„Likud ist unsere Heimat.“

Ein Bund für die Ewigkeit – aber wie lange dauert die schon? Heute ist bekannt gegeben worden, dass Israels führende Partei, der Likud-Block, eine Verbindung mit der Partei Israel Beiteinu eingegangen ist: Gemeinsam firmiert man nun als Likud Beineinu. Mitt Romney, der ja im US-Wahlkampf damit zu punkten glaubt, dass er sich ob seiner soooo engen Freundschaft mit Bibi Netanyahu preist, muss von den Staaten aus mit ansehen, wie sich sein Kumpel zusammentut mit einem Haufen, den nicht wenige – auch in Israel – als Neofaschisten bezeichnen. An der Spitze der unvermeidliche Avigdor Lieberman, seines Zeichens prominenter Siedler und Außenminister Israels.

Larry Derfner mag sich nicht so recht ärgern, denn er hegt allen Ernstes die Hoffnung, dass die neue Partei Israel vor den Augen der ohnehin ja nur mäßig angetanen Weltöffentlichkeit endgültig dessavouieren könnte. Selbst die am meisten Wohlmeinenden müssten, so Derfner nun einsehen:

Netanyahu has dirtied himself in the eyes of the world, including even a lot of his mainstream Jewish supporters in the United States.

Denn:

Avigdor Lieberman has a thoroughly deserved international reputation as an Arab-hating, war-loving neo-fascist (this last label having been pinned on him even by Martin Peretz, the stridently pro-Israel ex-publisher of The New Republic.) Foreign Minister Lieberman was a member of Kach in the late 1970s, which he understandably denies but which Kach veterans from that era swear to. He’s fantasized aloud in the Knesset about executing Arab MKs and threatened to bomb Egypt’s Aswan Dam. Plus, of course, he’s been under Israel Police investigation for corruption for nearly 15 years, and could face indictment pretty soon. And now Netanyahu, who made Lieberman his right-hand man during his first term as prime minister, has identified himself completely with this guy.

Nun wird auch auf ganz anderem Gebiet die Ernte eingefahren. Erinnert sich noch wer an mein Blogpost vom Samstag? Paywall bei der Welt? Dem Sammelbecken für Trolls, Rassisten und Pseudolikudisten? PI und Konsorten? Die dürfen sich einerseits die Hände reiben. Ihre Gebete sind erhört worden. Wieder Derfner:

Lieberman is not a centrist; he’s Israel’s answer to Jean Marie Le Pen, the late Jorg Haider, Geert Wilders and other enthusiastic Muslim-bashers, only he’s more militaristic.

Im Gegensatz zu Wilders, Haider und Co. ist Lieberman eben nicht abgeschmiert. Im Gegenteil. Ich bin mir ziemlich sicher, angesichts des momentanen Trends innerhalb der jüdisch-israelischen Bevölkerung, mit Apartheid und Diskriminierung von Palästinensern so gut wie kaum ein Problem zu haben, wird Likud Beiteinu bei den kommenden Wahlen spitzenmäßig abschließen.

Nicht so sicher bin ich mir, ob ich Derfner so ohne Weiteres zustimmen möchte: Mit dem Gedanken, großmäulige Faschotypen und ihre Banden mal ans Regierungsruder zu lassen, damit alle sehen, mit was für Vollspacken man es da zu tun hat, um ganz schnell wieder zum Normalzustand zurückzukehren, mit dieser Idee sind schon andere Gesellschaften auf die Fresse gefallen.  Jetzt muss sich vielmehr erweisen, zu was gelebte Israelsolidarität fähig sein kann:  Tut man Satireseiten wie dieser hier den Gefallen und nimmt sie ernst, der Titel von Bibis und Lierbermans neuer Partei könnte programmatischer nicht sein, auch für hiesige Israelfans, bei denen es sich ja oftmals nur um Leute handelt, die traurig sind, dass man als (Anti-)Deutscher nicht auch Likudmitglied werden kann. Heißt es weiterhin „Stop the Bomb by Bombing the Bomb“ und „Palästina, knie nieder, die Siedler kehren wieder“ – oder merkt mal einer was? Und als Israelkritiker würde ich noch immer nicht anfangen, Gilad Atzmon zu lesen. Da sei Ali Abunimah vor!

Nein, in Zeiten wie den nun angebrochenen wird sich erweisen, dass wahre Israelsolidarität und echte Israelkritik gar nicht so weit voneinander entfernt sind. Sicherlich wird es auch in diesem Blog noch den einen oder anderen süffisanten Seitenhieb auf Israels Regierungspartei der kommenden Jahre geben. Doch dabei darf es nicht bleiben.

Ich mache mir große Sorgen um Zustand und Zukunft einer demokratischen israelischen Gesellschaft. Jetzt sind all jene gefragt, die in Sachen Solidarität bzw. Kritik das Terrain des pseudo-religiös Bekenntnishaften zu verlassen bereit sind. „Gerade wir als Deutsche“ sollen genauso die Klappe halten wie „gerade wir als Christen“. Was passiert in Israel? Schauen wir genau hin.

4 Gedanken zu “„Likud ist unsere Heimat.“

    1. Ideologisch-inhaltlich ist die Nähe zweifellos da. Möglicherweise steht Lieberman für nichts anderes als die zuende gedachte Version eines Israel, von dem Likud immer geträumt hat.Nur dass es dieser Partei seit Begin immer wieder gelungen ist, auch international Fakten zu schaffen, will sagen: Dieser Partei haftet ja immer noch so etwas an von einer Reinkarnation des alten Klischees, nach welchem Frieden nur von den übelsten Gewalttätern geschlossen werden könne. Israel Beiteinu war vielleicht die ungehobelte Version von Likud

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