Es geht nicht um Lapid oder Bennet. Es geht um Qamar.

Während sich die Welt noch die Augen reibt ob des Glanzes, den Israels neue Politstars Naftali Bennett und Yair Lapid verströmen, soll uns das folgende Video, aufgenommen von Aktivisten der Menschenrechtsgruppe Ta’ayush vor Augen führen, um was es im Kern im israelisch-palästinensischen Konflikt geht: Die einen verschaffen sich Zugang zu Ressourcen und tun dies in vollem Bewusstsein auf Kosten der anderen – und mag es sich dabei auch um Kleinstkinder handeln:
Am 19.1. verhafteten israelische „Sicherheitskräfte“ in der Nähe von Hebron – man versuche, sich die Visagen dieser Typen einzuprägen, Gott sei Dank, lässt uns das Internet nicht vergessen – die 18 Monate alte Qamar und ihre Mutter Rima Ismail Awad.  Siedler hatten sich der Ländereien und der Olivenhaine der Familie bemächtigt und mussten natürlich nun von diesem antisemitischen Mob beschützt werden.

Welche Gedanken kommen einem bei diesen Bildern? Der Likudnik wird sagen: Diese Leute (gemeint: die Palästinenser, zu denen das kleine Mädchen und seine Mutter gehören) sind sowieso nur temporäre Bewohner von Judäa. Sie haben sich den berechtigten Anliegen der rechtmäßigen Landhalter widersetzt und müssen nun mit den Folgen leben.
Der aufgeklärte Zionist sieht wie einst Elie Wiesel im Sechstagekrieg nur die „dreamy eyes“ der israelischen Soldaten, speziell der Soldatinnen, die sich an Quamars Mutter zu schaffen machen, und zitiert Golda Meir: Was uns diese Leute (gemeint: die Palästinenser, zu denen das kleine Mädchen und seine Mutter gehören) zwingen zu tun, werden wir ihnen so schnell nicht verzeihen.
Der visionäre Chef des Weißen Hauses und seine Amtskollegen in den für maßgeblich erachteten, höheren Etagen rufen beide Konfliktparteien (gemeint: gerade und auch die Palästinenser, zu denen das kleine Mädchen und seine Mutter gehören) zur Mäßigung auf, um das Vergießen unschuldigen Blutes zu verhindern.  Irgendein Zentralratsmitglied wird irgendeinem namhaften Publizisten, der zu einer allzu klaren Sprache gefunden hat bei der Beschreibung des Videos „fehlende Empathie“ vorwerfen – gegenüber den israelischen Soldaten.

Der geschichtsbewusste „gerade wir als“ deutsche Nahostbeobachter grämt sich ob der Verschlagenheit dieser Leute (gemeint: die Palästinenser, zu denen das kleine Mädchen und seine Mutter gehören): Wieder einmal benutzen sie Kinder als Waffen und Schutzschilde. Oder er freut sich, denn: Irgendjemand wird sich schon finden, der das Gesehene als „schlümmer als beim Adolf“ zu bezeichnen nicht unterlässt. Und: „Der Jude“ ist eben doch nicht besser als „unsereins“. Hab ich wen vergessen?

Das friedensbewegte Mitglied irgendeiner wichtigen Friedensbewegung oder eines bedeutenden Ratschlusses steckt mit seinen/ihren Mitmenschen die Köpfe zusammen, und man verabredet einen außerordentlichen Termin zum gemeinsamen Verfassen eines Resolutionstextes gegen den Umgang mit Kindern im gesamten Nahen und Mittleren Osten, denn es bringt gerade angesichts dieser Bilder nichts, in pures Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen. Bei besagtem Resolutionstext soll es es sich dann aber auch lediglich erst einmal um einen Entwurf handeln, der seine Darseinsberechtigung als Resolution auf der nächsten Delegiertenkonferenz im November (Ort wird bekannt gegeben) dann wohl erhalten werde. Falls er noch auf die Tagesordnung gesetzt werden kann, versteht sich.

Hab ich wen vergessen? Tut Euch keinen Zwang an und ergänzt die Liste weiter nach Belieben.

Ansonsten noch dies: Qamar und ihre Mutter wurden – oh segensreiche israelische Justiz – noch am selben Tag (Qamar) bzw. nach nur einer Nacht (ihre Mutter) wieder freigelassen. Enorm, was man 18 Monate alten Palästistinenserinnen schon alles zuzutrauen wagt. Arme Israelis.

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