„Perfide ideologische Praxis zur Abfertigung und Zurichtung politischer Feinde“

Im Hintergrund äußert sich Moshe Zuckermann zur Affäre Broder. Interessant, was er zu den mutmaßlichen  Befindlichkeiten Broders zu sagen hat:

Juden wie Broder bewegt wohl eine andere Form der Schuld: die Tatsache, dass sie es lebensgeschichtlich selbst nicht geschafft haben, sich in Israel eine Existenz aufzubauen. Viele von ihnen, die es versucht haben, sind kläglich gescheitert. Es kommt aber etwas anderes hinzu: Weil sie auf Israel so heftig projizieren, ist das, was Israel verbricht, eine schwere narzisstische Kränkung für sie. Daraus stricken sie sich dann die ideologische Form der Bewältigung, eben den Antisemitismus-Vorwurf.

Da kommt einem ganz spontan Freud in den Sinn – „narzistische Kränkung“ -, sowie die Tatsache, dass Broder in den 1990er Jahren, zu Zeiten der Veröffentlichung seines gar nicht einmal so unlesbaren Buches Die Irren von Zion in Talkshows damit hausieren ging, dass er zwei Wohnsitze unterhielt: in Berlin und in Jerusalem. Heute hausiert er mit anderer Ware. Das mit der narzistischen Kränkung passt zu den Dingern, die Broder auch jüngst raushaute. Wir haben ja schon neulich über Broders Hang zur Sprache derer, die er zu bekämpfen vorgibt, gesprochen. Bommarius hat recht behalten. Einerseits unterstellt er Augstein selbst „mentale Probleme“, zum anderen macht er ihn tatsächlich zum Widergänger von Goebbels und Streicher:

Augstein bereitet propagandistisch die nächste Endlösung der Judenfrage vor – diesmal in Palästina. Die Juden, die Israelis, so legt Augstein nahe, sind das größte Problem, das dem Frieden in der Welt im Weg steht.

Interessant der Gebrauch des Namens Palästina. Erinnert fühle ich mich gegen das verbale Foul eines gewissen Allensteyn, der Kritiker des jüdisch-israelischen Siedlungsprojekts in Palästina niederzumähen versucht:

Das sagen sie aber nicht. Sondern beschränken sich darauf, gegen israelische Siedlungen zu sein. Weil da: Juden am Werk sind.

Ob Broder, ob Allensteyn, ob Anetta Kahane, ob Titanic, ob Publikative: Zuckermann ist unbedingt zuzustimmen:

Israel dient ihnen als Projektionsfläche für alles Mögliche, nur nicht als Gegenstand realistischer politischer Auseinandersetzung.

Wo Zuckermann psychoanalytisch argumentiert, versuche ich es mit Religionskritik  frei nach Feuerbach: Es geht diesen Leuten nicht um das, was vor Ort vor sich geht, sondern um die Reinheit und Unbedingtheit eines Bekenntnisses für Israel. Nicht der reale Ort Israel, sondern der „Sprechort“ (Thomas Ebermann) Deutschland  bietet ihnen festen Boden, um sich ansonsten als Gesellschaftskritiker zu betätigen. (- gilt auch für Ebermann). Von hier aus lässt sich trefflich auf das Wolkenkuckucksheim Israel blicken – und gegen jede Art von Realismus in Schutz nehmen. Nichts Neues. Same old. Habe ich hier schon x-mal gesagt. Was bleibt also von diesem ganzen Quatsch um Chartstürmer Augstein? Ich schließe mit einem letzten Zitat aus dem Zimmermann-Interview:

Es wurde höchste Zeit, dass das miese Unwesen, das diverse Diffamierer im deutschen Diskurs mit dem Antisemitismus-Vorwurf betreiben, endlich als das vorgeführt wird, was es ist: als perfide ideologische Praxis zur Abfertigung und Zurichtung politischer Feinde.

Update: Hammer!

Ein Gedanke zu “„Perfide ideologische Praxis zur Abfertigung und Zurichtung politischer Feinde“

  1. Danke für die Lesehinweise, Zuckermann und Broder selbst, seinerzeit. Das ist wirklich der Hammer, aber passt zu Broder. Er wäre ein guter Ghostwriter, ein Auftragsautor. Denn schreiben kann er ja.

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