"Big Hand for Bibi": Welche Gedanken mögen den auf diesem Bild zu sehenden Personen wohl in den wohlfrisierten Köpfen herumschwirren? (Bild: msnbc)
"Big Hand for Bibi": Welche Gedanken mögen den auf diesem Bild zu sehenden Personen wohl in den wohlfrisierten Köpfen herumschwirren? (Bild: msnbc)
Bibi Netanyahu hatte gestern abend vor dem US-amerikanischen Kongress ein Heimspiel. Larry Derfner, linker Kolumnist bei der Jerusalem Post (sic!) und zusammen mit Richard Silverstein (Tikun Olam) seit Kurzem als Betreiber eines neuen Blogs aktiv, fasst die Botschaft des israelischen Ministerpräsidenten an die freie Welt wie folgt zusammen:

Israel is right and the Arabs are wrong, thank you and God bless America.

Dafür gibt es stehende Ovationen von den Anwesenden, den wichtigsten Repräsentanten der Republikaner und Demokraten. Zusammen bilden sie, so Derfner eine „Likud convention in English“.Und ich frage mich: Welche Resultate würde das Klatschometer wohl bei einem Auftritt Netanyahus vor dem Bundestag erbringen?

7 Gedanken zu “Likud-Parteitag in Washington

  1. Der Fehler von Derfner ist, dass er nicht versteht, wie die USA zu Israel und Israel zu den USA steht. Er denkt immer, alles käme von irgendeiner „falschen“ Beeinflussung, z.B. durch die sog. Lobby. Die übrigens garantiert ihre Hauaufgaben macht. Aber eben nicht der Grund ist, dass amerikanische Politiker sie unterstützen. Der Grund für diese Standing Ovations ist ein anderer: dass Israel gerade genau so handelt, wie die USA es bisher wollten. Das erkennt man so schön an den Vetos. Da mag es jetzt den Versuch einer Kehrtwende des Präsidenten geben. Weil er Israel in Griff bekommen muss, da die arabische Welt plötzlich sagt: USA, Europa, wir machen voll mit bei euch.

    Israel hat sich in bewusste vollkommene Abhängigkeit der USA gegeben. Ohne die Unterstützung der USA, sowohl militärisch als auch wirtschaftlich, wäre die anhaltende Besatzung, das ganze militärische Potential Israel gar nicht zu halten. Aber es hat es mit voller Absicht getan und ohne einen Gedanken daran, dass überhaupt ändern zu wollen.

    Israel sagt offen: unsere Sicherheitsinteressen sind die Sicherheitsinteressen der USA. Und diese sind eben nicht darin zu sehen, einen schlechten Frieden mit den Palästinensern und somit vielleicht sogar mit der arabischen Welt zu schließen. Sondern Israel muss Stärke durch Abschreckung zeigen. Nicht die Araber diktieren den Frieden (siehe UNO-Anerkennungsbestreben, siehe arabische Initiative seit 2002), sondern wir. Und genau das Interesse sollte die USA auch haben. denn wir wissen besser, was hier im Interesse der USA ist, immerhin sind wir ja vor Ort.

    Und genau deswegen jubeln die Leute im Kongress: weil sie das genauso sehen.

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      1. Korrekt. Alles, was Israel macht, macht die USA im Großen. Nur ebenen kein Siedlungsbau. Das hat die USA nicht mehr nötig. Aber jegliche Gewalttat hat die USA in einem solch größerem Maßstab drauf, da verblasst Israel sowohl in Quantität und Qualität.

        Aber die USA lassen sich nicht auswählen dafür. Insofern ist Israel wirklich ein Sündenbock als Staat für die BDS. Diese Bewegung erkennt das entweder nicht, sieht israel also nicht als Sündenbock, sondern hat ein ehrliches Problem mit der blutigen Besatzung, zu recht. Oder aber einige dieser Bewegung erkennen es und wissen, dass sie gegen die USA einfach keine Chance, keine Möglichkeit hätten.

        Was Israel in Gaza machte, die Blockade und der Angriff danach, ist nichts anderes, als was die USA mit dem Irak im großen Maßstab machten. Das vergisst immer jeder schnell: dort starben 1,5 Millionen Menschen während der Zeit des Embargos. An den gleichen Dingen, wie Menschen in Gaza: Krankheiten und Mangel. Und der Irak war ein Jahrzehnt unter Embargo. Gaza viel kürzer. An Medizin, an Versorgung, an sauberen Wasser, weil alles zerstört war. Besonders die Kindersterblichkeit war hoch. Und der Krieg danach hat bisher mehr als 100.000 Tote gebracht. Legt man die gleichen Ansprüche an die USA, wie an Israel, dann müsste man die USA schon lange boykottieren, wenn nicht mehr. Insofern hat Israel sogar recht, wenn es sagt: man stellt uns an den Pranger, beurteilt uns mit zweierlei Maß.

        Die USA ist denen halt ein zu schwerer Brocken, auf deren Unterstützung ist man ja gerade angewiesen. Obwohl es schlimmeres veranstaltet, als Israel.

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        1. In diesem Zusammenhang auch nicht uninteressant: Die Einschätzung des US-Journalisten Matthew Yglesias (via Roi Maor):

          American pundits have spent a lot of time over the past week debating the merits of Netanyahu’s strategy for Israel. But what we really ought to talk about is America’s strategy for America. Personally, I think Netanyahu’s view of Israel’s interests is mistaken. But too much of the discourse about his policies has taken this tack. It’s genuinely not America’s place to second-guess the Israeli electorate about settlements or East Jerusalem. But it shouldn’t be America’s place to do what Congress did on Monday and simply stand and cheer while a foreign prime minister offers absurd lies about who America’s friends are in the world. Israeli politics has taken an aggressively hawkish and nationalistic turn over the past decade, and whether or not that’s good for Israel, it’s certainly not good for the United States. The starting point for our policy ought to be to recognize that and respond accordingly.

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