Wenn alle Jüdinnen und Juden für israelische Politik in Haftung genommen werden

Allein wegen des folgenden Absatzes lohnt sich die Lektüre von Peter Ullrichs Kommentar zum Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft:

Das Nachleben des Antisemitismus nach dem Nationalsozialismus ist vielfältig. Die weit verbreitete Verharmlosung der Nazizeit und der Schoah aus nationaler narzisstischer Kränkung ist eine Folge, die allgemeine Verunsicherung, wie man in Deutschland mit Jüdinnen und Juden umgehen soll (oder wer überhaupt jüdisch ist und was genau Jüdinnen und Juden ausmacht), eine andere. Das Verantwortlichmachen von Jüdinnen und Juden für Israels Politik ist ebenso eine Folge davon (24 Prozent finden wegen der israelischen Politik Juden unsympathisch) wie der Versuch, den Spieß einfach umzudrehen und alles Jüdische und/oder Israelische zu bewundern und jede Kritik an jüdischen oder israelischen Institutionen als antisemitisch zu diffamieren.

Mit anderen Worten: So etwas passiert, wenn man Menschen bzw. Menschengruppen  als solche nicht identifiziert und sie eigenmächtig mal eben außerhalb von Geschichte und Gesellschaft stellt.  Sei es aus bösem Willen („Huuuh! Tabubrecher!“), oder weil man es doch nur gut meint.

Letzten Sonntag sangen wir in der Kirche mehrstimmig und engelsgleich die deutschsprachige Fassung des israelischen ’67-Hits „/Yerushalayim shel zahav/Jerusalem of Gold“: „In deinen Toren will ich stehen, du freie Stadt Jerusalem“. Ich musste währenddessen doch tatsächlich an jüngste Bilder palästinensischer Kinder aus dem Gazastreifen denken. Jaja, ich weiß, ich hätte mal lieber an das Rückkehrrecht, das palästinensischen Flüchtlingen verwehrt wird, denken sollen.   Damn you... palästinensische Propaganda!

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