Unterschied rechtsnationale und „Mitte-Links-Zionisten“

Den Unterschied zwischen der amtierenden israelischen Regierung und dem – u.a. von der Arbeitspartei mitgetragenen Wahlbündnis Herzog/Livni kann man sich am besten anhand eines Vergleichs aus einem völlig anderen Bereich deutlich machen. In einem Fußballforum von Fans von Borussia Mönchengladbach wurde kürzlich hingebungsvoll und kenntnisreich darüber diskutiert, warum Gladbachfans den BVB aus Dortmund eigentlich so unsympathisch finden. Und wo man bei unsympathischen Personen und Vereinen war, fand auch Bayern München Erwähnung. Ein tiefgründiges Posting wechselte sich mit dem nächsten ab. U.a. hieß es:

Beim FC Bayern sitzen aus meiner Sicht mit Rummenigge, Sammer und Breitner sogar noch unsympathischere Typen in den Führungspositionen. Aber was den FC Bayern und den BVB immer schon unterscheidet: Die Bayern haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihnen der Erfolg über alles geht und es ist allgemein bekannt, dass sie dafür auch über Leichen gehen. Das ist deren Vereinsphilosophie, denn nichts anderes bedeutet Miasanmia übersetzt. Ich kann jeden verstehen, der das widerlich findet. Aber wenigstens ist das ehrlich. Der BVB macht faktisch nichts Anderes. Aber nach außen wird es immer so verkauft, dass man selbst das Gute verkörpert im Kampf gegen die bösen Bayern. Klopp hat sie ja z. B. allen Ernstes mit Robin Hood verglichen. Und dieses total aberwitzige Zerrbild wird tatsächlich von den Medien übernommen. Was nicht ganz von ungefähr kommt, denn das Schema Gut gegen Böse ist der Stoff, der letztlich zu jedem Show-Event und jedem Hollywood-Film gehört. Die Bayern haben wie gesagt nie ein Problem damit gehabt, als Böse gesehen zu werden – solange sie Erfolg haben. Sie sind böse, sie wissen das und sie stehen dazu. Der BVB ist zwar eigentlich auch ähnlich böse und wendet dieselben Mechanismen an. Aber sie heucheln nach außen, dass sie ja eigentlich ganz anders seien. Echte Liebe halt. Sie haben die allerbesten Fans von allen und nur bei ihnen gibt es so richtig echte Stimmung und echte Vereinsliebe. Das glauben die allen Ernstes.

Auf Israel übertragen bzw. übersetzt:

In der israelischen Regierung sitzen mit Netanyahu, Bennett und Liebermann sogar noch unsympathischere Typen in den Führungspositionen. Aber was die Rechten vom Zionistischen Lager unterscheidet: Die Rechten haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass ihnen Landraub und Groß-Israel über alles gehen und es ist allgemein bekannt, dass sie dafür auch über Leichen gehen. Das ist deren politische Philosopgie, denn nichts anderes bedeutet Am Israel Chai übersetzt. Ich kann jeden verstehen, der das widerlich findet. Aber wenigstens ist das ehrlich. Herzog/Livni machen faktisch nichts Anderes. Aber nach außen wird es immer so verkauft, dass man selbst das Gute verkörpert im Kampf gegen die böse Regierung. Und dieses aberwitzige Zerrbild wird tatsächlich von den Medien, westlichen Politikern, ja sogar der Sozialistischen Internationale (die Arbeitspartei gehört zu ihr, genau wie übrigens SPD und Fatah…) übernommen. Was nicht ganz von ungefähr kommt, denn das Schema Gut gegen Böse ist der Stoff, der zu jedem Show-Event und jedem Hollywood-Film gehört. Netanyahu und Co. haben wie gesagt nie ein Problem damit gehabt, als Böse gesehen zu werden – solange sie vor den eigenen Wählern und Mäzenen nichts als schwach dastanden. Sie sind böse, sie wissen das und sie stehen dazu. Ihre Hauptgegner im Wahlkampf sind zwar eigentlich auch ähnlich böse und wenden dieselben Mechanismen an. Aber sie heucheln nach außen, dass sie ja eigentlich ganz anders seien. Für Frieden halt. Sie vertreten die guten Israelis und nur bei ihnen ist das echte Israel beheimatet. Das glauben die allen Ernstes.

 Dies ist mein 1000. Posting. Nie hätte ich gedacht, dass Israel-Palästina und Borussia Mönchengladbach auf diese Weise miteinander eine Melange eingehen würden.

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Jüdische Lebenswelten im Tatort – aus der Sicht eines Nichtsehers

Vorerst leben meine Frau und meine Wenigkeit ohne Fernsehanschluss. Nachrichten beziehen wir über’s Internet, zum Fußballgucken gehe ich zu Freunden, alle Jubeljahre mal ins Stadion oder in die nächste Sportsbar, wo sich mit mir sicher der eine oder andere Trainingsjacken-Pantoffelheld mit „11-Freunde“-Appeal zur Bundesliga-Bionade-Konferenz einfindet.

Letzten Sonntag, so entnehme ich der Fachpresse, ermittelte das Münchener Tatort-Team Batic/Leitmayr in jüdischen Lebenswelten. Glaubt man dem Rezensenten meines Vertrauens, sowie Matthias Dell vom Freitag, habe ich nicht viel verpasst. „Jüdische Lebenswelten im Tatort – aus der Sicht eines Nichtsehers“ weiterlesen

Eilat, Gaza, Ägypten, Silverstein, Schlesinger

In den letzten Tagen waren meine Frau und ich außerhäusig, u.a. um Borussias euphorisch stimmendes 4:1 gegen Magaths Gölfe zu bejubeln. Was sich letzte Woche in Eilat ereignete, scheint sich anders zu verhalten, als israelische Regierungs- und deren Fankreise bzw. publizistische Vorkoster es haben verlauten lassen. Nachdrücklich empfehle ich diesen, diesen und diesen Beitrag von Richard Silverstein. Ans Herz gelegt sei zudem Schlesingers Artikel.

J 14: „diese Bewegung, die Grenzen durchbricht und Trennungen aufhebt“

"Ägypten ist hier" (Tel Aviv, 6.8.2011, Bild: Oren Ziv)
"Ägypten ist hier" (Tel Aviv, 6.8.2011, Bild: Oren Ziv)

Dimi Reider über die gigantische Demonstration in Tel Aviv am vergangenen Samstagabend.

Es wäre übetrieben zu sagen, den Protestierenden gehe es ganz bewusst darum, bestehende Klüfte und Grenzen zu überwinden. Doch eine der nicht für möglich gehaltenen Leistungen dieser Bewegung – die ja in ihrer Zusammensetzung an sich schon einen gigantischen Erfolg darstellt – besteht eben darin, dass ebendiese Grenzen nicht mehr so relevant erscheinen wie das, was Menschen zusammen bringt. Wir haben es versäumt, der Besatzung ein Ende zu bereiten,  wir haben uns nicht ernsthaft genug gegen sie gewehrt, aber diese Bewegung, die Grenzen durchbricht und Trennungen aufhebt, könnte die Besatzung u.U. aushöhlen.

[Übersetzung von mir]

Und ich sag nur: 300 000 Menschen – vielleicht sogar mehr –  auf der Straße.

Und: Borussia siegt in München…

Schmok – lesen, was weh tut

Machmal kommt mir Schmok vor wie ein in deutscher Sprache schreibender Norman Finkelstein – nicht nur, dass er fundiert und pointiert Kritik übend dahin geht, wo es weh tut. Nein, er ist nicht nur ein Polemiker, sondern ein harter Textarbeiter. Wo andere, meine Wenigkeit eingeschlossen, ihr Heil in der noch dämlichsten sprachlichen Pointe suchen, weist Schmok am jeweiligen Text nach, wo der Hase im Pfeffer liegt. Manchmal erinnert mich sein Ansatz auch an die von Edward W. Said formulierte Maxime, „Speak truth to power“, d.h. ihm geht es immer darum, nachzuweisen, wer auf welche Weise welche Lüge in die Welt setzt – und wessen Machtkalkül damit gedient sein soll.Schmok ist sich nicht zu schade, die schriftlichen Erzeugnisse noch der finstersten Dunkelmänner und der schmierigsten Schmierfinken genau zu studieren und auf diese Weise Denkfehler, Vorurteile, blanken Rassismus – oder aber Antisemitismus nachzuweisen.
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