Juliano Mer Khamis

Wenn es nicht mehr darum geht, wie sich Menschen einander verbunden fühlen können, sondern um klare Identitäten, wenn an Identitäten überhaupt nur die Anforderung gestellt wird, sie mögen das Trennende zum Ausdruck bringen zwischen feindlich gesonnenen Personen und Parteien, wenn Identitäten überhaupt erst unter der Voraussetzung akzeptiert werden, dass sie im Einklang mit jener Freund-Feind-Konstruktion stehen, die Realität genannt wird – dann ist vieles von dem erklärt, was dieser Tage mit Juliano Mer Khamis geschehen ist. Hans-Christian Rößler benennt in der FAZ die konflikterprobte Wahrnehmungweise des Mordes auf offener Straße an dem Theatermenschen vom Freiheitstheater in Jenin so verkürzt und undifferenziert, wie es sich für eine solche Wahrnehmung eben geziehmt:

Er war ein Jude in den Augen der Araber und ein Araber in den Augen der Juden.

Punkt. Bevor irgendjemand Bedenken anmelden möchte, weil Rößler viel zu stark verallgemeinere: Erstens, zitiert habe ich hier lediglich die „Unterüberschrift“. Zweitens, Rößler kann so verkürzt-verkürzend formulieren, weil es ja gerade dieses Denken ist, das derzeit in Israel-Palästina für die Ausformung von Wirklichkeit zuständig zu sein scheint. Visionäre wie Juliano Mer Khamis fallen aus diesem Szenario heraus.

Grautöne, Lesen zwischen den Zeilen, Blicke über den Tellerrand hinaus, Mitmenschlichkeit – Israel-Palästina ist kaum noch Ort für all das. Gott, wann hört das alles nur auf? Frage ich mich, der weit weg vom Geschehen ist, und dennoch (oder gerade deshalb) todtraurig ist. (Dank an Irena Wachendorff)

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