Palästinensische Autonomiebehörde: Was für ein Schmierentheater!

Vielleicht hat Alien 59 ja wirklich recht, und es ist besser, es kommt nicht zu einer Ausrufung eines Staates Palästina. Möglicherweise ist auch den Machern von MEPANALYSIS zuzustimmen. Sie fordern: Die Palästinensische Autonomiebehörde gehört abgewrackt. In ihrem jüngsten Blogeintrag beschreiben die Autoren die Rolle der PA so kurz wie prägnant: Sie ist nichts Anderes als eine Agentur des israelischen Sicherheitsapparates. Und nicht nur der ihr eigenen Korruption und den zahllosen Menschenrechtsverstößen ist es zu verdanken, dass sie mitnichten noch als einzig legitime Repräsentantin palästinensischen Wünschen und Wollens angesehen werden kann. Die PA hat die israelische Besatzung zu einem Kinderspiel für die Besatzer gemacht, deshalb:

The Israeli occupation must get back to doing what it has to do, and what the situation was like before the PA’s creation, in which the occupation had to provide health care, education, and even jobs for those living under it’s authority.

Bei den beiden MEPanalysten handelt es sich m Ahmad und Guy, zwei Aktivisten, die als Standort Jerusalem angeben. Wie weit Osnabrück von Jerusalem entfernt liegt, macht der Kommentar deutlich, der jüngst in der Neuen Osnabrücker Zeitung zu den palästinensischen „Unabhängigkeitsplänen“. In völliger Verkennung der vor Ort, in Israel-Palästina, vorherrschenden Realitäten, aber in perfektem Einklang mit in hiesigen Gefilden als anerkannt geltenden Glaubenssätzen, heißt es:

Sollten die Palästinenser in Kürze mit ihren Unabhängigkeitsplänen vor den UN durchkommen, dürfte sich der Konflikt ohnehin verschärfen.

Die gegenwärtige Führung der Palästinenser kann am 20.9. mit einem schönen PR-Coup für die Sache, die sich „Palästina“ nennt, rechnen, mehr nicht. Lokalredakteure werden bis in Ewigkeit Amen das Bild von völlig unbeleckten Israelis, die sich in permanentem Besatzungszustand befinden – umgeben von einem „Meer aus Arabern“ -, verbreiten, und niemand wird dies als „einseitig“ oder „tendenziös“ kritisieren. Es ist ein einziger Mummenschanz, doch besagte Schreiberlinge erfüllen nur ihre Funktion – sie wollen nicht wertlos sein. Was Sache ist, wird woanders definiert, z.B. in Washington, wo Präsident Obama, offenbar leicht panisch, dass ihm die vielbeschworenen „jüdischen“ – oder sind es einfach pro-israelische – Wähler nicht von der metaphorischen Fahne gehen, sich genötigt sieht, der PA zu drohen: Sollte es am 20. September bei den Vereinten Nationen zu einem palästinensischen Vorstoß in Richtung Unabhängigkeit geben, dreht Washington der Autonomiebehörde den Geldhahn ab. Richard Silverstein fragt zurecht:

It makes you wonder whether the U.S. truly does support Palestinian statehood.  Or whether it supports some vague category of statehood solely on Israel’s terms and solely as defined by Israel’s interests.

Palästinenserpräsident Abbas kann sich indes freuen: Seine PA wird durch das elende Getue der US-Regierung und ihrer diplomatischen Repräsentanten vor den Augen der Öffentlichkeit aufgewertet: Vom Stempelkissen israelischer Besatzungsbürokraten zur finsteren Macht, vor der alle Menschen guten Willens, i.e. Israel/USA und „der Westen“ ganz ganz viel Angst haben müssen. Dafür ist die PA da. Was für ein Schmierentheater!

8 Gedanken zu “Palästinensische Autonomiebehörde: Was für ein Schmierentheater!

  1. Weißt du, einerseits tut es mir weh, gegen einen Staat Palästina zu argumentieren. Wie gerne würde ich einen solchen sehen. Aber unter den derzeitigen Bedingungen, und mit den dann entstehenden Nachteilen halte ich den Gang zur UN für übel – er würde nur der PA nützen, und da schließe ich mich dem Aufruf an: die PA gehört abgeschafft!

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    1. Vor einigen Jahren war ich regelmäßig in Israel-Palästina unterwegs. Was mich damals umhaute, war, dass unabhängige Palästinenser oft sehr reserviert argumentierten, was das Für und Wider eines Staates anging: Viele von ihnen sagten: Letztlich ist es egal, von wem wir unterdrückt und ausgenommen werden… Solche Stimmen gab es sowohl bei israelischen Palästinensern, aber auch bei solchen aus Ostjerusalem und der Westbank. Auch war es mir vergönnt, die Macher des Magazins „Challenge“ aus Jaffa, Roni Ben Efrat und Stephen langfour, kennenzulernen. Auch von diesen beiden Zionismus-Kritikern bekommt man bis heute Ähnliches zu hören. Und Du hast eben ganz recht: Letztlich geht es um eine Verbesserung des Lebens für Palästinenser (und Israelis), nicht so sehr darum, unter welcher Flagge man lebt.

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    2. Seit 2 Jahren wurde auf diesen Moment hingearbeitet und das soll alles wegen plötzlich aufkommender Verunsicherungen hinfällig sein? Die israelische Hardliner-Clique wird fast ersticken vor Belustigung.
      Da ich nicht zweifach schreiben möchte, verlinke ich mal (zurück) zum von Mondoprinte ursprünglich verlinkten Beitrag.
      weiter also hier: http://palestinenenews.wordpress.com/2011/07/29/10-grunde-um-nicht-zur-un-zu-gehen/#comments

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  2. Korrupte und kranke Staaten wie der Jüdische, können nur gedeihen und überleben wenn mit korrupte Menschen und Kollaborateuren zusammenarbeiten konnen. Israel wurde nie eine anständige, aufrichtige Politiker innerhalb diese Behörde karriere machen lassen. Wurde man so eine Persönlichkeit entdecken, die noch die Worte:Gewisse, Moral und Schamgefühl in seine Wortschatz tragt, innerhalb diese Berhörde finden und nicht bereit wäre die Israeli die Schuhe zu lecken, wurden früher oder später von ein Rakete erreicht, vergiftet, oder in ein Hotel in Dubai stranguliert. Diese PA-Behörde-Chef überleben weil genauso korrupt sind wie ihre Herrscher!
    mundderwahrheit

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