Vom Glauben, von Bankräubern und Kannibalen

Christian Bommarius geht mit all jenen ins Gericht, die Jakob Augstein ernsthaft für den schlimmsten Antisemiten deutscher Sprache und den neuntschlimmsten weltweit halten. Das Simon Wiesenthal Center bekommt sein Fett weg, besonders aber jener, auf den sich die Juroren als Kronzeugen berufen:

Wer Broder Glauben schenkt, der vertraut auch einem Bankräuber sein Bargeld an und einem Kannibalen die Ehefrau. Mit der weltweiten Ausrufung Augsteins als Antisemit hat sich das Simon Wiesenthal Center – möglicherweise ungewollt, aber grob fahrlässig – zum Komplizen Broders gemacht und zum Vollstrecker der Rufmordkampagne, die Broder seit Längerem gegen den Freitag-Herausgeber führt. […]

Nach Bommarius‘ Dafürhalten betreibt Broder das Geschäft derer, die zu bekämpfen er vorgibt:

„Parasit“, „parasitäres Pack“, „Pack“ – Broder ist der einzige deutsche Journalist, der sich unentwegt der Sprache des Nationalsozialismus bedient, ohne als durchgeknallter Rechtsextremist geoutet zu werden. Als hätte er Dolf Sternbergers „Wörterbuch des Unmenschen“ geplündert und sich Begriff für Begriff einverleibt, spricht und schreibt er in der Sprache Hitlers und Goebbels’, nur eben, dass er nicht Juden diffamiert, sondern jeden, den er zur Strecke bringen will.

Sprach Hitler vom „ewigen Parasiten“, wenn er Juden meinte, spricht Broder vom „Parasiten“, wenn er den Ruf eines nach seinem Empfinden überbezahlten Referenten einer Nicht-Regierungs-Organisation vernichten will. Sprach Goebbels vom „Pack“, wenn er auf die Kommunisten zielte, spricht Broder davon, wenn er die „Gutmenschen“ treffen will.

Das Simon Wiesenthal Center zitiert Broder mit der Bemerkung, Augstein habe das Zeug zu einem „kleinen Streicher“, der Gründer und Herausgeber des antisemitischen und pornografischen Hetzblatts Der Stürmer war. Zumindest was die Pornografie betrifft, kann Broder Streicher fast das Wasser reichen: Streicher war für die Sammlung pornografischer Werke berüchtigt, die er gesammelt, Broder war einmal bekannt für pornografische Schriften, die er geschrieben hat.
Als Leumundszeuge kommt Broder seit langer Zeit schon nicht mehr in Betracht.

„Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche“, so der viel zu früh verstorbene Robert Gernhardt. Und gerade in Bezug auf Broders Expertentum in Sachen Porno mag man das durchaus so sehen. Wer Broder wirklich ernst nimmt, der muss sich die Frage gefallen lassen: Wer ist kein Antisemit? Einer, der israelische Politik nicht kritisiert? Einer, der zu Okkupation, Landraub, Abriegelung und Massakern zumindest schweigt? Der stehend applaudiert, sobald Netanyahu, Lieberman et al den Raum betreten? Für den Palästinenser letztlich keine Menschen sind? Nach deren Meinung Palästinenser einfach nicht da sein sollten? Und wenn ja, dann allenfalls als Vorwand, um weiterzumachen mit Gewalt, Willkür und massiver Rüstung? Für den jeder, auch Juden, auch Überlebende der Shoa, zum Unmenschen abgestempelt werden kann, wenn es im Moment günstig erscheint? Wer also ist kein Antisemit? Broder.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s