Bei der Anti-Israel-Lobby in Ungnade gefallen

Peter Ullrich  (nrhz)
Peter Ullrich (nrhz)

Der von mir bekanntlich sehr geschätzte Berliner Soziologe Peter Ullrich hat zusammen mit Alban Werner eine Erwiderung auf berüchtigten Salzborn-Voigt-„Studie“ zum angeblich grassierenden Antisemitismus innerhalb der Partei Die Linke veröffentlicht. Hier eine Zusammenfassung:

Die Autoren setzen sich kritisch mit der Studie »Antisemiten als Koalitionspartner« von Samuel Salzborn und Sebastian Voigt (ZfP 58,3) auseinander. Sie betonen, dass der dort erhobene Vorwurf, die Partei DIE LINKE sei von einem antisemitischen Antizionismus geprägt, aus verschiedenen Gründen unhaltbar ist. Vielmehr wird nachgewiesen, dass der medial sehr wirksame Aufsatz von Salzborn und Voigt methodisch mangelhaft, teilweise nicht nachvollziehbar und logisch inkonsistent ist, hoch selektiv und reduktionistisch mit dem willkürlich ausgewählten Material umgeht sowie Gegenargumente, insbesondere zur Beschlusslage der Partei, und einschlägige Forschungen unterschlägt. Es wird kritisiert, dass somit ein unzutreffendes Zerrbild der Partei DIE LINKE geschaffen wird, welches sich zur politischen Instrumentalisierung eignet und gleichzeitig den gesamtgesellschaftlichen Antisemitismus bagatellisiert. Die Autoren plädieren stattdessen dafür, die Problemfelder der »Israelkritik« als Grauzone zu betrachten, in der die Palästinasolidarität an verschiedenen Stellen anschlussfähig für den oder undeutlich abgegrenzt vom Antisemitismus sein kann. Sie treten dafür ein, die Debatte zu versachlichen, u. a. indem diese Grauzone begrifflich genauer spezifiziert und insbesondere für die Partei DIE LINKE quantitativ untersucht wird.

Dass eine Versachlichung der Debatte um Antisemitismus auf der einen Seite und Israel-Palästina auf der anderen Seite dringend notwendig ist, zeigt zum einen der Umstand, dass das Salzborn-Voigt-Papier samt und sonders von sämtlichen Bundestagsfraktionen und angeschlossenen Medienorganen als seriöses Forschungsprodukt akzeptiert wurde.Von einer schleichenden Zionisierung der Diskussion zu sprechen, wäre hier noch untertrieben.

Zum anderen wird dies auch deutlich, wenn ausgerechnet Ullrich als Israel-Propagandist und Broder-Imitator denunziert wird, wie jüngst in einem wutbürgerlich schnaubenden Artikel in der Neuen Rheinischen Zeitung. Der Autor (PK) des betreffenden Artikel ist anscheinend bekennender Fan von Walter Herrmann und seiner „Kölner Klagemauer für Frieden und Menschenrechte„. Jedenfalls konnte er es gar nicht leiden, wie Ullrich jüngst in Aachen diesen hervorragenden Freund der Palästinenser so gar nicht feiern mochte:

Dr. Ullrich projizierte – wie gewohnt aus dem Zusammenhang gerissen – die Karikatur, die jetzt schon weit mehr als ein Jahr mit dem Ziel herangezogen wird, Walter Herrmann und seiner Kölner Klagemauer für Frieden und Menschenrechte Antisemitismus unterzuschieben. Die bekannten Methoden der Diffamierung durften nicht fehlen. Im Stile von Broder kombinierte Dr. Ullrich das Bild von der Klagemauer mit anderen Darstellungen, z.B. aus dem „Stürmer“ der Nazis, anstatt deutlich zu machen, dass es sich bei dem gezeigten Bild von der Klagemauer um ein in der deutschen Presse veröffentlichtes DPA-Foto von einer Demonstration in Indien gegen das israelische Gaza-Massaker im Winter 2008/9 gehandelt hat, und auf dem zu sehen ist, wie eine Demonstrantin ein Schild mit einer Karikatur trägt, die das Verbrechen, nämlich das Töten hunderter unschuldiger Kinder, in krasser Weise anprangert, und in dessen Bildunterschrift es dementsprechend heißt: „Protest in Indien: Eine Studentin hält ein Plakat, auf dem ein Israeli ein palästinensisches Kind zerschneidet“. Es ist das gängige Muster: statt die großen, von „westlichen“ Staaten begangenen Verbrechen ins Blickfeld zu rücken, werden diejenigen gebrandmarkt, die sich genau gegen diese großen Verbrechen wenden.

Mir scheint: Die Tausenden Toten im Gazastreifen als Resultat der israelischen Mordaktion „Gegossenes Blei“ (2008-2009, sie dienen den Walter Hermanns dieser Welt als billige Leitimation: Was sie implizit der Gegenseite vorwerfen, praktizieren sie selbst. Und alles nur, um sich gegen Kritik immun zu machen. Ist Palästinasolidarität hierzulande in einem derartig jammervollen Zustand, dass man zu nichts anderem in der Lage ist als einige der gnadenlostesten Israel-Freunde in ihrer Zionsliebe zu imitieren? Mit solchen Leuten sachlich Gespräche zu führen – wie soll das gehen? Aber, und das ist einer der Vorteile des Parlamentarismus: Sie sitzen wengstens nicht im Bundestag.

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