„Wenn wir zurückschauen, was hat 9/11 uns gebracht?“

Der amerikanische Schriftsteller Adam Haslett umreißt die Art und Weise, wie Politik und Wirtschaft in den USA die Anschläge vom 11. September 2001 bewältigten. Interessant und auch irgendwie sympathisch, dass er immer von „uns“ schreibt:

Als Land haben wir die Angriffe nicht bewältigt, weil wir keine gemeinsam geteilte Geschichte haben, warum sie verübt wurden oder was sie zu bedeuten hatten. Und nicht nur in der Außenpolitik diente der 11. September als Beschleuniger für die wachsende Dominanz des rechten Flügels. In einer der größten Privatisierungsmaßnahmen, die es jemals gegeben hat, outsourcte das Pentagon Dienstleistungen im Wert von Hunderten von Milliarden US-Dollar, die davor von Regierungspersonal ausgeführt worden waren. Über die aufgerüstete innere Sicherheit wurden Unsummen von öffentlichen Geldern direkt an Privatunternehmen übertragen, oft für unechte, betrügerische oder einfach ineffiziente Produkte und Dienstleistungen.

Der nobelpreisgekrönte amerikanische Ökonom Paul Krugman bringt es auf den Punkt: 9/11 markierte den Beginn von Jahren der Schande:

The atrocity should have been a unifying event, but instead it became a wedge issue. Fake heroes like Bernie Kerik, Rudy Giuliani, and, yes, George W. Bush raced to cash in on the horror. And then the attack was used to justify an unrelated war the neocons wanted to fight, for all the wrong reasons.

Von Trauer also keine Spur? Trauer, das ist die Erkenntnis, einhergehend mit dem Gefühl, dass so etwas nie hätte passieren dürfen. Anstatt dass 9/11 Anlass zur Trauer bot, wurden die Anschläge zur Gelegenheit: Imperiale Pläne konnten, so versprachen sich breite Teile des politisch-wirtschaftlich-militärischen Komplexes in den USA und elsewhere,  in die Tat umgesetzt, „unvollendete“ Kriege (wie Operation Wüstenwind im Irak) abgeschlossen werden.

Und die Intelligenzja mischte im Großen und Ganzen kräftig mit! Nochmals Krugman:

How many of our professional pundits — people who should have understood very well what was happening — took the easy way out, turning a blind eye to the corruption and lending their support to the hijacking of the atrocity?

Hinzuzufügen wäre noch, dass Israel  Israel seine Siedlungen in seit 1967 besetzten Gebieten expandierte und dass Besatzung, Abriegelung und Landraub unvermindert weitergegangen sind. George W. Bush erklärte Ariel Sharon zum „Mann des Friedens“.

Aus den Anschlägen haben „wir“ – wer immer das sein mag – nicht wirklich etwas gelernt, oder? Falsche Schlüsse wurden gezogen, falsche Lehren verbreitet. Und, so verkündet nun das israelische Ynet, die falschen Feinde gejagt (via Ghassan):

US lawsuit charges that Iran, Hezbollah involved in facilitation of September 11 attacks. Ynetnews presents special report about dramatic revelations that could change everything we knew about 9/11.

Stimmt. Um den Iran und seine libanesische Hilfsmiliz ist es in letzter Zeit verdächtig still geworden. Und irgendwie merkt man, dass die israelische Zeitungslandschaft nachhaltig unter dem Einfluss von Bibi’s Buddy Sheldon Adelson dahin darbt. Derweil erinnert sich die in Israel aufgewachsene Keren Carmelli daran, wie eine Lehrerin an ihrer High School am ersten Jahrestag der Anschläge vom 11. September, die Frage stellte: „Wenn wir zurückschauen, was hat 9/11 uns gebracht?“

Ein Gedanke zu “„Wenn wir zurückschauen, was hat 9/11 uns gebracht?“

  1. Es ging Blair u.a. damals darum, neue Kreuzzüge loszutreten. Explizit genannte Ziele waren Irak, Iran, Sudan & Libyen.

    Über Organisatoren von 9/11 wird bisher nicht gesprochen, weil das ein verdammt heißes Eisen ist: BAE Systems, Prinz Bandar, das saudische Königshaus, die britische Krone & der Al Yamamah Vertrag … diese Dokumentation sollte sofort an relevante Sicherheitskreise verbreitet werden. Denn diejenigen, die den Terrorakt vom 11. September organisiert haben, sind noch da da.

    http://larouchepac.com/10yearslater

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