Aufatmen in Israel

Die Osloer Morde im vergangenen Juli haben die Aktien für Islamhasser sinken lassen. Die alte Gleichung „Palästinenser = schlimmer als Hitler“ ergibt zwar auch noch immer keinen Sinn, aber Mode ist halt, was schön macht.  Dachte sich auch Springer-Welt-Blogger  Gideon Böss und schrieb dies:

Überhaupt wird der palästinensische Antisemitismus souverän ignoriert. Religiöse Führer rufen ständig zum Mord an den Juden auf, die Hamas hat sich die Endlösung der Judenfrage auf die Fahnen geschrieben und selbst die „moderaten“ palästinensischen Politiker bringen es nicht über sich, Israel als „jüdischen Staat“ zu bezeichnen. Im Kinder-TV wird den Kleinen beigebracht, dass die Juden von Affen und Schweinen abstammen und für die palästinensische Seite ist völlig klar, dass der eigene Staat ein judenreiner sein wird (so wie es Gaza heute schon ist).

Wem will Bössman hier huldigen? Dershowitz? Geisel? Wanderwitz?

Schauen wir uns lieber an, wie auf das Busunglück zwischen Ostjerusalem und Ramallah, reagiert haben:

„Gott sei Dank, es sind Palästinenser“?

Palästinensern wird oft vorgeworfen, was Bössman und Andere gern verbreiten. Dass jüdische Israelis auch in diesem Sinne ebenfalls „nur Menschen“ sind, belegen Kommentare, wie die hier abgebildeten, oder auch Filme wie „Simply a Love Song“. Und kommt mir nicht mit Hinweisen auf die besonders angespannte Sicherheitslage – und schon gar nicht auf die Shoa. Wie in Israel mit noch nicht verstorbenen Überlebenden umgegangen wird, zeigt zum Schluss dieses Zitat:

“I have a sister who still lives in Hungary and doesn’t want to come to Israel. She has free healthcare there, and she also gets free medication. The State of Israel was established thanks to the survivors’ money, and I don’t have enough money right now even for all the medications that I need. I don’t even remember the last time I bought underwear and a shirt.”

7 Gedanken zu “Aufatmen in Israel

  1. Danke, ich hatte gestern keinen Nerv, einen Artikel dazu zu schreiben.
    Du hast oben Wallas FB-Seite gezeigt, die sollen gelöscht haben, während es bei Netanyahu damit wohl nicht so eilige war – laut Haaretz:
    http://www.haaretz.com/print-edition/news/after-jerusalem-crash-racist-comments-appear-on-netanyahu-s-facebook-page-1.413370

    Ich habe mir überlegt, was gewesen wäre, wären es ein palästinensischer Truck und ein Bus mit israelischen Kindern gewesen: großes Geschrei, muss ein Attentat sein etc. Und überall in den Nachrichten. Hast du etwas auf Deutsch darüber gefunden? Wenigstens über den Unfall, von den FB-Pöblern schreibt sicher niemand?

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    1. reaktionen keine, dafür einige meldungen… der von mir verlinkte text betont, dass israelische und palästinensische helfer gemeinsam vor ort sind. was diese hervorhebung soll, kann wohl nur der betreiber einer website mit einer „jewish hall of shame“ beantworten…

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  2. Hallihallo,

    Irgendwie verstehe ich die Komposition der drei Elemente in deinem Beitrag nicht. (Böss, Walla! und das Gesundheitssystem). Wird durch die FB-Einträge auch nur eine These, die Böss aufstellt, widerlegt? (Und keine Angst, ich mag Böss auch nicht, aber das ist ein anderes Thema…)

    Mein Eindruck ist der: du willst sagen, dass Böss zwar recht hat (auch wenn du dies nicht über die Lippen bringen würdest – oder bestreitest du die Richtigkeit seiner Aussagen?), aber in Israel gibt es Rassismus (gepaart mit einem zynischen Realismus). Damit werden Böss‘ Thesen… ja was eigentlich?!

    Und was hat die Aussage, dass Ungarn ein anderes Gesundheitssystem als Israel hat, in diesem Kontext zu suchen?

    LG, Chris

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    1. Hi Chris!
      Die Sache mit dem Gesundheitssystem: Da geht es doch darum, dass es dort jüdischen Shoa-Überlebenden besser zu gehen scheint als in Israel.
      Und Böss zu widerlegen, hieße ja, seinen „Argumenten“ rationale Stichhaltigkeit zuzubilligen. Eher geht es darum, die ihm eigene Selektivität herauszustreichen.

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      1. Nur kurz: Ja, es gibt Antisemitismus. Und das nicht zu knapp. Aber warum und ist er in all seinen Facetten dem alten europäischen gleichzusetzen? Und was Böss hier macht: er betrachtet selektiv. So, als würde es die Gegenstimmen (und das selbst bei der Hamas) nicht geben. Das ist das Widerliche an solchen Leuten: die tun so, als würden sie damit die palästinensische Gesellschaft darstellen.

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