Chomsky gegen BDS


Auf Judaism without Boundaries  findet sich ein Ausschnitt aus einem kürzlich veröffentlichten Interview mit Noam Chomsky. Befragt auf seine Einschätzung zur BDS-Bewegung reagiert Chomsky auf für seine Verhältnisse schroffe Art und Weise. Bei BDS handelt es sich nach Chomskys Ansicht nicht um eine palästinensische Bewegung, sondern um eine „angebliche Bewegung“ („alleged movement“), deren Verfechter die Palästinenser lediglich für ureigene Zwecke vereinnahmen. In Anspielung auf Omar Barghouti, einen der Protagonisten von BDS spricht Chomsky davon, dass einige BDSler einerseits zum Boykott Israels aufriefen, andererseits allerdings offenbar keinerlei Probleme damit zu haben schienen, in Tel Aviv zu studieren. Möglicherweise hätte Chomskys Gesprächspartner darauf hinweisen können, dass BDS auch von jüdischen Israelis mitgetragen wird, sei’s drum: BDS ist für Chomsky der Gipfel der Heuchelei und ein ideales Instrument, um den Palästinensern weiteren schweren Schaden zuzufügen, eben weil die ausgegebenen Ziele von rechtsextremen und anderen Hardcore-Pro-Israel-Kreisen, Chomsky nennt als Beispiel die Republikaner, kinderleicht benutzt werden könnten, um die globale pro-palästinensische Solidaritätsbewegung als antisemitisches Sammelbecken darzustellen.  Eine Strategie, wie sie BDS verfolge, müsse auf zwei Grundprinzipien beruhen: Erstens sollten sie Palästinensern eben nicht schaden, zweitens sollten sie dazu beitragen, dass Menschen die Augen geöffnet werden im Hinblick auf die Lage in Israel-Palästina. Aber eben diese beiden Prinzipien würden, so Chomsky,  von gegenwärtigen BDS-Protagonisten nicht in ausreichendem Maße beachtet. Nicht alles überzeugt mich an den Auführungen Chomskys, z.B. als er behauptet, ein unterstützer von BDS gewesen zu sein, bevor es die Bewegung überhaupt gegeben hätte. Dennoch halte ich seine Hinweise auf den von BDS-Befürwortern oft bemühten Vergleich der Lage in Israel-Palästina mit Südafrika zur Zeit der Apartheid für bedenkenswert: Ähnliche Aktionen zur damaligen Zeit seien nicht zuletzt deshalb erfolgreich gewesen, weil es international einen realen Konsens gegeben habe im Hinblick auf die Untragbarkeit der Verhältnisse in Südafrika. Zudem: Sogar die US-Regierung hätte am Ende die Unterstützung für diesen Staat unterlassen. Im Hinblick auf BDS heute fragt Chomsky, sicherlich nicht ohne Grund: Warum Israel boykottieren? Warum nicht die USA?

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