Netanyahu auf Wahlkampftour im Gazastreifen

Da wird einem ganz anders: Der in SpOn, Deutschlandfunk etc. als „Militärchef der radikal-islamischen Hamas“ bereits genügend markierte  Ahmed al-Dschabari scheint in der Tat dem israelischen Wahlkampf zum Opfer gefallen zu sein. Otmar Steinbicker beruft sich auf Gershon Baskin, seines Zeichens CEO von IPCRI, dem  Israel/Palestine Center for Research and Information, der in der letzten Zeit als Mittelsmann zwischen Vertretern der israelischen Regierung und der Hamas fungierte und u.a. die Bedingungen für die Befreiung des von der Hamas gefangen gehaltenen Gilad Shalit auszuhandeln mithalf. Baskin hat u.a.  in Ha’aretz  deutlich gemacht, dass es zur Lösung des Problems von Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Städte aus dem Gazastreifen, so Steinbicker,

 nicht nur Verhandlungen, nicht nur einen fragilen Waffenstillstand, sondern obendrein noch einen handfesten Vorschlag der Hamas für einen ernsthaften und dauerhaften Waffenstillstand mit Israel gab – mitentwickelt ausgerechnet von Baskins Verhandlungspartner, dem Militärchef der Hamas – dem ersten gezielten Todesopfer der israelischen Gaza-Offensive! Im Gegensatz zur israelischen Propaganda versichert Baskin, dass der Hamas-Führer für die Raketenangriffe der letzten Monate nicht nur nicht verantwortlich war, sondern obendrein seine Truppen in Marsch gesetzt hatte, um die Raketenabschüsse anderer Gruppen zu unterbinden!

Doch lesen wir, was Baskin selbst zu sagen hat:

The Israeli decision to kill Ahmed Jaabri was total insanity. Jaabri was behind enforcing all of the recent ceasefire agreements. He sent his troops out to stop the rockets and was prepared to reach a long term ceasefire. Jaabri was also the main interlocutor of the Egyptian intelligence service in reaching ceasefire understandings. Now who are they supposed to talk to? Who can expect the Egyptians to continue to mitigate our relationship with Gaza? Now the government and people of Israel will face a massive barrage of rockets and they bought the entrance card to Cast Lead II. God help us all.

Ich selbst habe Baskin 2001 persönlich kennengelernt und mir einen Eindruck machen können von seiner und der Arbeit seiner israelischen und palästinensischen Kollegen bei IPCRI. Baskin selbst bezeichnete sich dmals als einen „liberal Zionist“, der an der Herstellung eines Friedens zwischen Israelis und Palästinensern auf der Basis des Oslo-Prozesses mitwirken wollte. Ich erinnere mich, wie er meinte, dass Israelis keine Lust hatten, immer als die Bösen dargestellt zu werden. In meinem damals durchaus vorhandenen, selbstgerechten Furor angesichts der Verhältnisse im damals von einer israelischen Regierung unter Ariel Sharon beherrschten Region namens Israel-Palästina –  im Gazastreifen gab es noch jüdische Siedlungen -, war ich von Baskins Einstellungen nicht wirklich beeindruckt. Ich, der ich palästinensischer sein wollte als jeder Palästinenser, erwartete doch tatsächlich von Israelis, dass sie sich doch mindestens wie Uri Avnery, wenn nicht Israel Shahak, zu artikulieren hatten. Wie sehr man als echter Held der Friedensarbeit unter die Räder von Befindlichkeiten und ähnlichem Kitsch geraten können! Auf Facebook macht sich ein Vincent van Dance indes Sorgen und unterstellt Baskin alles Mögliche:

Ich weiß jetzt nicht genau, ob ich jemandem zu viel Vertrauen schenke würde, der behauptet, dass Israel gerade einen Völkermord verübt. https://twitter.com/gershonbaskin/status/268871343418773504.

Netanyahu auf Wahlkampftour im Gazastreifen. Man kann nicht umhin, fassungslos über den einmal mehr zutagetretenden Zynismus von Bibi und Kohorten zu sein. Doch solange Hamas auch hier mitspielt – ich sag nur: Jaffa -, geht der Plan voll auf!

2 Gedanken zu “Netanyahu auf Wahlkampftour im Gazastreifen

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