Obama knuddelt Bibi. Zum Abschied?

Was ist von Obamas Reden, die zu schwingen er ja wie heutzutage kaum ein anderer ja in der Lage zu sein scheint, in Israel-Palästina zu halten? Jon Stewarts Daily Show hat in ihrer heutigen Ausgabe eine Collage aller US-Präsidenten von Bush I. bis Obama präsentiert: Jeder einzelne Anführer der freien Welt, Inc., bekennt sich darin zur Zwei-Staaten-Lösung, mit den immer gleichen Worthülsen. Stewart wertet dies als Ausdruck der faktischen Machtlosigkeit der USA im Nahen Osten. Man könnte meinen, dass es kaum noch von Belang ist, ob bzw. dass sich Amerika seit jeher eben nicht als wichtigster Mediator zwischen Israelis und Palästinensers geriert, sondern als mehr oder weniger unverblümter Fürsprecher der geo-politischen Interessen Israels. Sagte ich unlängst noch, dass die Größe der mir eigenen Hoffnungslosigkeit doch noch nicht unfassbare Dimensionen erreicht habe – Obama weiß, da bin ich mir sicherer als bei so manchem seiner Amtsvorgänger, was es bedeutet, wenn z.B. die Vorsitzende des National Committee der Demokratischen Partei, Debbie Wasserman Schulz sich mit Naftali Bennett zum freundlichen Meinungsaustausch trifft.

So wird man doch leicht ernüchtert, wenn der geschätzte MJ Rosenberg moniert, dass Obama sich nicht tiefer hätte verneigen können vor Israels Regierung:

At every stop, he made clear that the United States is 100% on Israel’s side. Almost in so many words, he said that the United States and Israel are one.

Einigermaßen überraschend auch die Art und Weise, so Rosenberg, wie nach außen hin umstandslos Obama mit seinem israelischen Gastgeber das doch eigentlich zerschnittene Tischtuch zu teilen bereit war:

Particularly striking was Obama’s obsequiousness toward Prime Minister Benjamin Netanyahu, who worked so hard to elect former Governor Romney in 2012. Just read the transcript of the Obama-Netanyahu press conference and note the 10 times the President specifically invoked “Bibi,” as if the two were not leaders of their respective countries but buddies since childhood. […] It was embarrassing.

All das Getue und die wohlfeilen Worte, von wegen: „Ihr seid nicht allein!“, all das Geknuddel und Geschmuse mit Leuten, die kalt lächelnd dafür gerade stehen, dass Unterdrückung, Landraub und Siedlungsbau auf Kosten der Palästinenser weitergehen, und die in Kauf nehmen, dass in der israelischen Gesellschaft Fremdenfeindlichkeit und Rassismus weiter um sich greifen. Israel – ein einziger Beitar-Jerusalem Fanclub?

Dabei weiß Obama doch nicht erst seit seinem Essen mit dem seligen Edward W. Said, für wen er da Männchen macht. Natürlich hat Alex Kane nicht unrecht: Obama braucht den Nahostfriedensprozess, genauso wie übrigens die Palästinensische Autonomiebehörde, so dass es von großer Bedeutung ist, Israel nicht noch weiter in die internationale Isolation abrutschen zu lassen.

Vielleicht ist das alles aber auch ein Eingeständnis, um nicht von Kapitulation zu sprechen. Obama weiß, dass er  bei der derzeitigen israelischen Regierung keinen echten Partner finden kann. So bleibt ihm nur der Blick nach vorne: Gegen Ende seiner Jerusalemer Rede vor jungen Israelis sagte Obama:

Ihr – die jungen Menschen Israels – Ihr müsst nun die Zukunft in Eure Hände nehmen.

Schlesinger schlussfolgert daraus nicht unschlüssig:

Das ist mehr als nur eine weitere Variante des alten yes we can.

Denn es besagt vielleicht auch: “Den israelisch-palästinensischen Frieden kann ich nicht mit Eurer Regierung erwirken. Wenn Ihr sie nicht zu erfolgreichen Verhandlungen bringt, ich kann es zweimal nicht.”

Diese de-facto Absage an die Möglichkeit einer Kooperation mit Netanjahu fügt sich auch zu dem Umstand, dass Obama nicht in der Knesset gesprochen hat, sondern nur vor handverlesenem Publikum.

Man könnte in Bezug auf die Knesset auch etwas boshaft anmerken: Obama mochte nicht die Merkel mimen.

Obama weiß genau, was sich vor seinen Augen abspielt, im amerikanischen Kongress, wo die oben erwähnte Debbie Wasserman Schulz übrigens die Einpeitscherin und Taktgeberin bei den stehenden Ovationen für Bibi Netanyahu gab, bei den Palästinensern und auch bei Israelis. Die Frage ist: Was tun mit diesem Wissen? Es im Pazifik versenken?

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