“He’s not the president of the United States, he’s the president of Israel”

Da sitze ich in meinem kuscheligen Heim. Die Sonne scheint durchs Dachfenster. Der selbstgemachte Schümli-Kaffee belebt die Sinne, Borussia gewinnt schon wieder, dass es nur so eine Freude ist.

Wer bin ich also, dass ich einen Larry Derfner lobe für seinen Artikel über das ja nicht erst seit gestern augenfällige Scheitern US-amerikanischer Nahostpolitik? Was Derfner, der beim hervorragenden 972mag eine neue Heimat gefunden zu haben scheint, in seinem Beitrag über  Barack Obamas jüngsten UN-Auftritt sehr anschaulich darstellt, ist die Dimension des Scheitern des einstigen Hoffnungsträgers im Weißen Haus. Nun weiß man, was es bedeutet, wenn hierzulande respektierte Nachrichten- und Meinungsorgane schreiben, Obama stelle sich in Sachen Israel-Palästina in die Tradition seiner Amtsvorgänger. Wer nicht Befürworter der rechtsextremen Siedlungspolitik Israels ist, für den stellt Obamas UN-Rede ein Schlag ins Kontor dar. Bei Arabern, zumal Palästinensern, kann der Autor erbaulicher Kalendersprüchesammlungen a la The Audacity of Hope endgültig einpacken:

They may hate him more than any other U.S. president in history, including George W. Bush. They thought Obama was on their side, and in the moment of truth he sold them out to the LIkud, to the settlers, to the Republican wackos. Palestinians, and presumably all Muslims, feel toward Obama today how the settlers felt toward Ariel Sharon after he decided to withdraw from Gaza: betrayed.

Und für Israel befürchtet Derfner, der sich selbst als linkszentristischen Zionisten bezeichnet, das Schlimmste:

Alone and vulnerable to an extent that’s unfamiliar to Israelis. Until now, the U.S. held sway with the Palestinians; it doesn’t anymore. It held sway with Egypt, Jordan and Turkey; I wonder how much it has left now. In highly dramatic fashion, the U.S. stood up for the occupation and against Palestinian independence, and the result of this disgrace is that outside of Israel and America, the occupation is more unpopular and Palestinian independence more popular than ever. It’s the Palestinians who have the wind at their back now, and Israel that’s pissing in the wind. And America can’t help us anymore because America has become a spent force around here.

Amerika – ein Kartenhaus, das sich selbst zum Einsturz gebracht hat.  Israel steht nun wirklich allein da. Danke, Netanyahu. Danke, Liebermann. Danke, liebe Siedler. Danke, Obama. Danke, Nahost-Quartett. danke, Tony Blair:

Having gotten no respect from the U.S., the Palestinian Authority shows it none. Abbas’s aide Yasser Abed Rabbo says publicly that the Palestinians will refuse to negotiate with Israel if America is the mediator. The Quartet’s mealy-mouthed proposal for talks about talks gets blown off by the PA. The eminiently mealy-mouthed Tony Blair gets chewed out by Abbas.

Die Bestürzung, die man wegen Barack Obama verspürt, wiegt besonders schwer. Die Hoffnung, die er und seine Spin Doctors bei Antritt der Präsidentschaft hochhielten, die freudige Erregung im Juni 2009, als Obama in Kairo rhetorisch brillant – das muss man ihm ja lassen – das Tor zu einem wahrhaft neuen Nahen Osten ganz weit aufzustoßen zu haben schien, die Erwartung, dass die USA im Ringen um eine Regelung des Nahostkonfliktes irgendwann doch einmal die Rolle des ehrlichen bzw. ehrbaren Maklers übernehmen könnten – all das ist längst dahin.

Angefangen mit der zögerlichen Reaktion Washingtons unter Führung des Wunderknaben Obama auf die mit dem Begriff Arabischer Frühling zusammengefassten Ereignisse und Entwicklungen seit dem Frühjahr dieses Jahres bis hin zur definitiven Bankrotterklärung der Obama-Administration, als dieser der UN und der ganzen Welt deutlich zu verstehen gab: Frieden in Nahost? Frühling in Tel Aviv, Ramallah, Gaza und Jerusalem? Mir doch egal!

Bald sind wieder Wahlen in den USA, und wenn es nach dem Geschmack der Mehrheit der Abgeorneten in den Abgeordnetenhäusern, der Republikaner und breiter Teile der Demokraten geht, kann es offensichtlich gar nicht genug Siedlungen in den annektierten und okkupierten Gebieten geben. Man erinnere sich nur an die rauschenden Triiumphzüge Bibi Netanyahu bei seinem letzten US-Staatsbesuch. Washington – ein einziger Likud-Parteitag. Für Obama bedeutet das, so Derfner:

“He’s not the president of the United States, he’s the president of Israel,” a man in Ramallah said to me the day after the speech.

Israel steht nach Obamas Offenbarungseid isolierter denn je da,  und der Präsident der USA ohne Hosen. Eigentlich habe ich ja andere Sorgen.

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Ein Gedanke zu ““He’s not the president of the United States, he’s the president of Israel”

  1. Israel kommt nicht zur Ruhe. Warum gibt es diese Provokationen? US Außenministerin Clinton zeigt sich verärgert, Kritik kommt auch von der EU und der Uno. Mitten in der Debatte über neue Nahost -Friedensgespräche genehmigt Israel 1100 Wohnungen in Ostjerusalem und stößt damit auch Verbündete vor den Kopf. Was wird damit bezweckt?

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