Adorno-Preis für Judith Butler

Was würde Wiesengrund selbst dazu sagen? Brühwarm vermeldet der Perlentaucher, dass Thomas von der Osten-Sacken, seines Zeichens  zu Hause vorm Spiegel Deutschlands führender Adorno-Verwalter, der Philosophin Judith Butler den Adorno-Preis, der in diesem Jahr an sie verliehen werden soll, am liebsten schon im Vorfeld aus der Hand schlagen würde. Warum? Sie ist nicht gegen BDS, oder, wie unser geliebtes islamkritisches Kulturvortäuschungsportal die Kampagne nennt, einen „Israel-Boykott“. Und das versetzt von der Osten-Sacken in Aufregung.

Was aber noch schlimmer ist: Micha Brumlik hat in einem ähnlichen Zusammenhang über Butler geschrieben, aber von der Osten-Sacken nicht erwähnt. Diese Juden machen es einem aber auch wirklich schwer!

Warum nur schreibt Brumlik nicht ganz einfach, dass er auf einen Blogeintrag von mir in der Jungle World reagiert? Denn andere Texte gibt es bislang zu dem Thema nicht.

Wo  Texte fehlen, reicht es dennoch für einen Shitstorm. Judith Reiter zufolge, „gibt es in Frankfurt bereits eine Mailkampagne, um die Preisverleihung zu verhindern“.

Doch hier muss ich von der Osten-Sacken recht geben:

Sicher, ich bin für einen prominenten Frankfurter Professor kein angemessener Gegner.

Die Inbrunst, mit der selbsternannte Israel-Verteidiger auf alles und jeden, der oder die Israel nicht mit denselben Weihen auszustatten gewillt ist wie sie es tun, dreinschlagen, ist sicherlich mit dem Umstand zu erklären, dass die Zionsliebe, die hier ausgedrückt werden soll, ein reines Abstraktum ist bzw. auf etwas Abstraktes zielt.

Dann macht es auch nichts, wenn die standrechtlich verdammten Personen jüdischer Herkunft sind. Ich würde nicht soweit gehen, ein solches Verhalten als Antisemitismus zu bezeichnen. Mit diesem Begriff ist in den letzten Jahren dermaßen viel Schindluder getrieben worden, dass sich das ohnehin verbietet. Zumindest müssen aber Reflexartigkeit, Selbstgerechtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der – offenbar nicht nennenswerte – Autoren wie von der Osten-Sacken ihren Job als Politkommissare verrichten, hinterfragt werden. Gerade jüdischen Kritikern Israels heimzuleuchten, scheint ihnen ein ganz besonderes Anliegen zu sein.
Von der Dreistigkeit, mit der ein Theodor W. Adorno, zumindest im vorliegenden Fall, als Deckmäntelchen für dieses Spielchen benutzt wird, ganz zu schweigen.

Mir bleibt nur, Judith Butler zu gratulieren nicht wegen BDS, sondern weil sie eine herausragende Philosophin ist. Schließen möchte ich mit dem Hinweis auf dieses Zeit-Interview mit Butler.

2 Gedanken zu “Adorno-Preis für Judith Butler

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