Israel vs. Palästinenser: 22:1

Wieder mal eine „Debatte“ der beiden Präsidentschaftskandidaten Obama und Romney. Diesmal ging es um Außenpolitik. Und glaubt man einschlägigen Beobachtern, so müssen sich die beiden Bewerber quasi darum geprügelt haben, ihre Liebe zum Staate Israel besonders deutlich zu artikulieren. Wer mitgezählt hat: 22 Mal soll das Wort Israel gefallen sein. Und es war nicht Obama, sondern Romney, der das Wort Palestinians überhaupt aussprach. Kein Wort zur Besetzung, kein Wort zu Siedlungen oder zur Zukunft was auch immer für einer Lösung für Israel-Palästina. Nichts, nada, zilch. Wer darf israelische Staats- und Regierungschefs auch künftig mit militärischen Ehren vom Flugzeug abholen? Das war die Frage.
Und so ließen es die beiden wie aus einem Munde einfach nicht sein, immerzu von Israels Sicherheit zu schwafeln. Die israelisch-amerikanische Journalistin und Bloggerin Emily Hauser hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was genau Israels Sicherheit bzw. die Zukunft des Staates bedroht:

What is destroying Israel is the occupation. What is threatening Israel’s future is the occupation. What will bring an end to the Zionist dream of a democratic, Jewish nation is the occupation.

The state of Israel has already conceded, however unofficially, that there are now more Palestinians under its rule than there are Jews—and the vast majority of the Palestinians have no vote, and precious little control over their destiny, because Israel won’t give it to them.

The choice, whether or not Israel actively makes it, could not be clearer or more stark: either admit the truth, claim Israel’s share of the responsibility for the terrible state of affairs in which we find ourselves, and find a path to a durable two-state peace—or become the apartheid state that we keep saying we’re not.

Besagte Wahl hat man in Israel – ob man es nun will oder nicht – offensichtlich getroffen. Nach Ergebnissen einer Umfrage, durchgeführt  Dr. Camil Fuchs, einem führenden israelischen Meinungsforscher, haben 59 Prozent der befragten jüdischen ISraelis keinerlei Problem damit, dass Palästinenser mit israelischem Pass benachteiligt werden. 58 Prozent stimmen der These zu, dass Israel – zumindest in bestimmten Bereichen – ein Staat ist, in welchem Apartheid herrscht.

Nicht nur, aber auch  Entwicklungen wie diese lassen M.J. Rosenberg fassungslos den Kopf schütteln, wenn amerikanischen Politiker meinen, die Stimmen jüdischer Wähler sich dadurch sicher zu können, dass sie den Staat Israel lobpreisen wie einst Erich Honecker die Sowjetunion:

No other group is appealed to with reference to a foreign country. The candidates don’t fall over themselves praising Ireland, Italy or Poland, to name just three of the countries many voters identify with. They don’t talk about Africa to appeal to African Americans. No, only Jews are addressed as if we are some sort of foreign enclave that happens to live here.

Was meinereiner mit Zionisierung des Denkens und Sprechens über und mit Juden bezeichnen würde, bringt Rosenberg einfach nur auf die Palme:

That is wrong and it’s offensive. America is the most secure haven Jews have ever had. It has allowed us something no other diaspora country allowed us: the right to be identified as loyal citizens of the country, not on the basis of our faith or ethnicity. To treat us as something else is deeply offensive to almost all of us. It is certainly no compliment.

Und während ich einerseits immer so meine Bedenken hatte gegenüber Loyalitätsbekundungen gegenüber Staaten und Ländern, kann ich nicht anders als Rosenberg einfach nur recht zu geben: Oder steckt im übersteigerten Israel-Bekenntnis amerikanischer Spitzenpolitiker nicht etwa doch der Wunsch, Juden möchten doch lieber abhauen – gen „Palästina“?

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