Israelsolidarität auf einem Bierdeckel

Manchmal spiele ich ja mit dem Gedanken, bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft um Aufnahme zu ersuchen. Von innen her könnte ich dann mobil machen gegen Besatzung, Abriegelung, Kriegstrommelei, antiarabischen Rassismus und zionistischen Antisemitismus („Jude ist nur, wer den Staat Israel liebt.“). Denn um Israelsolidarität in diesem Lande ist es schlecht bestellt. Man darf Ghassan dankbar sein für diesen Screenshot aus einer Online-Diskussion bei Indymedia:

Im Ernst, Leute: Wer solch ein Weltbild auch noch für das Ergebnis kritischer Theorie verhökern will, wer im Ernst meint, diese Aussagen spiegelten das Gegenteil der von Adornoerforschten  autoritären Persönlichkeit wider, dem kann ich nur entgegenrufen: Wenn sich etwas in diesem Bockmist zeigt, dann purer Antisemitismus: die Zukunft der Judenheit wird einmal mehr ausschließlich mit den Direktiven aus Westjerusalem/Tel Aviv verknüpft. Wieder möchte ich das Lied von der Zionisierung von allem und jedem anstimmen, der, die, das laut Etikett mit jüdischen Angelegenheiten zu tun haben soll, sich dann aber doch nur als Propaganda-Pistole für eine Form jüdischer Selbstvergewisserung herausstellt.

Israelsolidarität unter diesen Bedingungen fördert und fordert das Vergessen derer, die als Jüdinnen und Juden in der Shoa ermordet wurden. Sie dient nichts Anderem als der Selbstbeweihräucherung hiesiger Israel-Fans. Und die werden sich auch nicht an den Äußerungen ihres Innenministers Eli Yishai stören, der das Gefahrenpotential afrikanischer Einwanderer auf eine Stelle mit dem iranischen Atomprogramm stellt: Afrikaner gleich Iran gleich Hitler, ergo: Ausländer raus, um Hitler (einmal mehr) zu besiegen. Mir wird schwindelig.

Es geht diesen Pappnasen nicht um die Erinnerung an die Shoa. Vielen von ihnen scheint es darum zu gehen, auf der vermeintlich richtigen Seite zu stehen. An etwas glauben zu können, das es ihnen nicht so schwer macht, morgens aus dem Bett zu kommen. Diese Typen findet man hierzulande hinter so mancher Fahne. Doch auch elsewhere brummt der Schädel.

Josh Trevino, frisch angeheuerter amerikanischer Kolumnist des britischen Guardian, bereitete es dereinst offensichtlich keine Probleme, per Twitter die israelischen Streitkräfte dazu zu ermutigen, beim Umgang mit den Besatzungen der Gaza-Solidaritätflotte nicht zuviel überflüssige Milde walten zu lassen:

Dear IDF: If you end up shooting any Americans on the new Gaza flotilla — well, most Americans are cool with that. Including me.

Bekanntlich hielten sich an Bord besagter Boote auch jüdische Aktivisten auf, u.a. die Shoa-Überlebende Hedy Epstein. Manchmal spiele ich in der Tat mit dem Gedanken, einen Brief an die DIG zu schreiben. Und dann frage ich mich wieder: Mit wem oder was soll ich solidarisch sein?
Denn drückt sich in dem Fanatismus heutiger Israel-Begeisterter nicht auf authentischste Weise der Extremismus der derzeitigen israelischen Regierung aus? Wäre ich denn nicht, ach, nichts Anderes als ein Feigenblatt? Oder der Deckel überm Unrat? Die Zeche für den Bierdeckel?

3 Gedanken zu “Israelsolidarität auf einem Bierdeckel

  1. In erster Linie sind die hiesigen Israelsolidarischen einfach deutsche Patrioten mit schlechtem Gewissen. Die Untaten ihrer Väter verunmöglichen ihnen eine einfache Identifikation mit Deutschland, deshalb nehmen sie den Umweg über ein schlechtes Gewissen und „Verantwortungsbewusstsein“. Und als Patrioten leuchtet es ihnen natürlich total ein, dass den Juden zu ihrem Glück ausgerechnet ein Nationalstaat fehlt. Dass Israel ein „Schutzraum vor Antisemitismus“ wäre, ist der Grundirrtum aller Israelsolidarischen.

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  2. „Verfasst von: Liberty“

    Ich tippe auf die DIG Hochschulgruppe Rostock. Möglicherweise steckt Daniel Leon Schikora höchstpersönlich dahinter. Der hatte eine Zeit lang bei „Endstation Rechts“ kommentiert, einem Internet-Forum der Jusos MV. Dort tummelte sich auch ein gewisser „Germanophob und stolz drauf“. „Germanophob“ fand es gut, die Jugendlichen, die von Breivik gejagt und erschossen wurden, als „Nazi-Sozis“ zu diffamieren, die von einem „exterminatorischen Antisemitismus“ angetrieben worden wären, weil sie am Vortag des Attentates ein Transparent mit “Boikott Israel” hochgehalten hatten. Mit Schuschnigg, Wilders und Marine Le Pen hatte Germanophob dagegegen kaum Probleme. Selbst Breivik konnte sich von ihm bescheinigen lassen, dass er weniger antisemitisch wäre als die „Free-Gaza-Politkriminellen“

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  3. Ach, die Antideutschen…. Die meisten von denen hätten sicherlich auch geklatscht, „Zugabe“ gegrölt oder gar selbst Steine und Brandsätze geschmissen, wenn sich damals nur „Palis“ in dem Sonnenblumenhaus befunden hätten. Zumindest kommt man auf diesen Schluss, nachdem man sich deren rassistischen Schund auf einschlägigen Plätzen wie Bahamas, Jungle World, Reflexion etc. antut.

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