Goldstone – und der peinliche, anonyme Blogger

Bin peinlich berührt. Besser gesagt: Mein eigenes Verhalten ist mir manchmal extrem unangenehm. Kaum hatte ich den entsprechenden Artikel von Richard Goldstone in der Onlineversion der Washington Post gelesen, schon stand für mich ach so mutigen Blogger ohne Namen das Urteil fest: Goldstone, der alte Umfaller. Dass hinter seiner Op-ed vielleicht auch andere Gründe als nur politische standen, deutet Ghassan an:

Man wollte den Kerl nicht mal auf die Bar Mitzvah seines Enkelsohnes lassen. Gesellschaftlich geächtet, verstoßen… was erwartet man denn bitte?

3 Gedanken zu “Goldstone – und der peinliche, anonyme Blogger

  1. Ja, es gibt Grund genug, über die Motive zu spekulieren (v.a., wenn man seine berufliche Abhängigkeit vom Wohlwollen der USA berücksichtigt), fest steht aber, daß er nach diesem zutiefst verlogenen Artikel (samt Pogromhetze) Blut an den Händen hat.

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  2. Ach bitte, Élise. Ich kann zwar über deinen Humor lachen, über diesen Satz aber nicht. Warum hat Goldstone denn jetzt plötzlich Blut an seinen Händen?

    Goldstone hat geschrieben, dass es nicht Politik war Zivilisten zu töten. Und da hat er sogar insofern recht, als dass dort wirklich nicht eine Flächenbombardierung durchgeführt wurde. Aber jede Regierung und Armee weiß, dass Zivilisten bei einem Angriff von solcher Qualität sterben, und zwar nicht wenige. Das wird aber schon immer hingenommen, nicht nur bei der IDF, sondern überall: ich sag nur Tanklastzüge. Auch im Libanon (1982/2006) wurden Zivilisten nicht gezielt getötet, es sei denn durch einzelne Soldaten. Es gab keinen Befehl, der sagte: geht hin und tötet so viel wie möglich. Das ist ja gerade das banale, mit dem sich der Westen immer schön bei seinen Greultaten rausredet. „Wir“ töten ja nicht des Tötens willen (tut die Gegenseite in der Regel auch nicht), sondern um uns zu verteidigen, um Diktatoren und neue Hitler zu stürzen usw. Tote Zivilisten sind tragisch und nicht gewollt, aber eben unausweichlich und Schuld ist im Grunde ja die andere Seite, weil sie nicht aufgibt.

    Die Presse und die israelische Regierung samt ihrer Unterstützer macht daraus teilweise eine ganz andere Story, indem sie sich nur auf den Teil stürzt, den Goldstone (zu unrecht) relativiert hat und damit behaupten, der Bericht sei einseitig, inhaltlich falsch usw. Und sie macht vielmehr daraus, dass es nun sogar heißt, dass selbst die Soldaten generell nicht gezielt getötet hätten. Dafür kann Goldstone aber nichts. Zudem geht es in dem Bericht auch um Besatzung, Embargo und vieles mehr. Das alles hat Goldstone aber nicht relativiert.

    Will heißen: man sollte nicht nur den Unsinn widerlegen, der nun die Runde macht, das Israel Zivilisten schonen wollte, sondern man muss auch immer darauf deuten, welche Bereiche des UN-Berichts Goldstone eben nicht relativierte. Der Bericht ist mehr, als nur eine Ansammlung von Tötungsbeschreibungen, sondern er geht auch auf die Hintergründe ein. Die bleiben aber – selbst wenn man (fälschlicherweise) zugestehen würde, dass es keine Politik gab, die darauf abzielte, Zivilisten zu töten – getrennt davon bestehen.

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