Tea for the Tilman

Es schrieb, es schrub, es hat geschroben –  Dr. Tilman Tarach, gefangen in der virtuellen Welt von Liza:

Aber seit dem 8. Mai 1945 gibt es in Deutschland keine Antisemiten mehr, es
gibt nur noch „Israelkritiker“. Doch so wie der Antisemitismus in Adornos
berühmt gewordenen Diktum als „das Gerücht über die Juden“ beschrieben wurde, so
ist der Antizionismus das Gerücht über Israel.

Eine passende Replik gibt es hier.

Meine erste Reaktion gleicht jener des verehrten Herrn Mercator: Israel? Diesen Staat gibt es doch erst seit 1948! Man könnte, Tarach großzügig beizuspringen, andererseits  darauf aufmerksam machen, dass mit Israel nicht unbedingt der Staat Israel gemeint sein muss. Israel ist ja auch der Name von Jakob, einer der Stammeltern des Gottesvolkes Israel.

Andererseits  wird es auch auf diesem Wege problematisch, denn Israel kann ja auch Eretz Israel, das von israelischen Hardlinern und ihren Fans als solches bezeichnete Stammland besagten Gottesvolkes. Biblische Verweise auf ebendiese historische Heimat dienen diesen Leuten heute als Legitimation für die fortgesetzte Besiedlung von Gebieten, die von Palästinensern „temporär bewohnt“ – so die Sichtweise etwa jüdischer Siedler- werden.

Möglicherweise ist es Tilman Tarach leid, Skrupel walten zu lassen, wenn es darum geht, Muslime als nichtmenschenwürdige Wesen darzustellen. Immer dieses schlechte Gewissen! Dass Araber, zumal Palästinenser immer darauf herumhacken müssen. Und dann noch diese ewigen Juden – pun intended -, die nicht für eine Sekunde loyal sein können, wenn es um Israel – Staat, Land, Volk, Gott – who cares – geht. Möglicherweise geht es Leuten wie Tarach lediglich darum, die eigene Relevanz zu unterstreichen. Seit dem Terror von Oslo im Juli 2011 gehen ihm vielleicht Aufträge und Zuhörer flöten? Alles Spekulation, gewiss. Ich denke, man wird von ehrenwerten Herren wie ihm verstärkt wieder etwas zu lesen bekommen, wenn es der derzeitigen israelischen Regierung gelingt, die USA vollends von der Notwendigkeit eines Militärschlags gegen den Iran überzeugt zu haben – denn dann heißt es wieder Flagge zeigen!

5 Gedanken zu “Tea for the Tilman

  1. Ach Gottchen. „Israelkritiker“ gab es schon vor der israelischen Staatsgründung. Schon Hitler hat gegen einen jüdischen Staat gehetzt. Was für ein Unsinn also, Herr MondoPrinte ..

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    1. „Israelkritiker“ hetzen also nur gegen den Staat? Und deshalb ist Antisemitismus gleich Israelkritik? Verharmlosen wir da nicht etwas, was nicht verharmlost werden kann? Noch eine Frage: Möchte ich von Dir mit „Herr“ angesprochen werden?

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      1. @MondoPrinte
        Möglicherweise geht es Leuten wie Tarach lediglich darum, die eigene Relevanz zu unterstreichen.

        Naja, die tun immer so als wäre Israel gegründet worden nur um ihnen einen Gefallen zu tun.

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        1. Genau mein Punkt… Ich höre und lese gern Thomas Ebermann, der m.E. ein brillanter Denker und Stilist aus antideutschen/antinationalen/marxistischen Zusammenhängen ist. Aber auch er neigt, nicht nur, aber besonders beim Thema Israel, favorisiert auch er eindeutig die Bewahrung der eigenen weißen Weste und, damit einhergehend, die Verteidigung Israels als utopischen Ort, dass das So-sein der israelischen Besatzungspolitik nicht nur ausgeblendet, sondern (zumindest) übergangen, übersehen wird. Leute wie Tarach treiben dieses Spiel soweit, dass sie ethnische Säuberung und anti-arabischen Rassismus aktiv mittragen.
          Bei einem Thomas Ebermann hoffe ich immer darauf, dass seine ansonsten überragende Kompetenz in Sachen Reflexion nicht völlig aussetzt… Bei anderen sehe ich das schon längst nicht mehr so. Dialog, Diskurs – das ist unmöglich (geworden).

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  2. @Anna: Nicht nur der Hitler. Auch ein Mann namens Nahum Sokolov, zionistischer Historiker:

    „It has been said, and is still being obstinately repeated by anti-Zionists again and again, that Zionism aims at the creation of an independent ‚Jewish state‘. But this is wholly fallacious. The ‚Jewish state‘ was never a part of the Zionist programme.“

    Oder nehmen wir Norman Bentwich, zionistischer Brite und Attorney-General im Mandatsgebiet:

    „State sovereignty is not essential to the Jewish national idea. Freedom for the Jew to develop according to his own tradition, in his own environment, is the main, if not the whole demand.“

    Oder wie ist es mit dem ersten Hochkommissar der Briten in Palästina, Sir Herbert Samuel, ebenfalls jüdischen Glaubens:

    „The Jewish state has been the aspiration of the Jewish people for centuries. It is an aspiration which at the present day cannot be realized. It is not contained in the Balfour Declaration. If the Balfour Declaration had intended that a Palestine state should be set up, it would have said so […] There was no promise of a Jewish state. What was promised was that the British Government would favour the creation of a Jewish National Home — the term was carefully chosen — in Palestine. The Declaration did not say that Palestine should be the Jewish National Home, but that it favoured a Jewish National Home in Palestine, without prejudice to the civil and religious rights of the Arab population.“

    Nur daß man sich nicht darauf verlassen konnte …

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