„I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so.“

Auf Meedia mokiert sich Stefan Winterbauer u.a. über den, seiner Ansicht nach wenig gemeinsinnigen, Wortbeitrag von Sebastian Loudon, der nicht so ohne weiteres Charlie Hebdo sein möchte. Winterbauer:

Man muss nicht selbst im Fadenkreuz der Terroristen stehen. Trotzdem kann und darf man Mitgefühl und Gemeinschaftssinn zeigen.

Mir geht diese Kampagne, „Je suis Charlie Hebdo“ schon jetzt gesteigert auf den Keks. Ich bin nicht Charlie Hebdo, allerhöchstens dieser Charlie:

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Ich empfinde Mitgefühl gegenüber den Hinterbliebenen der Mordopfer. Ich bin entsetzt über den schrecklichen möderischen Anschlag auf die Redaktion des Pariser Magazins Charlie Hebdo. Ich verabscheue die verübte Tat. Doch fällt es mir schwer, diesen Mehrfachmord als einen Anschlag auf Meinungsfreiheit, Satire, Zivilisation, „uns alle“ etc. zu sehen. Wie schon zu früheren Zeitpunkten kriechen schon jetzt wieder die Ratten aus ihren Löchern. Sehr empfehlenswert dieses Mal: die taz-Kolumne von Deniz Yücel.

Doch analog zur jüngsten Aussage aus dem berufenen Munde des seit jeher überschätzten Oasis-Gitarristen und Songschreibers Noel Gallaghers, dass, wer es heutzutage an die Spitze der Charts schaffe, automatisch scheiße sein müsse – kann ich mich eines erhöhten Bauchgrimmens erwehren, wenn ich sehe, wer sich so alles Charlie Hebdo nennen lassen möchte.  HIer sind sich Union, SPD, Bild, Spiegel und Pegida (wieder) einig. Die Ratten sind auch unter diesen, gewisslich oft nicht übel wollenden Zeitgenossen und Vorbildern der Gesellschaft. Und so möchte man den neuen Charlie Hebdos zurufen: Passt bloss auf, mit wem ihr zusammen auf der Solidaritätsveranstaltung gesehen werdet.

Schon jetzt, schon wieder registriere ich öffentliche Äußerungen, die darauf schließen lassen, dass die Morde an Charlie Hebdo nicht nur auf Seiten irgendwelcher Jihadisten und Salafisten, sondern auch bei angeblichen Verteidigern des sog. Abendlandes auf Dankbarkeit stößt und Aufbruchstimmung initiiert. Nachdem in den letzten Wochen die Stimmen aus den Reihen des Anders-Breivik-Fanclubs kaum zu hören waren – jedenfalls nicht hierzulande, weil Pegida -, so darf man getrost davon ausgehen, dass sich der Wind dabei ist zu drehen. Und so bin ich bei Elise Hendrick auf eine weitere Version von „Je suis Charlie Hebdo“ gestoßen: Ich bin einer, der wegen Charlie zu leiden haben wird:

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Und wo wir bei dem Magazin Charlie Hebdo selbst sind: Meine Meinung zu dieser Art von Satire, wie sie ja hierzulande eifrigst von Titanic und Konsorten kopiert wird – deckt sich in etwa mit der Meike Büttners:

„Charlie Hebdo“ hat zahlreiche rassistische Witze gerissen und nur allzu oft Hass als Spaß maskiert. Und wir wissen wohl alle noch vom Schulhof, dass ein Witz nicht immer nur zum Lachen gedacht ist. Oft genug ist es das Ziel eines solchen Witzes, Menschen zu verletzen. Damit kann ich mich schlicht nicht identifizieren.

Vielleicht ließe sich das sogar noch zuspitzen: Es geht ja nicht generell darum, Menschen zu verletzen. Was ja noch hässlicher ist, ist der Umstand, dass auf dem Schulhof bestimmte Witze Aggressionen gegen jene auslösen und jene verletzen können, die sich nicht wirklich wehren können. Humor wird leicht zum „Nach unten Treten“ instrumentalisiert – und ist dann kein echter Humor mehr. Ähnliches gilt für Satire, die vorgibt bzw. der von der schreibenden Kollegenschaft eilfertig attestiert wird, sie stehe in der Tradition und im Dienste der Aufklärung und des kritischen Denkens. Sie produziere einen Humor, der dem Kaiser die Kleider stehle und die Mächtigen dumm dastehen lässt. Tja, und wenn sich ebendieser Karl-Kraus-Kurt-Tucholsky-Gedächtnishumor letzten Endes entpuppt als rassistischer Klospruch… Wem fehlt dann das Papier?

Aber ich will mich auch nicht zu sehr beschweren. Als Schlusswort zitiere ich einfach mal Dyad Abou Jahjah, der auf Twitter mal so ganz nebenbei auch eine Kerze anzündet für jenen Polizisten, der iden Tätern der Charlie-Hebdo-Mordaktion ebenso zum Opfer fiel, eine Kerze anzündet:

I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so.

Gaza: Wer in dieser Zeit nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen denkt, hat es schwer.

In Gaza türmen sich Trümmer und Leichen. Die Zahl geht mittlerweile bis in Bereiche jenseits von 1200 Toten. Und Außenminister Steinmeier analysiert messerscharf:

Vor seinem Abflug, der ihn am Montag zunächst in die jordanische Hauptstadt Amman führen wird, kritisierte Steinmeier erneut scharf die Hamas: „Der Raketenbeschuss der Hamas gegen Israel hat eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die kaum noch aufzuhalten scheint.“ Auf beiden Seiten lebten die Menschen seitdem in ständiger Angst vor dem nächsten Angriff.

„Die Bilder der vielen unschuldigen Opfer“, so Steinmeier, „sind schwer zu ertragen.“ Die tragische Entwicklung könne Deutschland deshalb nicht gleichgültig sein, so der Minister weiter: „Nicht nur aus Sorge um die Sicherheit Israels, sondern auch weil die möglichen Konsequenzen einer weiteren Eskalation kaum absehbar sind.“

Demnach trägt Hamas die Hauptschuld alleinige Schuld am Massaker, das die israelische Armee gegenwärtig im Gazastreifen anrichtet. Und was Steinmeier mit den „möglichen Konsequenzen einer weiteren Eskalation“ meint, wer weiß das? Tribünen für israelische Zuschauer des Massakers?

Und wenn der Deutsche Koordinationsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR)  in einer vor Selbstgerechtigkeit, Wirrheit aber auch Kaltschnäuzigkeit nur so strotzenden Presseerklärung offen die Propaganda der Regierung Netanyahu weiter betreibt und eindrucksvoll Marc Ellis‘ These vom „ökumenischen Deal“ in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit belegt, kann man nicht einmal mehr den Kopf schütteln. Wie heißt es in anderen Zusammenhängen immer gern: „Die schlimmsten Feinde des Glaubens sind seine unbarmherzigen Verteidiger.“

Man muss kein Freund der Hamas sein – und wer ist das schon? -, um dennoch zu erkennen, dass die wieder und wieder aufgewärmte Behauptung, alles sei, vereinfacht gesagt, ruhig und friedlich im Lande Israel gewesen, bis die Hamas mit Raketen Angst und Schrecken in der israelischen Bevölkerung verbreitet hat, nicht zutrifft. Die Abriegelung des Gazastreifens, die wiederhole Heimsuchung unschuldiger Zivilisten durch israelisches Militär – sei es aus der Luft, sei es von der See her oder im Rahmen der sog. „Kriege“ in den Jahren 2008/2009 und 2012: Man muss schon mit einer Haltung ausgestattet sein, wie sie vom Koordinationsrat eingefordert wird: Eine Mischung aus gehobener Feiertagsstimmung, wenn es um den Staat Israel geht, (un)freundlischer Gleichgültigkeit, was zivile Opfer angeht, Ignoranz ob der Lage vor Ort, z.B. im Gazastreifen und, seinerseits, Geschichtsvergessenheit.

Wer Propaganda widerlegen will, lese diesen wichtigen Beitrag von Noura Erakat aus dem amerikanischen Nation-Magazin. Doch Vorsicht: Wer in dieser Zeit nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen denkt, hat es schwer.

„Christians of the Holy Land“

Vor vielen Monden wollte es dem Betreiber dieses Blogs gefallen, die Probleme zu beklagen, denen jüdische Kritiker Israels in Deutschland ausgesetzt sind.
Eine weitere Gruppe, die im Zusammenhang mit Israel-Palästina mehr oder minder überhört wird, ist jene der palästinensischen Christen. „„Christians of the Holy Land““ weiterlesen

Deutscher Medienpreis für Mitri Raheb

Gratulation an den protestantischen Theologen Mitri Raheb, einen der wichtigsten Verfechter einer zeitgenössischen Palästinensischen Kontextuellen  Theologie. Neben drei weiteren „leisen Friedensstiftern“ ist ihm der Deutsche Medienpreis verliehen worden:

Raheb betreibt neben seiner Gemeinde ein Internationales Begegnungszentrum, ein Bildungswerk und ein Gesundheitszentrum. Er konzentriert sich seit 15 Jahren darauf, die Kultur des friedlichen Dialogs unter den Palästinensern zu fördern. „Wenn man sich selbst nicht lieben kann, kann man den Feind nicht lieben. Die meisten Deutschen wollen, dass wir den Feind lieben, ohne dass wir uns mit uns selbst beschäftigen. Ich sage, das ist genau das Falsche. Wenn man es nicht schafft, sich selbst zu lieben, kann man seine Frau nicht lieben und seine Nachbarn nicht lieben und seinen Feind nicht lieben.“

Wesentlich mehr Raum in der Meldung zur Entscheidung, Raheb zu den diesjährigen Medienpreisträgern zu machen, nimmt in Engelbrechts Webartikel die Kritik der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Koordinierungsrates der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit eben daran ein. So etwas nennt man Beißreflexe. „Deutscher Medienpreis für Mitri Raheb“ weiterlesen

Jüdische Lebenswelten im Tatort – aus der Sicht eines Nichtsehers

Vorerst leben meine Frau und meine Wenigkeit ohne Fernsehanschluss. Nachrichten beziehen wir über’s Internet, zum Fußballgucken gehe ich zu Freunden, alle Jubeljahre mal ins Stadion oder in die nächste Sportsbar, wo sich mit mir sicher der eine oder andere Trainingsjacken-Pantoffelheld mit „11-Freunde“-Appeal zur Bundesliga-Bionade-Konferenz einfindet.

Letzten Sonntag, so entnehme ich der Fachpresse, ermittelte das Münchener Tatort-Team Batic/Leitmayr in jüdischen Lebenswelten. Glaubt man dem Rezensenten meines Vertrauens, sowie Matthias Dell vom Freitag, habe ich nicht viel verpasst. „Jüdische Lebenswelten im Tatort – aus der Sicht eines Nichtsehers“ weiterlesen

Ablass empfangen im Jahr 2011

Vor gut einer Woche wurde in der katholischen Kirche das Hochfest des Leibes und Blutes Jesu Christi gefeiert. Richtig: Die Rede ist von Fronleichnam. Anlässlich der Feier des „nachgeholten Gründonnerstags“ – an jenem Tag geht es ja auch um das Leib und das Blut Jesu, aber weil Karwoche ist, steht Feiern eben nicht auf dem Plan, übermittelt der für die Katholischen Pfarrgemeinden St. Johannes der Täufer, Lage-Rieste, und St. Paulus Apostel, Vörden, zuständige Pfarrer den Gläubigen im wöchentlich erscheinenden Pfarrbrief  folgende Botschaft:

An den Festtagen dieser Wochen können alle Gläubigen einen Ablass empfangen,
• die am Fronleichnamsfest (23. Juni) an der Prozession teilnehmen und das „Tantum ergo“ beten und singen;
• die beim Kirchenbesuch am Patronatsfest das „Vater unser“ und das Glaubensbekenntnis beten, also auf Lage am
24. Juni (Johanni) und 26. Juni (Kirchweihfest) sowie in Vörden am 29. Juni (Peter und Paul)
• die am Freitag des Herz-Jesu-Festes (1.Juli) beim Gottesdienst das Weihegebet an das Herz Jesu sprechen
• die am 3. Juli beim „Ewigen Gebet“ und der Sakramentsprozession in Vörden teilnehmen.

Ich als Zeitgeist-Katholik, der ja ohnehin dem Werterelativismus allzu oft ins bleckende Maul geschaut haben mag, denke beim Stichwort Ablass ja wieder das Schlümmste. Und ich frage mich: Steht uns eine neue Reformation bevor? Ecclesia semper et nunc reformanda?

Nun, so dramatisch will man es zwischen Rieste und Vörden dann doch nicht verstanden wissen:

Worum geht es beim Ablass? Ein Gebet oder ein gutes Werk ist nicht nur hilfreich für uns selbst. Wir glauben, dass unser
Gebet anderen Menschen hilft und vertrauen uns selbst dem Gebet anderer an. Bei der Gewährung des Ablasses wird
deutlich, dass die ganze Kirche, Lebende und Verstorbene, füreinander vor Gott einstehen.

Ich bin in einer der beiden Pfarreien groß geworden. Und mein Entschluss, Theologie zu studieren, war eine Entscheidung gegen meine Gemeinde: Ich war und bin mir sicher: Kirche ist da, wo Gott in der Welt ist.  Doch als gläubiger Katholik weiß ich auch: Gottes Abwesenheit, die gibt es auch. In einem Milieu aufzuwachsen, wo nicht Gott verehrt wird, sondern die Angst davor, was der böse Nachbar sagen mag – nun, wer bin ich zu sagen, dass Gott ausgerechnet dort abwesend sein soll? Aber: Ich kenne sie noch allzu gut: Diese zutiefst bürgerliche und hasserfüllte Selbstgerechtigkeit, die von ach so vielen gar so rechtschaffenen  Gemeindemitgliedern als Gottesfurcht dargestellt wurde. Meine Eltern haben bis heute darunter zu leiden. Und so drängt sich die Frage förmlich auf: Wo Gott allzu unbesorgt im Munde geführt wird – hat man ihn nicht schon längst verschluckt? Womöglich gar verdaut?

Mein Selbstverständnis als Katholik beinhaltet seit jeher die Überzeugung, dagegen an zu leben: Gegen all jene, die Gott benutzen, um mit seinem Namen die eigene Krankheit als Gesundsein zu verhökern. Gottes Abwesenheit? Überall dort, wo keine Fragen gestellt werden dürfen.

Christliches Verständnis für „junge Araber“ in der Gegenwart

Hach, wie war doch alles übersichtlich, damals vor nur wenigen Wochen, als Tunesien noch von Ben Ali, Ägypten noch von Mubarak und die meisten anderen Staaten des Nahen und Mittleren Ostens von panarabischen, post-nasseristischen Diktaturen regiert wurde. Die Benzinpreise waren insgesamt erträglich, die Tourismusbranche boomte, die Zeitschrift Geo konnte in einer Special-Ausgabe zu Jordanien und Syrien noch einem gutgelaunten, hippen Kaffee-Latte-Orientalismus frönen. Wir schauten nicht so genau hin. „Christliches Verständnis für „junge Araber“ in der Gegenwart“ weiterlesen

„Kopten ohne Grenzen“? Von wegen!

Kopten und Muslimen gemeinsam in Kairo
Kopten und Muslimen gemeinsam in Kairo

Aus Ägypten zu berichten und dabei die Situation der Kopten besonders zu berücksichtigen – dies als Leitmotiv der Website Kopten ohne Grenzen auszugeben, wäre eine grobe Untertreibung. Ein Blick auf die Kategorienliste des Blogs verrät es einmal mehr: Wo „Solidarität“ drauf steht, stecken nicht selten Hass und Intoleranz darin und dahinter: „christenverfolgung“, „islamischer terror“, „koptenverfolgung“, „entführung minderjähriger koptinnen“, „stopp abtreibung“ – all diese Schlagwörter ergeben eine Melange, bei der einem ganz anders wird. „„Kopten ohne Grenzen“? Von wegen!“ weiterlesen

Rassismus und Antisemitismus für Israel?

Der Islamwissenschaftler und Politologe Thorsten Gerald Schneiders zitiert in der Jüdischen Zeitung den kanadischen Soziologen Y. Michal Bodemann:

Während ein nicht unbedeutender Teil der Juden sich in die deutsche Gesellschaft integriert, ist das bei vielen anderen nicht festzustellen. Viele Juden meinen, sie kämen auch ohne Deutschkenntnisse aus. Schulische Aktivitäten, wenn sie denn einmal auf einen Samstag fallen, werden boykottiert. Frauen sind im Judentum auch heute noch Bürger zweiter Klasse.» Besonders besorgt drückt sich der Autor darüber aus, dass einige ultrazionistische, nicht offen operierende Organisationen Mitglieder in Deutschland anwerben und für ihre Zwecke, ein theokratisches Groß-Israel, Geld sammeln. Gerade auch die russisch-jüdischen Einwanderer hätten sich in großstädtischen Ghettos isoliert, abgeschottet von der deutschen Umwelt und ohne Interesse an unserer Kultur und Lebensweise. Ein Artikel dieser Sorte, erschiene er denn in einer deutschen Zeitung würde eine Welle der Entrüstung hervorrufen. Der Chefredakteur müsste sich umgehend für den «bedauerlichen Ausrutscher» entschuldigen, dem verantwortlichen Redakteur würde vermutlich fristlos gekündigt. Wenn wir in diesem Bericht jedoch das Wort «Juden» durch die Wörter «Muslime» oder «Türken» ersetzen und den Inhalt etwas umschreiben, dann liegt die Sache ganz anders. Solche Berichte lesen wir fast täglich, sie sind, trotz ihrer Halbinformiertheit, das Selbstverständlichste der Welt. „Rassismus und Antisemitismus für Israel?“ weiterlesen

„Christenverfolgung“ und Propaganda

Kaiser Nero wird Unrecht getan...
Kaiser Nero wird Unrecht getan...

Als an den Gott Jesu Christi glauben Wollenden hat mich die Nachricht vom Massenmord an fast 60 einheimischen Christen in Ägypten fassungslos gemacht. Auch die Situation der irakischen Christen in ihrem Land, dem Heimatland Abrahams und Sarahs, bereitet mir Sorgen. Im Nahen Osten bilden Christen – historisch-geografische Nachfahren jener, die sich als erste von Jesu Botschaft haben begeistern lassen – eine Minderheit. Mutmaßlich zur Stärkung des Nahen Ostens als christlicher Standort nahm der EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider das Wort von der „Christenverfolgung“ in den Mund. Das Jahr 2011 dürfe nicht zum Jahr der Christenverfolgung werden. Christenverfolgung. Sandalenfilme mit Steward Granger, Peter Ustinov und Kirk Douglas kommen mir da in den Sinn. Das Römische Weltreich auf der Jagd nach Christen.

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Ramona Ambs vermischt so manches.

Wenn Islamkritiker zur Tat schreiten, bleibt oft kein Auge trocken. Was als Kritik dargestellt wird, ist oft nichts Anderes als die Weiterverbreitung übelster Klischees und Vorurteile über eine Menschengruppe. Dasselbe kreiden Israelfreunde oft Israelkritikern an. Wo Israelkritik draufsteht, ist Judenhass oft zumindest mit drin. Innerhalb der diversen Fankreise im Umfeld von Israel-Palästina besteht eine große Unklarheit darin, was Kritik eigentlich meint. Fast hätte ich geschrieben, ich hätte den Begriff der „Kritik“ nachgeschlagen:

Kritik (französisch: critique; ursprünglich griechisch: κριτική [τέχνη], kritikē [téchnē], abgeleitet von κρίνειν krínein, „[unter-]scheiden, trennen“) bezeichnet „die Kunst der Beurteilung, des Auseinanderhaltens von Fakten, der Infragestellung“ in Bezug auf eine Person oder einen Sachverhalt.

Umgangssprachlich beinhaltet der Begriff zumeist das Aufzeigen eines Fehlers oder Missstandes, verbunden mit der impliziten Aufforderung, diesen abzustellen. Im philosophischen Sprachgebrauch bedeutet Kritik die Beantwortung der Frage nach den Bedingungen von etwas. In diesem Sinne meinte Immanuel Kant mit seiner Kritik der reinen Vernunft (1781) nicht eine Beanstandung reiner Vernunfterkenntnis, sondern er suchte nach den „Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis“ aus reiner Vernunft. Ebenso will die geschichtswissenschaftliche „Quellenkritik“ nicht ihre Quellen herabwürdigen, sondern fragt nach den Bedingungen, unter denen Quellen einen Wert für die historische Erkenntnisgewinnung haben.

Die Aussagen, mit denen Ramona Ambs in ihrer Abrechnung mit dem Verhalten, das hierzulande Christenmenschen in Verbänden zuweilen an den Tag legen, wenn das Thema Israel-Palästina als Tagesordnungspunkt ausgerufen wird, die Zeilen füllt, haben mit Erkenntnisgewinnung höchst wenig zu tun. „Ramona Ambs vermischt so manches.“ weiterlesen