„Bad Rachel“ ruft zu Massenmord auf – gelebte Israelsolidarität?

Rachel Abrams (links) stößt mit ihrer Tochter an.
Rachel Abrams (links) stößt mit ihrer Tochter an.

Weiß jemand, wie man „verkürzte Kapitalismuskritik“ in die englische Sprache übersetzt? Schwierig, ich weiß. Wie wäre es mit anti-Semitism? In den USA gibt es so ein Emergency Committee for Israel, und deren Vertreter haben letzte Woche eine Erklärung veröffentlicht, gemäß welcher auf den unter dem Banner Occupy Wall Street stattfindenden Demos zu oft, zu sehr oder überhaupt gegen Israel gehetzt werde. Ob das stimmt? Hmm. Mein Eindruck: Diese Gruppe wollte wohl einfach mal wieder mit irgendwas an Öffentlichkeit. Kann ich gut verstehen, als Blogger. Entsprechend markig machen sich dann auch Aussagen aus wie: „Hate is not an American value.“ Jedenfalls nicht so, wie es die Leute vom Notfallkommittee den Wall-Street-Besetzern vorwerfen. Wie man’s richtig macht, die Hass-Schleuder betätigen, machte nur wenige Tage nach der Verlautbarung aus Sorge um Israel Notfallkommittee-Mitglied Rachel Abrams vor. In ihrem Blog! Die Frau ist verheiratet mit Elliot Abrams, seinerzeit unter Bush Jr. Stellvertretender Außenminister.

Ihrer Freude über die Freilassung des israelischen Soldaten Gilad Shalit aus seiner Hamas-Geiselhaft  verleiht „Bad Rachel“ in besagtem Blog-Beitrag Ausdruck, indem sie zum Massenmord aufruft:

Zuerst Freude:

He’s free and he’s home in the bosom of his family and his country.

Dann Hass – volle Kanne, von mir ins Deutsche übersetzt:

Treibt dann seine Wächter zusammen, diese meuchelnden, dem Todeskult verfallenden, unschuldige Menschen schlechtenden, Kinder opfernden Wilden, die ihre Hände in Blut tauchen und ihre Frauen benutzen – falls sie nicht gerade ihre eigene Teufelsbrut an Bomben anschließen und sie losschicken, damit sie auch ja zu ihren 72 Jungfrauen kommen, wenn sie das Leben Schulbus fahrender, Herzen malender, mit Transformers spielender, Hausaufgaben vergessender Kinder anderer und von deren Kindern, die nicht von ihren Müttern  abgerichtet worden sind, ihrem Todesgott  zu dienen, als Schutzschilde, sich immer versteckt haltend hinter ihren Burkas und ihrer Babywiege – sie sind eben wilde Tiere. Werft sie ja nicht in eure Gefängnisse, wo sie darauf warten können, zu Tausenden eingetauscht zu werden gegen ein einziges Kind Israels, sondern ins Meer, wo sie untergehen können, als Futter für die Haie und andere Fische und fleischfressende Meeresbewohner, die Gott nur zu diesem Zweck geschaffen hat.

 Schockierend, nicht wahr? Musste mir nach dem Eintippen dieser Zeilen erstmal die Hände waschen. Mehrmals. Anders Brevik hätte es sich nicht besser ausdenken können. Und PI könnte fragen, ob Frau Abrams nicht bei ihnen als Teilzeit-Kolumnistin starten könnte. Wen meint die Dame eigentlich genau? Nur die Geiselnehmer Shalits – oder alle Palästinenser?  Fast egal.

„Bad Rachel“ selbst ist schon Notfall genug – was hat Israel getan, dass man ihm nun ein ganzes Notfallkommittee zumutet? Oder soll das schon wieder Israel-Solidarität sein?

6 Gedanken zu “„Bad Rachel“ ruft zu Massenmord auf – gelebte Israelsolidarität?

  1. Das ECi rekrutierte sich aus dem Committee for the Liberation of Iraq und bezog deren Büroräume. Als Ziel beschreiben die Pilit-Clowns:

    „The Emergency Committee for Israel seeks to provide citizens with the facts they need to be sure that their public officials are supporting a strong US-Israel relationship. The Committee’s mission is to educate the public about the serious challenges to Israel’s security and about what elected officials in this country are doing and should do in order to meet those challenges.“ (http://www.committeeforisrael.com/about/)

    Der erste Streich war ein Commercial über das angebliche Terroristenliebchen John Sestak. (http://www.youtube.com/watch?v=gIuiqho44I8) Das ist Goebbels-Niveau.

    Das ECi ist stramm rechts und damit nicht auf der Suche nach Verbündeten bei den Demokraten oder Libertären. William Kristol: “We’re the pro-Israel wing of the pro-Israel community.”

    Gründungsmitglieder sind William Kristol (Weekly Standard, PNAC-Nachfolger Foreign Policy Initiative), Rachel Abrams (Ehefrau des berüchtigten Elliott Abrams und Rechtsaußen-Bloggerin), der christliche Zionist Gary Bauer (Keep Israel Safe, American Values, Christians United for Israel), Noah Pollak (Commentary, Shalem Center Jerusalem, Middle East Forum) und MIchael Goldfarb (Weekly Standard) Der Mann selbst: „I’m on the record as an adviser to ECI and its no secret that I work at Orion, where the Committee for the Liberation of Iraq sign is still proudly displayed on the front of the building.“).

    Fazit: Bekannte Namen gründen einen neuen Think Tank und täuschen so Wissenschaftlichkeit vor. Sehr gefährlich.

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    1. Herzlichen Dank für die Hintergrundinformationen. Was ich mich immer wieder frage – was genau ist eigentlich pro-israelisch an dem, was diese Leute betreiben? Sie sorgen mit dafür, dass der von ihnen gefeierte Staat immer weiter in die internationale Isolation getrieben wird. Sie spitzen bestehendes Unrecht in Israel-Palästina weiter zu, und fast scheint es, dass Serdar Gunes‘ Einschätzung hiesiger (anti)deutscher Befindlichkeiten auch auf diese Neocons zutrifft: „Die tun immer so als wäre Israel gegründet worden nur um ihnen einen Gefallen zu tun.“

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      1. Die Lobby in den USA handelt nur nach ihrer eigenen Auffassung im Interesse Israels. Das erkannte schon Shimon Peres, der diese Meute 1980 mal als sein Problem bezeichnete (Alan Hart: „Zionism“, Vol. 3, p. 23). Aber: „It’s not an Israel lobby, it’s a Likud lobby“, sagte er damals. Genaugenommen ist Netanyahu einer ihrer Zöglinge, denn der wuchs in den USA auf und wurde von Perle, Wurmser, Feith, Rhode usw. beraten. Das Strategiepapier für Netanyahus Wahlkampf 1996: „A Clean Break: A New Strategy for Securing the Realm“ (http://www.iasps.org/strat1.htm) und die Nachfolgestudie Wurmsers „Coping with Crumbling States: A Western and Israeli Balance of Power Strategy for the Levant“ (http://www.iasps.org/strat2.htm und folgende Seite) wurden von den Leuten verfaßt, die dann unter Bush wesentliche Positionen in Politik und Militär begleiteten. Mehr Informationen über die Sippe finden Sie hier: http://www.rightweb.irc-online.org/ unter „Profiles“.

        Sehr zu empfehlen ist die Studie Stephen Sniegoskis: http://www.thalia.de/shop/tha_homestartseite/suchartikel/the_transparent_cabal_the_neoconservative_agenda_war_in_the_midd/stephen_j_sniegoski/ISBN1-932528-59-8/ID27985931.html?jumpId=1977106

        Für zehn Euro ist das ein Schnäppchen. Unbedingt lesenswert!

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  2. „Weiß jemand, wie man „verkürzte Kapitalismuskritik“ in die englische Sprache übersetzt?“
    „Truncated critique of capitalism.“

    Manche verwenden als falscher Freund „foreshortened critique of capitalism“, aber „foreshortening“ ist eigentlich was ganz anders:

    „Foreshortening refers to the visual effect or optical illusion that an object or distance appears shorter than it actually is because it is angled toward the viewer.

    Although foreshortening is an important element in art where visual perspective is being depicted, foreshortening occurs in other types of two-dimensional representations of three-dimensional scenes. Some other types where foreshortening can occur include oblique parallel projection drawings.“

    http://en.wikipedia.org/wiki/Perspective_%28graphical%29#Foreshortening

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