdacht. Bisher.
    Angesichts dieses Beitrags kommen mir Zweifel. Und es sollte dir schwer zu denken geben, dass du gleich so eine Propaganda auf „böse Menschen, böse Religion“ eingefangen hast.
    Ja, der Verlust von Menschenleben wiegt schwer und ist zu betrauern, immer und überall. Und den Hinterbliebenen muss mehr als nur Beileid zuteil werden.
    Aber seien wir realistisch: Je weiter weg der Tatort, desto mehr verkommt obiges Moralgebot zur Pflichtveranstaltung. Wir sind weder beteiligt noch können wir Einfluss nehmen. Das wissen aber nun auch die Propagandisten und machen sich das perfide zunutze: Trauerst du wirklich um Menschenleben, dann musst du zwingend die Verursacher des Todes namhaft machen. Und ihre Motive. Und ihren politischen, religiösen, ideologischen Hintergrund. Und anschließend diesen laut verurteilen. Insbesondere wenn Kinder. Leider kann man nicht einfach nur traurig sein.
    Denn da ist Krieg. Von beiden Seiten übrigens, gewusst und gewollt. Und in jedem Krieg werden Opfer gebracht, immer und von beiden Seiten. Ich lasse diesen Satz jetzt mal so stehen, wg Nachdenken über Schuldfrage und so.
    Nützlicher ist eindeutig die Frage „Cui bono“, wem nützt es letztlich? Der rassistische Siedlermob hat sich ausgiebig in den umliegenden palästinensischen Dörfern ausgetobt, in Hebron hat man ein paar weitere arabische Läden ausgeräuchert und die Regierung hat den Bau von weiteren 500 Siedlerwohnungen auf besetztem Gebiet beschlossen.
    Offenbar machen da bestimmte Leute aus unserer Betroffenheit erhebliche Kriegsfortschritte! Man sollte es ihnen nicht gestatten! Oder: Mit moralischer Betroffenheit bringst du diese Leute zu nix. Die haben nämlich ihre eigene Moral. Und da ist ganz viel von Blut die Rede, eigenem und fremdem. Und von Boden auch. Den Rest kennt ihr euch denken…

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