Kein Duell auf Augenhöhe: „Palästinenser fürchten neuen Krieg“

schlagzeilt SpOn, so als ob sich mit den palästinensischen Bewohnern des Gazastreifens aka Hamastan und der israelischen Armee zwei Gegner auf Augenhöhe gegenüberstünden. Aber genau diese Lesart soll anscheinend der Mord an Ahmend al-Dschabari, im dazugehörigen Artikel denn auch passenderweise als „Kommandeur“ und „Militärchef der  Hamas“ genannt, suggerieren. Wie zynisch ist das denn?  Die vermeintliche Vergleichbarkeit zwischen Israel und der Hamas wird dann noch weitergeführt, indem behauptet wird, dass beiden Seiten mit einem „Krieg“ nicht gedient sei. Netanyahu könnte Schiffbruch erleiden im Wahlkampf, denn die Bewohner des Gazastreifens könnten sich als nicht ganz so wehrlos erweisen wie zu Zeiten von Operation „Cast Lead„:

Eine groß angelegte Bodenoffensive dürfte jedoch mehr Opfer auf israelischer Seite fordern als der Gaza-Krieg, der als „Operation Gegossenes Blei“ in die Geschichte einging. Dies wird die politische Führung in Jerusalem vermeiden wollen. 2008/2009 kamen während dreiwöchiger Kampfhandlungen 1400 Palästinenser, aber nur 13 Israelis ums Leben. Es ist anzunehmen, dass in den Gaza-Streifen vorrückende israelische Truppen heute auf wesentlich mehr und effektivere Hindernisse stoßen würden: Mit Sprengstoff gespickte Tunnel, verminte Häuser und Scharfschützen könnten auf israelische Soldaten warten.

Not cool! Und selbst den Leuten von Hamas werden menschliche, weil strategische, Qualtitäten zugesprochen, nur um gleich wieder zu übertreiben und den ganzen Verein zum palästinensischen Äquivalent der Israelis hochzujubeln. Doch halt, da ist ja die Realität vor:

Die Hamas ist militärisch nicht in der Lage, einen offenen Krieg mit Israel zu gewinnen. Und Israel müsste den Gaza-Streifen komplett besetzen, um den dort herrschenden Islamisten beikommen zu wollen.

Und warum das alles? Es geht einmal mehr um palästinensische Bombengeschosse auf israelische Städte und es geht darum, der Hamas die Quittung für die Entführung und Gefangenhaltung von Gilad Shalit zu geben: Dschabari soll nicht nur bei letzterer entscheidend mitgewirkt haben. Ich möchte nicht in Ashdod oder Beer Sheva leben und der Gefahr ausgesetzt sein, Bombengrüße aus Hamastan zu erhalten. Doch ist diese Zumutung nichts, wenn man sich tatsächlich nicht entblöden möchte, die Situation der Menschen des abgeriegelten und isolierten Gazastreifens zum Vergleich heranzuziehen.

Man muss weder Hamas-Anhänger  sein, um den Zynismus zu erkennen, wie er von breiten Teilen des medialen Meinungsmainstreams (kurz: MMM) zum Ausdruck gebracht wird: Wenn die Bewohner des Gazastreifens etwas zu fürchten haben, dann keinen Krieg, sondern ein weiteres Massaker, das an ihnen verübt wird.

Dass es dazu kommen wird, ist eben nicht auszuschließen: Es bedarf nicht einmal eines Wahlkampfes, um in Charaktermasken wie Netanyahu oder Barak den Wunsch reifen zu lassen, vor (potentiellen) Wählern den dicken Max zu markieren. Und Hamas ist dringend mal wieder auf einige heroische Taten angewiesen: die Öffnung des Arafatgrabes mitsamt der Exhumierung seines Inhalts  hat sie ins publizäre Hinterland manövriert. Die Märtyrerposter sind sicher schon in der Mache.

6 Gedanken zu “Kein Duell auf Augenhöhe: „Palästinenser fürchten neuen Krieg“

  1. Lustig auch, dass die Presse einstimmig immer von einer „Reaktion“ Israels auf Raketenbeschuss spricht. So weit ich mich zurück erinnern kann: als das Gebombe losging, war das meines Wissens nach Israel, das anfing, In Gaza wieder Leute umzulegen. Dass der Raketenbeschuss Reaktion sein könnte, das ist natürlich völlig abwegig. Aber vielleicht liege ich auch falsch. Egal. Mir geht die ganze Scheiße und Deutschland im Speziellen nach 40 Jahren Zwangsbeteiligung eh so auf den Sack , dass ich mich inzwischen fast gar nicht mehr dazu äußere.

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      1. „nicht ganz gelungen“? wie immer dort eine aggressive und an einseitigkeit nicht zu überbietende israel-verteidigung und diffamierung jeder kritik daran, nicht zuletzt als „antisemitisch“

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        1. Naaa, „wie immer“? Jetzt überstreibst Du. Schon klar, dass ich ein bisschen arg diplomatisch formuliert habe, aber auch bei Publikative gibt es durchaus so etwas wie einen Meinungspluralismus, z.B. zum Thema „Rassisten für Israel“.

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          1. hm kann mich an einen artikel dort erinnern in dem tatsächlich von israel-fahnen neben npd-transparenten berichtet wurde, war glaub ich sogar vom selben autor wie dieses. aber gibts zu „nahost“ an sich auf „publikative“ auch differerenziertes? also zumindest kritik an der siedlungspolitik oder einigen aktionen des militärs?

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  2. „Mir geht die ganze Scheiße und Deutschland im Speziellen nach 40 Jahren Zwangsbeteiligung eh so auf den Sack , dass ich mich inzwischen fast gar nicht mehr dazu äußere.“

    Dito, aber sowas von.

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