Deutsche Welle: Warnung vor „einer umfassenden rechtsextremen und islamkritischen Bewegung ohne Antisemitismus“

Schrecklich döspaddelig, z.T. auch feige, stellen sich zuweilen die hierzulande führenden Meinungsmedien  und ihre handverlesenen „Experten“ bei der Einordnung und Bewertung der Breivik-Verbrechen an. Als ob Spiegel, Focus, stern und Welt nicht selbst erheblich dazu beigetragen hätten, dass Islamfeindschaft und Fremdenhass in der Mitte der Gesellschaft wieder so selbstverständlich wie nur was geworden sind, ergeht man sich in schrecklich ungelenken Artikeln über jene ach so seltsame Szene, die man mit dem Etikett „rechtspopulistisch“ versehen hat. Was vor kurzer Zeit noch als gute Nachricht durchgegangen war, musste in aller Eile und Unschuld nun in eine Warnung umformuliert werden:  „Die Anti-Islam-Szene in Deutschland wächst“.

Kürzlich wies ich auf Susann Witt-Stahls umfassende Darstellung der islamfeindlichen  und ach so pro-israelischen (anti)deutschen Szene und deren Verbindungen nach scharf rechts hin. Die lobenden Worte eines Sören Pünjer für rechte Israelfreunde – solche Einlassungen lassen sich m.E. auch nur erklären unter Verweis auf den Witz von dem Hund, der sich immerzu an seinen eigenen Genitalien leckt. Warum er das macht? Weil er es kann! Darf dies auch weiterhin für Pünjer, Broder und Co. gelten?

Witt-Stahl veröffentlichte ihren Artikel in der Zeitschrift Hintergrund – nicht gerade ein Magazin des breiten Mainstreams. Dort, in ebendiesem Mainstream wird ja, wie gesagt, noch viel zu sehr davon ausgegangen, dasnicht nur die eigentlichen Taten Breiviks, sondern auch und gerade sein, ähem, Denken, die Bezeichnung „extremistisch“ verdienen. Doch ist dem wirklich so? Einmal mehr empfehle ich einen Beitrag der Journalistin Bettina Marx. Auf der Deutschen Welle warnt sie Zuhörende und Lesende vor einer „einer umfassenden rechtsextremen und islamkritischen Bewegung ohne Antisemitismus“ in Deutschland und ganz Europa, die sich „mit der Rechten in Israel verlinken“ wolle. Ihr Text bietet nicht viel Neues. Das meiste ist sattsam bekannt. Bedeutsam erscheint mir allerdings die Tatsache, dass Marx ihre Warnung an eine breite  Öffentlichkeit richten kann. Man kann schon sagen: Die Deutsche Welle – das ist Mainstream. Und dieser Mainstream bekommt Aussagen wie diese um die Ohren bzw. Augen geknallt:

Von den christlichen Fundamentalisten in den USA und ihrer politischen Vertretung in der Tea Party über linke Antideutsche bis hin zu den neofaschistischen Parteien in Italien und Osteuropa reicht die Achse der islamophoben Israelfreunde. Die Regierung in Jerusalem heißt all diese Unterstützer willkommen. Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders, der Vorsitzende der freiheitlichen Partei in Österreich Hans-Christian Strache, der amerikanische Prediger Glenn Beck, der ehemalige italienische Neofaschist Gianfranco Fini, sie alle sind in der israelischen Hauptstadt gern gesehene Gäste.

Im letzten Dezember reiste eine ganze Gruppe von rechtsextremen europäischen Politikern auf Einladung eines früheren Abgeordneten der Regierungspartei Yisrael Beiteinu nach Israel. Dort unterzeichneten sie gemeinsam mit ihren Gastgebern eine Erklärung, in der es heißt, die Menschheit sehe sich zurzeit „einer neuen weltweiten Bedrohung ausgesetzt: dem fundamentalistischen Islam“, dem man sich gemeinsam entgegen stellen wolle. Der israelische Vizeminister Ayoub Kara, ein Mitglied des Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, traf sich vor wenigen Wochen in Berlin mit dem deutsch-schwedischen Geschäftsmann Patrick Brinkmann, der in der rechtspopulistischen Organisation Pro Deutschland aktiv ist und kurzzeitig sogar deren Vorsitzender war. Der 44-jährige propagiert die Schaffung einer umfassenden rechtsextremen und islamkritischen Bewegung ohne Antisemitismus und will sich mit der Rechten in Israel verlinken.

Vielen Dank an Irena Wachendorff!

Apropos „aufwachender Meinungsmainstream“: Hier ein äußerst lesenswerter Zeit-Artikel über PI. Meine Herre[n]: Diese Typen sehen furchteinflößend aus. (Dank an Thomas Bauer)

5 Gedanken zu “Deutsche Welle: Warnung vor „einer umfassenden rechtsextremen und islamkritischen Bewegung ohne Antisemitismus“

  1. Wobei ja „ohne Antisemitismus“ auch nur ein oberflächlicher Befund ist. Denn natürlich baut die Islamfeindschaft wesentlich auf antisemitischen Inhalten, Methoden und Personen auf. Es ist ein Paradigmenwechsel in der rechtsradikalen Propaganda, aber keinesfalls ein Abschwören. „Pro-Israel“ oder Philosemitismus sind in diesem Fall nur andere Formen des Antisemitismus.

    Besonders deutlich sieht man das am Topos des „Schulddrucks“ aus der Nazi-Zeit, der „uns“ daran hindere, angemessen gegen „den Islam“ vorzugehen. Diesen sekundären Antisemitismus findet man beispielsweise bei Giordano, Kelek und Sarrazin.

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    1. Gerade Giordano lässt mich aufhorchen. Ich bin der Meinung, dass es gar nicht genug Schulddruck geben kann, weswegen ich es auch für eine Ungeheuerlichkeit der schlimmsten Sorte halte, wie der von islamfeindlicher Seite behauptete Philosemitismus nichts Anderes ist als Taktik. Mir ist neulich die Aufkündigung einer Facebookfreundschaft angedroht worden, weil ich mich entsprechend geäußert hatte: Was hierzulande als „aufgearbeitete Geschichte“ gilt, deckt sich noch immer viel zu stark mit den Zielen der härtesten Zionisten, die nicht nur in Israel bzw. in von Israel besetzten Gebieten rumlaufen.

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