Solange der Holocaust wieder vor der Tür steht, kann ihnen nichts passieren.

Ein Regierungschef, der im wörtlichen Sinne, mit aller Gewalt auf Krieg sinnt, ein Sicherheitsapparat, das nicht uneingeschränkt dabei mitzumachen bereit ist, die Darstellung des Feindes als Widergänger Hitlers – was momentan auf eine militärische Konfrontation zwischen Israel und dem Iran hinauszulaufen scheint, kommt einem doch sehr bekannt vor. Nur dass wir nicht 2003, sondern 2012 haben, das K durch ein N ersetzt worden ist (Irak wird zu Iran) und Israel selbst nun den Finger am Abzug zu haben gedenkt. Seinerzeit pfiffen es die Spatzen von den Dächern, dass der von der Koalition der Willigen unter der Führung der USA geführte Krieg gegen den Irak „gut für Israel“ sein könnte, war er das wirklich? Hier und jetzt sollen die USA Israel einfach machen lassen. Und ihm dabei partnerschaftlich zur Seite stehen. Damals war Saddam der Neo-Hitler, heute ist’s der Irre aus Bagdad Teheran, Ahmadinejad. Und wer dagegen ist, dass Israel den Iran angreift, hat gesinnungsmäßig ja ohnehin die Arschkarte gezogen.

Netanyahu, Barak, AIPAC, die US-Republikaner mit ihrem Bibel-Gürtel voller apokalyptischer Wahnvorstellungen, breite Teile des amerikanisch-jüdischen Establishments, die auch hierzulande aktiven „Stop the Bomb“-Kader, die, um die eine Bombe zu verhindern, auf andere nicht verzichten würden: Sie  alle sind honestly concerned, die Gelegenheit zu verpassen, mehr zu sein als ein Mückenklecks auf der Seite eines noch nicht verfassten Buchs namens Große Helden 2012. Was ihnen egal zu sein scheint, wenn es denn zu dem von ihnen rotwangig herbeigesehnten Erstschlag Israels kommt, sind die Folgen vor Ort – im Iran – für Rassisten wie die oben genannten Superhelden spielen iranische Menschenleben eben auch keine Rolle – im gesamten Nahen und Mittleren Osten, in Israel.

Israelis, das hat Boaz Gaon erkannt, sind für diese Typen ohnehin nur Kulisse. Taugen Araber nur als Busfahrer und Kamelhirten, bleibt auch  Israelis, jüdische zumal, nichts Anderes übrig als zu funktionieren:

I’ve come to understand that my own existence, and that of my children, merely shatters the sweet illusion of Israelis as matchsticks used to build a spectacular model of Noah’s Ark. Our lives belie the illusion that Jerusalem is a composite of Judaica items, each costing $30,000 in Zurich Airport’s duty free store. This is the illusion that allows people to call for the bombing of Iran while they sit in a mansion in Dallas. Or for the eradication of Israel’s democracy while lounging in a winter retreat in Miami. Or the annexation of Judea and Samaria while having a drink at the blackjack table in Las Vegas.

Aber solange der Holocaust wieder vor der Tür steht, kann ihnen nichts passieren…

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6 Gedanken zu “Solange der Holocaust wieder vor der Tür steht, kann ihnen nichts passieren.

  1. Hallo! Ob zwischen der oft und laut wiederholten Ankündigung politischer und religiöser Führer aus dem Iran, Israel von der Landkarte tilgen zu wollen, und dem Wunsch Israels, den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern, nicht doch ein Unterschied besteht? Um den nicht zu sehen, braucht man schon eine besondere Brille, scheint mir. LG E.K.

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  2. Hallo! Es gibt Brillen, die gefärbt sind und alles Gesehene in dieser Farbe (z.B. rosarot oder rabenschwarz) erscheinen lassen; es gibt wiederum welche, die Dimensionen verzerren und so die Wahrnehmung täuschen oder verrücken, und auch Brillen, die die Wahrnehmung bestimmter Fakten verhindern. Letztere ist die Ideologie-Brille. Dieser Brillentyp hat schwarze Flecken auf den Gläsern und blockiert die Wahrnehmung von Fakten, die nicht in die Ideologie ihres Besitzers passen. – Und alle diese Brillen sind für den jeweiligen Träger selbst unsichtbar, jedoch nicht für Beobachter. Fürwahr, das ist ein merkwürdig Ding, nicht wahr? Ich bin übrigens sicher, dass Sie derartige Brillen bei anderen durchaus bemerken. Welche Brille schreiben Sie mir zu? LG E.K.

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    1. :-). Sehr schöne Replik. Und wenn ich mir nun Ihr Blog so anschaue – Ihre Brille scheint mir einen klaren Blick auf antisemitische/antijudaistische Bestände und Restbestände in unserer Gesellschaft und in unseren Kirchen zu eröffnen. Gleichzeitig ist, wer durch diese Brille schaut, ein klein wenig von Nebel umgeben… Was halten Sie von der These des jüdischen Befreiungstheologen Marc H. Ellis, derzufolge Judentum und Staat Israel eben nicht in eins zu setzen sind?

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      1. Hallo! Ich danke für die Antwort. Übrigens würde ich mir selber eine Brille der 2. Kategorie zuschreiben: die zwar mein Thema deutlich und vergrößert sehen lässt, jedoch das andere dafür in den Hintergrund rückt. Sie bezeichnen das als Nebel. Auch in Ordnung.- Auf Ihre Frage kann ich nur erwidern: zu innerjüdischen Debatten äußere ich mich nicht; das ist nicht meine Sache. Da halte ich mich raus, grundsätzlich. Ich fege, schon wieder so eine Metapher, vor der eigenen Haustür. Ich bin aber auch auf manchen anderen Gebieten aktiv, also nicht völlig einseitig. Einen schönen Sonntag wünsche ich! E.K.

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