Der Super-GAU nach dem Super-GAU als Chance?

Der unverwüstliche Uri Avnery kam mit Blick auf die Situation in Israel bekanntlich zu folgender Vorhersage: „Weimar wiederholt sich!“

Vielleicht ist dies der Grund, warum mir der kürzlich in der taz erschienene Artikel von Gideon Levy zu den anstehenden Wahlen in Israel nicht so wirklich behagt. Nein, ich setze nicht gleich, was nicht gleichzusetzen ist, aber kommt einem nicht angesichts Levys halb-sarkastischer Forderung „Lasst den rechten Flügel und das Bennett-Feiglin-Team gewinnen. Wenn die israelischen Wähler dies wollen, ist es das, was sie verdienen“ nicht ein ganz ungutes Gefühl?

So richtig bedient bin ich, wenn sich der an für sich eher progressive US-amerikanische Religionswissenschaftler Shaul Magid zu seiner Verbundenheit mit Naftali Bennett, Kandidat der rechtsextremen  „Jüdischen Heimat“(Habayit Hayehud), gegen den ein Bibi Netanyahu sich ausnimmt wie ein bekiffter Peacenik, bekennt – in einem ähnlichen Geiste wie Levy.

Magid sieht es als eine Chance für die Linke Israels, sollte es zum Super-GAU (Bennett) nach dem Super-GAU (Netanyahu) kommen. Doch eigentlich geht es, wie so oft, dann doch nur um Befindlichkeiten, die außerhalb Israels eine Rolle spielen:

Bennett’s Israel does not want peace. It is not waiting for the other side to denounce violence. Two states? That was something from the last century. One state? Yes, but not one many American Jews will feel proud of. And not one the U.S. government will easily support.

Dass es nicht so ganz ohne den Blick auf die Befindlichkeiten im Ausland – von Israel bzw. Palästina – geht, ist fraglos richtig. Was stört, ist die Verabsolutierung der Außenperspektive.

Klar: Wagt man einen Blick auf die realen Zustände vor Ort, überkommt einen größtenteils das kalte Grausen, aber dennoch: Muss denn Israel erst so richtig vor die Hunde gehen, bevor die Botschaft überhaupt gehört wird, dass der Nahe Osten eben nicht nur Projektionsfläche ist? Oder sind all die Rufe nach einer noch rassistischeren Regierung in Israel doch „nur“ Ausdruck allgemeiner Erschöpfung, wenn nicht Resignation?

Dazu passend diese Nachricht über Einschätzungen des BND hinsichtlich auf das weitere Engagement der USA im Nahen Osten. Dank an Hartmut.

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