„Netanyahu will Churchill sein. Doch dessen Zeit ist abgelaufen.“

Ein nicht namentlich erwähnter Top-Informant aus dem engsten Machtzirkel der israelischen Regierung beklagte sich jüngst bei Ynet über Ministerpräsident Netanyahu: Dessen persönliches und politisches Verhalten hätten dazu beigetragen, dass Israel isoliert in der Welt dastehe, ja, dass Israel heute bedrohter denn je sei sei. Angesichts der wirtschaftlichen Situation des Landes befürchtet der Informant einen Schneeball-Effekt, sollte sich beispielsweise ein EU-Mitgliedsstaat zum Boykott israelischer Waren entschließen. Interessant dabei ist, dass sich die Person voll und ganz im Klaren über die Plausibilität der Begründung eines Boykotts im Klaren zu sein scheint:

We are a country that exports, and in light of the situation with the Palestinians and the continued occupation, we are seen as an apartheid state. A boycott of Israel is the most dangerous thing that exists today.

[Fettdruck von mir ]

Neben der Besatzung wird Netanyahu für die Rolle, die er im Kontext der Verhandlungen um das iranische Atomprogramm seit jeher spielt, kritisiert. Bibis Hysterie habe dazu geführt, dass der Iran in der heutigen Zeit überhaupt  als ernsthafte Atommacht angesehen werde.

In regards to the Iranian issue, the senior official said that „due to Netanyahu’s outcries, Iran has become in recent years a missile superpower, second only to the US. People do not know this, but because of Netanyahu’s clamors, Iran has developed missile capabilities that are among the most advanced in the world.

„Why does he have to shout all the time that Israel will attack, what good will that do?! Israel’s second strike capabilities should have been made clear to Iran and he should have clarified that if something happens — Iran will disappear. But instead, he decided to threaten and shout, prompting Iran’s development of missile capabilities that they didn’t previously have.

[Fettdruck von mir ]

Und dann noch die USA: Dort gehe die Unterstützung Israels nach und nach zurück – nicht zuletzt aufgrund Netanyahus Iran-Hysterie, sondern auch aus einem anderen Grund:

„The African-American population sees what’s happening and observes the never ending critique that Netanyahu and his allies launch against Obama and they are starting to lose their patience. Netanyahu’s conduct in the US is in accordance to what was relevant there ten years ago.“

Wer noch immer treu Bibis Israel zur Seite stehe, das seien immer noch die Republikaner, doch diese Partei, so der Informant, „has lost their way“. Israel hat unter der Führung Benyamin Netanyahus denselben ebenfalls verloren, wobei zu diskutieren wäre, wann ihn Israel eigentlich gefunden und beschritten hat. Jedenfalls betätigt sich der Informant als Reflepsychologe und diagnostiziert bei seinem Regierungschef einen akuten Fall von Churchill-Syndrom:

Netanyahu constantly wants to be Churchill — he quotes him all the time — but in the modern world, it is better to be Nelson Mandela or the new Pope that has taken over the world with a storm. These are not Churchill’s times.

Was soll man jetzt sagen. Amen?

Interessant ist es jedenfalls auch, zu spekulieren, so wie es die Experten in den sozialen Netzwerken tun, bei wem es sich bei der/der großen Unbekannten wohl handeln mag. Sollte es sich bei besagter Person um Tzipi Livni oder gar Israels Wannebe-Mandela, Staatspräsident Shimon Peres handeln? Falls ja, die an dieser Stelle protokollierten Ausführungen wären nichts weiter als heiße Luft. Bemerkenswert immerhin aber die Erkenntnis, dass man auch in der israelischen Regierung sehr genau zu verstehen scheint, warum und aus welchen Gründen etwa die Rufe nach einem Israel-Boykott – in welcher Form auch immer – nicht verstummen mögen und warum der Vergleich zwischen Israels Besatzungsregime und dem südafrikanischen Apartheid-System nicht so ohne Weiteres vom Tisch zu wischen ist. Zumindest scheint man ernstzunehmen, was im einstigen israelsolidarischen Kosmos abgeht:

„The Europeans must take a stance, and they want it to be a moral one. This position sides with the Palestinians – they live under occupation and Israel is the occupier,“ said the senior official.

2 Gedanken zu “„Netanyahu will Churchill sein. Doch dessen Zeit ist abgelaufen.“

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