„Zwei-Staaten-Lösung“: Tod im September

Nicht nur in diesem Blog ist die Möglichkeit bereits angedeutet worden, dass die sog. „Zwei-Staaten-Lösung“ in den Worten von Bettina Marx „mausetot“ sein könnte. Der israelische Blogger Ami Kaufman grenzt nun das Sterbedatum ein wenig mehr ein: Demnach ist die „Zwei-Staaten-Lösung“ noch am Leben – doch der Exitus steht kurz bevor. Im September wird es soweit sein. Der Butterkuchen darf bestellt werden.

Im kommenden Monat soll der Staat Palästina ausgerufen werden. Dass die Israelis dagegen sein werden, wen wundert’s? Aber auch die USA haben ihr Veto im UN-Sicherheitsrat angekündigt. Nach Kaufmans Auffassung haben sowohl Israelis als auch Palästinenser, aber auch Amerikaner, in den letzten zwei Jahren kaum etwas unversucht gelassen, um Verhandlungen in Richtung einer Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu erschweren bzw. unmöglich zu machen. Dass es ausgerechnet die Obama Administration sein wird, die dem Konzept „Zwei-Staaten-Lösung“ – aka internationaler Konsens zur Beilegung des Nahostkonflikts – den Todesstoß verpassen wird – dafür listet Kaufman eine Reihe von Indizien auf, die in Verbindung mit dem Verhalten etwa der Regierung Netanyahu gewissermaßen, um im Bild zu bleiben, eine Mordsmischung bilden:

* Timeout in the White House: President Obama has now begun his campaign for the 2012 elections. During the upcoming year of campaigning, it is unlikely that he will put any pressure on either side. In fact, we can see that the “easing off” has already begun. Also, seeing as how it was difficult for him to chalk up any success during his first term, jumpstarting the process after his election, if elected, will probably take another 1-2 years (if one is optimistic).

* Surge in the West Bank: The Israeli Interior Ministry recently announced that the number of settlers rose by over 14,000 in the past year. This has been the going rate for the past few years, but considering the 10 month settlement freeze in 2010, it’s an astonishing number. With over 330,000 settlers in the West Bank and the U.S. unavailable for the next 2-3 years, the Bantustan scenario is quickly turning into a reality.

* One-state on the rise: Polls conducted over the past few years show a slow yet steady decline of Palestinian support for the two state solution. The sense of hopelessness that is pervasive throughout the West Bank and Gaza is not only giving a boost to the one-state solution, it may also be a sign of the chances for violence after the UN move in September.

There are also increasing calls on the fringes of both the Israeli Right and Left of the political map to forgo the two-state solution and move on to the one-state solution. This is no longer considered taboo in Israel, as even the hawkish Knesset Speaker Reuven Rivlin has voiced his support for this solution.

* Netanyahu’s future: Perhaps unsurprisingly given that this is the most right-wing government ever to rule Israel, Prime Minister Benjamin Netanyahu’s government is reportedly looking into the options of annulling the Oslo accords or even annexing the whole West Bank as a response to Palestinian unilateralism. Israelis may also feel the need to rally around their right-wing leaders when they begin to feel the international isolation resulting in the Palestinian initiative.

Furthermore, the Netanyahu government will most probably be busy with the new domestic unrest over cost of living in Israel, which has prompted some of the biggest demonstrations the country has seen in years. The media seems to have totally forgotten the September deadline, and some believe the unrest has the potential to bring down his government. But new elections would not bring in a left-wing government that would be more likely to deal with the Palestinian issue, if the latest polls are to be believed.

* The GOP on top: After all this, although at this stage it seems unlikely, there is the slight chance that a Republican could win the next elections. This outcome would not only strengthen Netanyahu’s current government, who has already become one of the longest-reigning prime ministers in Israel, it would probably hand him his own upcoming elections and allow him to continue avoiding negotiations with the Palestinians.

Mein Eindruck: Obama will nicht noch einmal den Makel verpasst bekommen, er habe etwas gegen die Israelis. 2012 steht die nächste große Dog-and-Pony Show aka US-Wahlen an. Die Israelis stehen vor einem nicht gerade neuen Problem: Was wollen sie eigentlich? Jeder Schritt von Seiten der Palästinenser versetzt sie in helle Aufregung. Mein „Lieblingsszenario“ besteht ja immer noch in einer Deklaration der Niederlage durch die Palästinenser. Die Israelis würden zum Sieger des Konflikts ausgerufen, was sie vor gehörige Probleme stellen würde, denn: Nun müssten sie Farbe bekennen. Die Ankündigung der unilateralen Ausrufung eines Staates Palästina ist diesem Szenario zumindest insofern nicht unähnlich, als Israel nun – sicherlich im Verbund mit den USA, deren Präsident endgültig ohne Kleider dastehen wird – eben genötigt ist, die Karten auf den Tisch zu legen. Wo liegen die Grenzen des Staates Israel, wenn es nach dem Willen seiner Regierung geht? Worin besteht die Alternative zur Ausrufung des Staates Palästina? Was…? Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren: Die vielbeschworenen facts on the ground – ansonsten ein verlässlicher Partner der Israelis in Sachen Landraub und Siedlungsbau, sie springen Netanyahu und Co. mit dem nackten Hintern ins Gesicht.

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6 Gedanken zu “„Zwei-Staaten-Lösung“: Tod im September

  1. Die „Zwei-Staaten-Lösung“ basiert auf dem merkwürdigen Gedanken, alle Israelis (die Privilegierten) seien Unterdrücker, und die Errichtung eines palästinensischen Staates würde alle Palästinenser von der Unterdrückung befreien.
    Ist jeder Privilegierter ein Unterdrücker?
    Derjenige, der nicht bis zum Kinn, sondern nur bis zum Nabel in der Scheiße sitzt, hat ein viel besseres Leben. Er kann den Kopf drehen, er kann frei atmen, er kann sogar seine Arme bewegen! Er kann tatsächlich mit seinen Armen rudern und sogar, wenn er Glück hat, einem armen Teufel, der bis zum Kinn in der Scheiße sitzt, eine runterhauen, wenn dieser genug nahe ist. Macht ihn eine solche Tat zum Unterdrücker?
    Ich glaube, es ist falsch zu versuchen, diese Frage zu beantworten. Viel wichtiger ist die Frage: Wie schaffen wir es, dieses Regime in den Mülleimer zu schmeißen. Denn wenn wir diesem Regime nicht an den Kragen gehen, gibt es auch keine Befreiung für die Palästinenser. Das ist der Fluch, der uns Molotow mitgegeben hat, seit 1947: die Zwei-Staaten-Lösung.
    http://abumidian.wordpress.com/deutsch/eine-neue-strategie/

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