Über Solidarität, die „sehr schnell endet, wenn es um die Beschäftigung mit deutscher Vergangenheit geht. Oder um den Papst.“

Einige sehr bedeutsame Überlegungen zu Butler, Israel, Israel-Solidarität und Rassismus finden sich bei dem wunderbaren Momorulez! Im Großen und Ganzen kranken nicht nur die aktuellen Debatten an der falschen Gleichung Staat Israel = Judentum. Natürlich ist Antisemitismus in der Welt. Doch jene, die am ehesten von sich als Antisemitenjäger machen, schießen sie sich nicht selbst ins Knie, indem sie die ja nicht kleiner werdende Gruppe von Juden, die israelkritisch – was immer man unter „kritisch“ verstehen will – willentlich, d.h. mit voller Absicht, ins Abseits drängen?

Eben diesen Trick der Neuen Rechten, sich vermeintlich offensiv pro-isrealistisch zu geben, um rassistisch agitieren zu können – und damit meine ich die “pro-westliche”, Neue Rechte im Allgemeinen, nicht exklusiv die in Israel. Die Leute bei Springer waren gelernte Antisemiten, die das für sich entdeckten und in Israel ihre Ersatz-Arier suchten. Solche, deren Solidarität mit Juden sehr schnell endet, wenn es um die Beschäftigung mit deutscher Vergangenheit geht. Oder um den Papst.

Eine Hölle für sich ist ja auch das Problem, dass deutsche Verbrechen aus dem Zeitalter des Kolonialismus – ist es denn vergangen? – noch immer aktiv und öffentlich  verdrängt werden:

Ich will jetzt meinerseits gar nicht die Rolle von Ariel Sharon damals diskutieren oder ähnliches. Mir geht es darum, wie gar nicht von Juden, sondern von Publizistik und großer Politik Israel fortwährend instrumentalisiert wird, um über Geschichte und Gegenwart von Kolonialismus und Imperialismus zu schweigen.

Doch überraschen mag all das nicht wirklich:

Natürlich verweist all das auf die Butler-Debatte. Das bildet nämlich deren Hintergrund. Mal ab davon, dass sie schon als queere,jüdische Theoretikerin eh den Hass von weißen, heterosexuellen Männern auf sich zieht und vieles in der Kritik deutlich homophobe (“moralisch verderbt”) und antisemitische Züge trägt (“der zersetzende, verschlagene, manipulative jüdische Geist schadet der intellektuellen Gesundheit junger Akademiker”) – sie piekst in diesen ganzen Themenkomplex immer wieder hinein, und das halten sie nicht aus, die ganzen Neocons von links, rechts und liberal.

Meine – leicht veränderten – Ansichten zu Judith Butler habe ich bereits an verschiedenen Stellen hier zu Protokoll gegeben. Man muss ihre Thesen nicht unumwunden unterstützen, man kann ihre Einschätzungen zu Hamas und Hezbullah ablehnen – ohne sie zu dämonisieren und aus der Geschichte herauszunehmen. Momorulez hat einen wunderbar mäandernden Text zu all dem geschrieben. Was ich seit jeher an ihm schätze, mal ab vom Inhaltlichen: Seine hervorragende Fähigkeit, schreibend nachzudenken, Denkprozesse nachvollziehbar niederzuschreiben und dabei dem Lesenden Erlebnisse zu verschaffen, die nicht im Kognitiven verharren. Wunderbar. Nachträglich meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum tausendsten Blogeintrag.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Über Solidarität, die „sehr schnell endet, wenn es um die Beschäftigung mit deutscher Vergangenheit geht. Oder um den Papst.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s