Was für Condi die „Geburtswehen“ waren, ist für Niall Ferguson die „kreative Zerstörung“.

Erinnert sich noch wer an Condoleeza Rice, seinerzeit US-Außenministerin unter George W. Bush? Als 2006 die israelische Luftwaffe, zu guten Teilen finanziert von US-Steuergeldern, immer mehr und immer blutigere Menschenopfer im Libanon verursachte, fabulierte Rice von den „Geburtswehen eines Neuen Nahen Ostens“. Mit anderen Worten: Für Demokratie von oben müssen die da unten eben leiden.

So manche Aussagen verfolgen einen eben noch Jahre lang. Interessant, dass all jene Stimmen, die zur Zeit des Zweiten US-irakischen Golfkriegs am meisten und am ehesten vernehmbar waren, all jene Neocons und liberale Bellizisten, die sich zu Hofdenkern und damit „mutigen und engagierten Verteidigern der Demokratie“ aufschwangen, noch immer ganz gut zu leben scheinen.
Oder wie anders ist zu erklären, dass ein „Historiker“ wie Niall Ferguson in aller Welt(Newsweek, Daily Beast etc.) sein Plädoyer für einen israelischen Angriff auf den Iran verbreiten darf? U.a. in Springers Welt tut Ferguson so, als würde er Gründe für und gegen ein solches Unterfangen abwägen, nur um zu folgendem Ergebnis zu gelangen:

Der Krieg ist ein Übel. Aber manchmal ist ein Präventivkrieg ein kleineres Übel als eine Politik der Beschwichtigung. Wer das noch nicht begriffen hat, verdrängt noch den Preis, den wir alle zahlen werden, wenn sich der Iran Atomwaffen zulegt. Man kommt sich vor wie am Vorabend einer kreativen Zerstörung.

[Hervorhebungen von mir]

„Beschwichtigung“ heißt auf Englisch, na, wie wohl? Genau: Appeasement, und schon weiß man, wo der Keks bröckelt, oder? Auch so eine Krankheit diverser schrecklicher Freunde Israels: der gewagte Nazi-Vergleich, und sei die Hintertür auch noch so schmal. Am Ende dann eine Floskel der allerfeinsten Sorte. „Kreativ“ ist das neue „anständig“. Dabei meint „kreativ“ doch: erschaffend, Leben fördernd. Das zusammenzubringen mit Zerstörung: Na, wo holt der Bartel den Most? Wes‘ Geistes Kind Ferguson ist, muss ich wohl nicht erst auseinandersetzen.

Dass dieser Harvard-Professor immer wieder der Welt erlaubt, die Deponie seines Gedankenmülls zu sein, passt irgendwie. Doch trotzdem wünscht man Intellektuellen seines Schlages, dass man ihn immer wieder an den von ihm in die Welt gebrachten Schrott erinnert. Was für Condi die Geburtswehen waren, ist für Ferguson die kreative Zerstörung. Findet übrigens auch Phil Weiss.

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