Guter Witz von Guttenberg: „Ein klares Bekenntnis zu Israel beispielsweise würde den rechten Rand wohl abschrecken.“

Der Betreiber der fabelhaften Bandschublade zitiert unseren früheren Wirtschafts- und Verteidigungs- und verhinderten Bildungsminister, den abgehalfterten Politstar, das Lothar-Matthäus-Double Guttenberg, der im Gespräch mit dem notorischen Giovanni di Lorenzo, der schon wieder Empfehlungen erteilt – in diesem Fall all jenen, denen es um die Gründung einer weiteren Rechtspartei geht:

„Zum einen müsste man eine Programmatik so deutlich entwerfen, dass gewisse Randgruppen, aber auch notorische Querulanten überhaupt nicht auf die Idee kommen, mit der neuen Gruppierung zu kokettieren. Ein klares Bekenntnis zu Israel beispielsweise würde den rechten Rand wohl abschrecken.“

Wer kann schon sicher sein, dass der Mann weiß, was er sagt? Oder dass er die Dinge genauso meint? Wer will ihm noch ernstlich trauen?

Man könnte Mitleid haben mit dem Mann. Man könnte sich ähnlich unbarmherzig üben wie der werte Zahnwart, der in Richtung Guttenberg und seiner Gattin, Inspektorin Barbie, feuert:

Ich bin ein Pietist. Ich bin nicht bereit zur Vergebung, trotz Reue, trotz den Worten „Das bedauere und bereue ich von Herzen“, die derjenige, um den es hier gehen soll.

Man könnte Guttenberg bei seinem Versuch der medial betriebenen Selbstexhumierung mit Verve in die Beine grätschen und ihn desweiteren ein weiteres Mal als Fälscher und Plagiator bloßstellen: Das Bekenntnis zu Israel gehört längst zum Standardrepertoire der sogenannten „rechtspopulistischen“ Szene im In- und Ausland: Die Freiheit, PI, Wilders, Strache und Konsorten.  Auch in Israel weiß man darüber sehr wohl Bescheid. Wieder einmal schwingt sich Guttenberg auf, um seine Spin-Show abzuziehen. Da werden Gedanken geäußert, die abgehangener nicht sein können, und sie werden verkauft, als handele es sich bei ihnen um originelle Ideen. In welcher Verlegenheit steckt die Zeit, steckt ein Giovanni di Lorenzo, dass er sich nicht einmal jetzt für so etwas zu schade ist? Er hat es ja nicht bei einem Zeitungsinterview belassen. Nein, es musste ein Buch werden! Was reitet ihn, den Herrn di Lorenzo? Die Sehnsucht nach dem großen Scoop?  Hat FAZ-Mann Jürgen Kaube so unrecht nicht, wenn er die Sache wie folgt darstellt:

Also das Interview mit ihm zu führen, ein Gespräch auch über seine Rückkehrabsichten, die ja so ein bisschen nebulös formuliert werden, fast so in Form so einer kleinen Drohung und pünktlich zur Eurokrise, da würde ich sagen, gut, das mag journalistische Praxis sein, dass man dann sagt: Wir machen so etwas. Aber es ist ja im Grunde genommen ein Vorabdruck, eine Art Vorab-Reklame für diesen Gesprächsband. Und da, finde ich, sind vielleicht Grenzen erreicht.

Man muss sagen, Giovanni di Lorenzo, der das Gespräch geführt hat und dieses Buch mit Guttenberg gemacht hat, war schon damals in einem Leitartikel der „Zeit“ der Meinung, dass er Minister bleiben soll, dass das so schlimm nun auch wieder nicht ist, dass die Schwindeleien im Bereich der Wissenschaft seine Glaubwürdigkeit als Politiker oder seine Leistungsfähigkeit als Politiker nicht tangieren. Insofern ist es vielleicht gar kein Zufall, dass es jetzt derselbe Journalist ist.

Guttenberg steht vor dem Verlassen der Abstiegsränge. Giovanni di Lorenzo muss der erst noch hin. Und der Leser? Muss der sich das auch antun?

9 Gedanken zu “Guter Witz von Guttenberg: „Ein klares Bekenntnis zu Israel beispielsweise würde den rechten Rand wohl abschrecken.“

      1. 🙂

        Ich finde die Zeit schon okay, solange sie nicht zu liberalistisch umherschwatzt. Aber Leute wie Joffe oder jetzt diese Aktion von Lorenzo sind peinlich. Sowas sollte das Image der Zeit beschädigen, auf dass die sich das nicht mehr erlauben. Die FAZ wäre nicht so dämlich, glaube ich.

        Ich bin gespannt auf die nächsten Umfragen: Zieht Guttenberg beim Kleinbürger immer noch?

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        1. Hmmm, ob es hier nur um den Kleinbürger als Adressaten geht? Ist die ZEIT nicht gerade auch ein Organ, dass sich ob seiner Wissenschaftsorientiertheit rühmt? Dass sich gerade auch an das entsprechende Klientel heranwanzt? Leute wie Lorenzo verkörpern doch jenen Intellektuellen, der sich „kritisch“ und „nachdenklich“, zuweilen auch „engagiert“ und „mutig“ nennen lässt – und dabei doch nur die jeweils vorgegebene Parteilinie bzw. den Zeitgeist (in diesem Fall: Profitgier) zum Ausdruck bringt.
          Was im Titanic Newsticker über die Grünen und „Stuttgart 21“ zu lesen (Dank an Bersarin) ist, trifft das nicht auch auf die sogenannten „public intellectuals“ zu. Muss man echt gelesen haben:

          „Stuttgart 21“ wird doch gebaut

          Der von der grünen Landesregierung vehement kritisierte Umbau des Stuttgarter Bahnhofs kann nach einem Volksentscheid nun doch stattfinden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann möchte den Bauprozeß allerdings „kritisch-konstruktiv“ begleiten. Politologen sehen darin einen Hinweis auf eine mögliche grüne Regierungsbeteiligung im Bund: So würden die Grünen mit einem schwarzen Bündnispartner den Atomausstieg 2014 zwar rückgängig machen, allerdings „mit Bauchschmerzen“. Die Vollüberwachung des Internets könnten sie dagegen nur „mit zwei zugedrückten Augen“ dulden. Die totale finanzpolitische Unterwerfung Europas durch Merkel würden die Grünen „mit kritischer Sympathie“ begegnen; die Annexion Griechenlands als 17. Bundesland behielte für viele aber „ein G’schmäckle“. Einem Atomschlag auf den Iran schließlich würden die Grünen nach langer Debatte „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ zustimmen.

          Aus: Titanic Newsticker

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    1. Mein Reden. Mir ist nach dem Verfassen des Artikels noch eingefallen: Ich hätte mich auch noch auslassen können zu meiner Lieblingsfrage: „Was heißt Bekenntnis zu Israel?“ Aber das ist schon so oft verhandelt worden hier in diesem Blog, dass mir das einfach zu dämlich war. Guttenberg ist und bleibt ein Schmock.

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  1. Ich meinte, dass es bei dem Guttenberg-Gedöns in erster Linie darum geht, dass er Mehrheiten herstellen kann, was vor allem daran liegt, dass er die Yellow-Press-Leserschaft begeistern kann. Deshalb war er ja lange Zeit beliebester Politiker Deutschlands. Dass er sein Comeback jetzt via Zeit angeht, hängt damit zusammen, dass er seriös wirken will und ernsthafte Ansprüche an die politische Klasse anmelden will. Aber die Bild und Spon haben auch ausführlich berichtet. Es geht m.E. schon darum, ob Guttenberg vom Volk, vom Kleinbürger weiterhin unterstützt wird oder nicht. Wenn ersteres der Fall ist, kann er das Projekt Parteineugründung angehen. Er hat das in dem Interview ja ziemlich offen angesprochen.

    Lorenzo will genau das personifizieren, was du schreibst. Er macht sich aber zunehmend lächerlich, und letztlich hat der noch nie etwas interessantes gesagt. Es fällt mir jedenfalls nichts ein. Er sieht gut aus und trägt gut sitzende Anzüge und Hemden. Das ist ja auch was, hat aber nichts mit Intellektualität zu tun. Er ist vielleicht das Abbild dieses Möchtegernbildungsbürgertums, das die Zeit liest.

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    1. Das hast Du gut auf den Punkt gebracht. Anders ausgedrückt – halt weniger filigran als bei Dir – wird es in der „Schmähkritik“ von Monarchie und Alltag:

      Josef Winkler schreibt sich in Rage über die Rückkehr Guttenbergs und teilt am Ende seines Artikels auch schön gegen den ZEIT-Journalisten und Guttenberg-Interviewer Giovanni Di Lorenzo aus:

      “Warum muss eigentlich Giovanni di Lorenzo da seine Nase und seinen Namen reinhalten und die Hebamme machen für dieses hirnweiche “Comeback”? Hat der kein Zuhause? Zu wenig zu tun? Kommt nicht schon genug Kohle damit rein, dass er Helmut Schmidt seit Jahr und Tag an der Pupe schmatzt?

      Oder findet er die Persönlichkeit Karl-Theodor zu Gutti einfach so faszinierend und bedeutend, dass er sich diesem ambitionierten Projekt nicht verschließen konnte: Den Typ 208 Seiten lang mal so richtig flatratemäßig ablabern zu lassen – ohne Gel und Brille! Eine Riesengschicht. Da wäre man ja kein Journalist, wenn man dazu nein sagen würde. Äh, oder umgekehrt?”

      In die gleiche Kerbe schlägt auch Berthold Seliger von der Konzertagentur Seliger in seinem neuesten Rundbrief:

      “Ein Giovanni di Lorenzo, den naive Gemüter immer noch für einen „Journalisten“ halten, macht den bezahlten Stichwortgeber und hat dem Karl-Theodor zu Guttenberg sozusagen sein neues Buch geschrieben. Und weil sie eben alle nur Teil eines Vermarktungsbusiness sind, titeln Blödzeitung (das Original) und „Zeit“ (die Kopie) unisono vom Buch des Karl-Theodor, für das ihn der „Zeit“-Chefredakteur interviewt hat. (…) Di Lorenzo dackelt und stichwortelt wie ein unterwürfiger Reitbursche, den „Zeit“-Lesern dagegen wird die „Steigbügelhalterei“ (Niggemeier) als ein „Streitgespräch“ verkauft – aber wahrscheinlich hält Di Lorenzo einen Satz wie „In Ihr Gesicht schleicht sich hin und wieder ein harter Zug ein“ schon für Majestätsbeleidigung, ähem, also, für kritischen Journalismus halt

      .”

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