Warum ich bei Lit-ex die zweite Silbe betone

Die Tage von Lit-ex, dem Fachmagazin für Verrisse aller Art, auf meiner Blogroll dürften auch gezählt sein. In einem Blogeintrag vom 9. September wird der Nahostkonflikt, im Artikel „Israelfrage“ genannt gleichsam auf dem Bierdeckel gelöst:

1) Solange von seiten der arabischen und islamischen Welt das Existenzrecht des Staates Israel in Frage gestellt wird, kann es keine produktive Diskussion über eine palästinensische Autonomie geben.
2) Solange terroristische Organisationen, PLO, Al-Fatah, Intifada, Hamas, Hisbullah oder wie sie in der Zukunft noch heißen werden, aktiv sind, kann es keine Diskussion geben.
3) Solange in arabischen und islamischen Köpfen Antisemitismus ein integraler Bestandteil der dortigen Weltsichten ist, kann es keine Diskussion geben.
Merk Dir das bitte mal, arabisch-islamische Welt.

Der Kenntnisreichtum dieser Nahostexperten sticht ins Auge: Intifada als Organisation, noch dazu als terroristische, zu bezeichnen, ist schon interessant.  Interessant auch, dass Fatah, deren langjähriger Anführer Abu Ammar (einige nannten ihn auch Yassir Arafat) als PLO-Repräsentant spätestens in der Washingtoner „Prinzipienerklärung“, welche ja den Anfang des unseligen Nahostfriedensprozesses einläutete, die Anerkennung Israels ein für alle Mal zu Protokoll brachte, mit dazu gezählt wird. Hatten wir neulich schon bei Genosse Graumann. Alibimäßig wird dann noch ein bisschen auf „das Problem des ultraorthodoxen Judentums (jahadut charedit), das immer aggressiver auftritt“, eingegangen.  Wäre nicht nötig gewesen, wo der Bartel den Most holt, ist anhand solcher globalanalytischen Steilpässe wie in Punkt drei ohnehin klar.

Lit-ex, das war für eine gewisse Zeit, so las ich deren Texte zumindest, ein Hort, an welchem vermeintlich im Geiste eines Eckard Henscheid Kritik gegen den verbreiteten Kitsch, gegen Gefühligkeit und Befindlichkeit, wo doch Rationalität und kritisches Bewusstsein gefragt wären, aufs Korn genommen wird. Und in der Tat: Wer als angry young thirty-something sein Mütlein an Iris Berben und dergleichen zu kühlen trachtet, wird hier reich belohnt. So weit so gut. Mein Hunger ist gestillt. Bleibt nur noch das Unwohlsein über vermeintlich religions-, vulgo islamkritische, Einlassungen, die an inhaltlicher Tiefe dem Wattenmeer bei Ebbe nahekommen – und das Differenzierungsvermögen eines Nebelhorns verraten. Man lese im Blog den Eintrag etwa am 23.10.2010.

Zum Abschluss noch ein Kompliment: Bei Lit-ex geht es mir wie bei der Titanic: Lustig und sättigend, es sei denn, es geht um Religion. Zumal um Fragen von Juden, Christen und Muslimen. Schönen Dank auch und pfüati.

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