Bild aus dem letzten Jahr (pflp-info)
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Worte und Phrasen wie aus dem Baukasten – so kommen einem Barack Obamas Worte seiner gestrigen Rede vor der versammelten AIPAC-Besatzung vor, die sich zur Jahreskonferenz zusammengefunden hatte. Baukasten –  das gilt für erste Reaktionen der hiesigen Medienmeute. Alles ganz vorsichtig und dabei doch auch unangenehm routiniert. Ja nicht im Ton vergreifen, ja nicht vorpreschen! Bündnispartner nicht vergrätzen! Obama und Netanyahu haben Streit miteinander, und AIPAC  war für den US-Präsidenten ein Auswärtsspiel. Irgendwie dann doch interessant, wie M. Klingst auf Zeit Online die Stimmung unter den AIPAC-Delegierten vor denn der Konferenz beschreibt:

Der Auftritt vor Aipac drohte zum Spießrutenlauf für den Präsidenten zu werden. Lee Rosenberg, der Aipac-Präsident und ein guter Bekannter Obamas, bat deshalb um Respekt. Er wurde Obama gezollt. Die große Mehrheit bedachte ihn mit freundlichem Applaus, manchmal sogar mit stehenden Ovationen. Buhrufe waren nur vereinzelt zu vernehmen. Schon auf den Gängen äußerten manche Teilnehmen, Obama habe ja nicht völlig unrecht, aber …

[Hervorhebung von mir] Aber was? Wenn das so ist, sage ich halt auch nichts. Auch wenn mich seine Besessenheit bei Themen wie dual loyalty oder Jewish money zuweilen verstört und ich auch seinen Antizionismus genausowenig gutfinden muss wie einige seiner Gastautoren (Blankfort!) – ich bin und bleibe ein Fan von Phil Weiss. Und der hat einen fulminanten Beitrag zu Obamas AIPAC-Rede verfasst: Nach Weiss‘ Ansicht hat Obama seine wohl beste, weil zornigste und damit aufrichtigste Rede seiner politischen Karriere gehalten. Die Zeit, so habe Obama gesagt, ist dabei, abzulaufen:

Obama said that time is running out on the endless peace process. I was abusing him through most of the speech but when he said, „The world is moving too fast,“ I cried out in pleasure. Obama knows what we on the left know: that because of the Arab spring and the millions on the Arab street whose demands he dignified today, and because of the disgust of peoples everywhere with the American-led peace process– in Latin America, Europe, Asia and the Arab world, as he reminded the lobby– the world is sick of a Jim Crow state. When I go to Europe this week, this is all people will ask me about, he said, veiling ang[e]r.

Phil Weiss kann man viel vorwerfen, aber er versteht es wie kaum ein anderer (amerikanischer) Journalist/Blogger, Atmosphäre und Stimmungen interessant und anschaulich darzulegen und rüberzubringen. Man fühlt sich dem Geschehen mehrere Kilometer näher als wenn man sich nur auf die Worthülsen respektierter und reputierlicher Medienschaffender verließe. Wenn es nichts weiter zu besprechen gibt, denken Feuilletons gern über das Verhältnis von Journalistmus und Blogging nach. Weiss jongliert mit beiden und schafft eine höchst genuine Mischung. Baukasten? Nichts für Phil.

Ach, eigentlich ging es ja um Obamas AIPAC-Rede.

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Ein Gedanke zu “Obama an AIPAC: Die Zeit läuft ab.

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