Grass und so weiter…

Weil ich so lieb gefragt worden bin und in diesem Blog ja auch zu einem nicht ungerüttelt Maß meine eigene Profilneurose auslebe, denke ich mal in schriftlicher Form über Grass und seinen „Anschlag auf Israels Existenz“ in Form seines Gedichts „Was gesagt werden muss“ nach. „Grass und so weiter…“ weiterlesen

Antifaschistischer Schutzwall, diesmal richtig

Via Fefe erreichte mich diese Nachricht:

Von Sonntag auf Montag mauerten Aktivisten in Oldenburg die Haustür des NPD-Politikers Ulrich Eigenfeld zu. „Die Mauer soll ihn – zumindest symbolisch – daran hindern, an der heutigen Stadtratssitzung teilzunehmen“, ist auf der Website Indymedia zu lesen. „Antifaschistischer Schutzwall, diesmal richtig“ weiterlesen

Ministerin Schröders Antwort auf Neonazi-Terror

Und plötzlich ist er in aller Munde: der braune, was sag ich: der deutsche Terrorismus, denn jene, die ihn betreiben, praktizieren ihren Wahnsinn ja für Deutschland bzw. für die deutsche Nation. Nun endlich hat auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder die Zeichen der Zeit erkannt. Der Betreiberin des Blogs Annalist ist es zugezwitschert worden. Eine neue Broschüre ist erschienen, gefördert vom Ministerium Schröder. Titel des Werks kein Witz:

Demokratie stärken – Linksextremismus verhindern „Ministerin Schröders Antwort auf Neonazi-Terror“ weiterlesen

Stefan von Wangenheim, FDP, zufolge, gab es für Juden 1933 eine „Gunst der Stunde“.

Für alle, die Antisemitismus für eine Erfindung „der Zionisten“ halten und für alle, die meinen, das  Problem sei längst in den Griff bekommen worden, sei auf die jüngste Pressemitteilung von Jutta Ditfurth verwiesen. Die frühere Grünen-Vorsitzende  sitzt für ÖkoLinX-ARL als Stadtverordnete im Frankfurter Römer und durfte erleben, wie es um das geschichtliche Bewusstsein von einigen Volksvertretern bestellt ist – und das im Kontext des 73. Jahrestages der Pogromnacht: „Stefan von Wangenheim, FDP, zufolge, gab es für Juden 1933 eine „Gunst der Stunde“.“ weiterlesen

„Lanzmann-Skandal“

„Das Verfahren entwickelte sich zur Farce.“ Wie war das noch damals, vor immerhin schon zwei Jahren, in Hamburg, als sich abspielte, was Anna-Lena Bach in ihrem Epilog desselben als „Lanzmann-Skandal“ bezeichnet? Was ist geblieben? Was hat er gebracht? Wem hat er was gebracht, dieser Skandal? Nun, mir persönlich hat er die Erwähnung eines meiner Blog-Ergüsse in einer Endnote in Moshe Zuckermanns Buch „Antisemit“ eingebracht. Und ohne prahlen zu wollen: Das ist immerhin substantieller als das meiste, was  ansonsten geäußert worden ist über die ganze Angelegenheit – abgesehen von wenigen Ausnahmen, wie beispielsweise Bachs Epilog.

Deutscher Terrorismus

Während die Bundesregierung fleißig an ihrer Gleichmachungskampagne „rechts gleich links“ weiterstrickte und sich diverser Grusel-Schauer angesichts eines „Wiederauflebens“ linksextremistischer Terror-Taten nicht einmal klammheimlich erfreute, schlug der braune Terror, den man einwandfrei im Griff gehabt haben wollte, zu. Hierzu Roberto J. De Lapuente:

Nun kristallisiert sich ein Netzwerk rechtsterroristischer Mörder heraus, eine BAF, Braune Armee Fraktion, die seit Jahren ihr Unwesen treibt. Jetzt läßt es sich eben nicht mehr verstecken. Die Mordserie, die offiziell als Mordserie Bosporus, in der Presse abschätzig als Döner-Morde bezeichnet werden, wurden bereits mehrmals bei Aktenzeichen XY thematisiert. Einige Fälle wurden im Laufe der Jahre präsentiert – dass die Morde zusammenhängen, wusste man schon damals. Man gestaltete es aber so, dass man sie als innertürkische Angelegenheit abtat – Türkenmafia oder dergleichen. Einen rechten Hintergrund wollten die Behörden jedenfalls nicht herausfiltern. Ohne so einen Hintergrund war es bequemer – und es passte vermutlich ins innenministeriale Konzept, den rechten Terrorismus zu verharmlosen.

Man muß sich gründlich fragen, ob die ermittelnden Behörden geschlampt haben oder ob das Innenministerium mitsamt Kläffer an der Front, Minister des Inneren genannt, nicht reges Interesse daran hatte, solcherlei Fälle zu entwerten, um sie dem Konzept „Forcierung angeblich linken Terrors“ nicht in die Quere zu werfen. Helfershelfer des Terrors? Es wäre infam zu behaupten, das Innenministerium würde Terrorismus dulden. Aber ihn kleinhalten, unter den Teppich kehren, um ihn kein Spektakel machen: das hat es schon getan. Gezielt vielleicht; möglicherweise auch arglos – in jedem Fall nach ideologischem Kodex, wonach das Linke der Terror der Zukunft ist, nicht das Rechte.

Ha’aretz: Israels UN-Botschafter trifft Marine Le Pen

Das zuweilen innige Verhältnis, das gerade die am weitesten rechten „Populisten“ Europas zu Israel pflegen, ist in diesem Blog keine Neuigkeit mehr. In Ha’aretz beschreibt Adar Primor diese besondere Zion(ismu)sliebe folgendermaßen: Ha’aretz: Israels UN-Botschafter trifft Marine Le Pen“ weiterlesen

„Nie und nimmer! Nein!“ – Marc H. Ellis schreibt Offenen Brief an Präsident Obama

Alle Welt diskutiert die UN-Auftritte von Mahmoud Abbas und Bibi Netanyahu am gestrigen Tage. In einem Facebook-Forum fand ich den folgenden Offenen Brief des jüdischen Befreiungstheologen Marc H. Ellis an US-Präsident Barack Obama, als Reaktion auf dessen UN-Rede. Flugs übersetzte ich ihn aus dem, wie es so schön heißt, Amerikanischen.

„„Nie und nimmer! Nein!“ – Marc H. Ellis schreibt Offenen Brief an Präsident Obama“ weiterlesen

Noch mehr zu Breivik, Islamfeindschaft und Israelsolidarität

Eigentlich könnte Anders B. Breivik einem leid tun: Jene Mitte der europäischen Zivilisation, für deren Bestand er sich bereit erklärte, in Oslo im Regierungsviertel bzw. in einem Zeltlager diverse Blutbäder anzurichten, und ebendiese Bereitschaft auch in die Tat umsetzte, jene Mitte erklärt ihn jetzt zum Einzeltäter. Mittlerweile dürfte klar sein: Der Boden, der Breivik unter den Schuhen weggezogen wurde, war der rote Teppich, den ihm die Kulturkämpfenden des sog. „jüdisch-christlichen Abendlandes“ ausgelegt hatten. Einige der Lautesten dieses Clubs sitzen in diesem unserem Lande. „Noch mehr zu Breivik, Islamfeindschaft und Israelsolidarität“ weiterlesen

Deutsche Welle: Warnung vor „einer umfassenden rechtsextremen und islamkritischen Bewegung ohne Antisemitismus“

Schrecklich döspaddelig, z.T. auch feige, stellen sich zuweilen die hierzulande führenden Meinungsmedien  und ihre handverlesenen „Experten“ bei der Einordnung und Bewertung der Breivik-Verbrechen an. Als ob Spiegel, Focus, stern und Welt nicht selbst erheblich dazu beigetragen hätten, dass Islamfeindschaft und Fremdenhass in der Mitte der Gesellschaft wieder so selbstverständlich wie nur was geworden sind, ergeht man sich in schrecklich ungelenken Artikeln über jene ach so seltsame Szene, die man mit dem Etikett „rechtspopulistisch“ versehen hat. Was vor kurzer Zeit noch als gute Nachricht durchgegangen war, musste in aller Eile und Unschuld nun in eine Warnung umformuliert werden:  „Die Anti-Islam-Szene in Deutschland wächst“. „Deutsche Welle: Warnung vor „einer umfassenden rechtsextremen und islamkritischen Bewegung ohne Antisemitismus““ weiterlesen

Atmosphäre erzeugen

Den Osloer Massenmord habe ich natürlich mitbekommen – weit weg vom Computer. Seit einer Woche haben wir in NRW Sommerferien, und so hatte ich Besseres zu tun als meine Sicht der Dinge in Bezug auf Anders Breivik ins Netz zu schießen. Nicht nur schleppe ich mich mit einer fetten Bronchitis herum. Diese hinderte mich nur unzureichend daran, im Garten herzerreißende Ungeschicklichkeiten nicht zu unterlassen, mit meiner Frau diverse Baby-Kaufhäuser und -abteilungen zu durchforsten und mich in die Lektüre eines Romans zu vertiefen, dem ich eigentlich von Anfang an mit aktiv und inbrünstig empfundenem Argwohn gegenüberstand. Schon Jonathan Franzens Erstlingsroman The Corrections war seinerzeit – 2001 – mit soviel Vorschusslorbeeren überhäuft worden, dass einem ganz anders wurde. „Atmosphäre erzeugen“ weiterlesen

Susann Witt-Stahls pro-israelische Allstar-Truppe

Susann Witt-Stahls pro-israelische Allstar-Truppe

Von Wilders bis Broder, von Palin bis Bush, von Wertmullah bis Pünjer, von der Welt bis zur Titanic – Susann Witt-Stahls Hintergrund-Beitrag mit der martialischen Überschrift „Sieg oder Holocaust“ versammelt wahrlich die Pro-Israel-Allstars. Gruselig! Nicht nur gelingt es ihr auf recht überzeugende Weise, die operettenhaften Denkschemata und den selbstherrlichen Rassismus gegen Palästinenser und andere „Nazis“ treffend zu beschreiben und verschiedene Richtungen zu porträtieren. „Susann Witt-Stahls pro-israelische Allstar-Truppe“ weiterlesen

Natürlich gibt es Antisemitismus bei Linken – aber hätten wir das nicht auch ohne Salzborn und Voigt gewusst?

Was DIE LINKE nicht alles auf die eigene Kappe nehmen muss...
Was DIE LINKE nicht alles auf die eigene Kappe nehmen muss...
Einer meiner Lieblingswitze, weil er so viel Wahrheit spricht, geht so: „Warum lecken sich Hunde oft ihre eigenen Genitalien? Weil sie es können.“ Das Böse ist in der Welt, u.a.  auch deshalb, weil man nicht genug dagegen unternimmt. Der Antisemitismus ist in der Welt, und damit ist nicht allein das gleichnamige Presseorgan aus dem Hause Springer gemeint. Nakba-Tag hin, 15. Mai her: Israelkritik muss sich immer die Frage nach den eigentlichen Motiven gefallen lassen. Und ja: Es gibt ihn wirklich, Antisemitismus in linken Kontexten. Nicht zuletzt die jüngsten Vorfälle in Duisburg machen deutlich: Das Thema Judenhass muss auch in der Partei Die Linke ernsthaft bzw. ernsthafter als bisher zur Sprache gebracht werden. Wie konnte ein derartig widerliches Flugblatt auf die Website der Duisburger Partei-Linken gelangen? Mit Antwortversuchen wie diesem hier ist es nicht getan:

Das Pamphlet wurde am 31. Januar 2011 kurz nach 20 Uhr in der Region Essen-Gelsenkirchen auf die Internseite des Jugendverbands der Linken, [’solid], gestellt, die mit der KV-Seite verlinkt ist, und zwar von dem Nutzer einer ­t-online.de-Adresse. Ebenfalls bekannt wurde – aus dem Protokoll des Providers – die IP-Adresse.

Das Pamphlet war nun – und das sollte angesichts der politischen Kampagne gegen die Duisburger Linke nicht unbeachtet bleiben – so versteckt unter »Materialien«, daß es mit hoher Wahrscheinlichkeit seit Januar keine öffentliche Wirkung entfaltet hat und nicht entfalten konnte. Von einer bewußt platzierten Veröffentlichung als Bestandteil einer angeblichen Anti-Israel-Politik bzw antisemitischen Politik der Duisburger Linken konnte und kann überhaupt keine Rede sein.

Ich hätte nicht in der Haut der Dusiburger Betroffenen stecken wollen. Dennoch: So etwas hätte nicht passieren dürfen. Punkt.

Nicht ganz einleuchten will mir nun, was die taz – zusammen mit zahlreichen weiteren Zentralorganen hiesiger Meinungsbildung – dazu bewegt hat, den beiden bekennenden Israel-Wahnsinnigen (schöne Formulierung, Ghassan) Samuel Salzborn und Sebastian Voigt eine derartig breite Öffentlichkeit zu verschaffen – als Autoren einer „wissenschaftlichen Studie“ über „Antisemitismus und Israelfeindschaft“ in der Partei Die Linke. Gibt es nicht geeignetere Kandidaten zur Erstellung einer solchen Studie als diese beiden Freizeit-Likudisten und Pseudo-Polit-Kommissaren? Und dieser taz-Artikel, hat Herr Gessler den verfasst?
Wurde bis vor10 Jahren hierzulande in den entsprechenden Kontexten und Diskussionszirkeln mancher Versuch unternommen, den Gegensatz zwischen Israel- und Palästinasolidarität zumindest zu diskutieren, scheint heute die Alternative zu lauten: Entweder Islamismus oder Likudismus.  Entweder religiös verbrämter Judenhass oder „um Israel besorgter“ Rassismus. Nimmt man die Partei Die Linke zum Maßstab – sowohl linker Israelkritik als auch linker Antisemitismuskritik geht es dieser Tage beschissen.

„Warum lecken sich Hunde oft ihre eigenen Genitalien? Weil sie es können.“ Warum werden Salzborn und Voigt ernst- bzw. hingenommen? Die Antwort: Siehe oben. (Ober waren es Katzen?)