„I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so.“

Auf Meedia mokiert sich Stefan Winterbauer u.a. über den, seiner Ansicht nach wenig gemeinsinnigen, Wortbeitrag von Sebastian Loudon, der nicht so ohne weiteres Charlie Hebdo sein möchte. Winterbauer:

Man muss nicht selbst im Fadenkreuz der Terroristen stehen. Trotzdem kann und darf man Mitgefühl und Gemeinschaftssinn zeigen.

Mir geht diese Kampagne, „Je suis Charlie Hebdo“ schon jetzt gesteigert auf den Keks. Ich bin nicht Charlie Hebdo, allerhöchstens dieser Charlie:

10157169_10205835686037778_2037601689969233919_n

Ich empfinde Mitgefühl gegenüber den Hinterbliebenen der Mordopfer. Ich bin entsetzt über den schrecklichen möderischen Anschlag auf die Redaktion des Pariser Magazins Charlie Hebdo. Ich verabscheue die verübte Tat. Doch fällt es mir schwer, diesen Mehrfachmord als einen Anschlag auf Meinungsfreiheit, Satire, Zivilisation, „uns alle“ etc. zu sehen. Wie schon zu früheren Zeitpunkten kriechen schon jetzt wieder die Ratten aus ihren Löchern. Sehr empfehlenswert dieses Mal: die taz-Kolumne von Deniz Yücel.

Doch analog zur jüngsten Aussage aus dem berufenen Munde des seit jeher überschätzten Oasis-Gitarristen und Songschreibers Noel Gallaghers, dass, wer es heutzutage an die Spitze der Charts schaffe, automatisch scheiße sein müsse – kann ich mich eines erhöhten Bauchgrimmens erwehren, wenn ich sehe, wer sich so alles Charlie Hebdo nennen lassen möchte.  HIer sind sich Union, SPD, Bild, Spiegel und Pegida (wieder) einig. Die Ratten sind auch unter diesen, gewisslich oft nicht übel wollenden Zeitgenossen und Vorbildern der Gesellschaft. Und so möchte man den neuen Charlie Hebdos zurufen: Passt bloss auf, mit wem ihr zusammen auf der Solidaritätsveranstaltung gesehen werdet.

Schon jetzt, schon wieder registriere ich öffentliche Äußerungen, die darauf schließen lassen, dass die Morde an Charlie Hebdo nicht nur auf Seiten irgendwelcher Jihadisten und Salafisten, sondern auch bei angeblichen Verteidigern des sog. Abendlandes auf Dankbarkeit stößt und Aufbruchstimmung initiiert. Nachdem in den letzten Wochen die Stimmen aus den Reihen des Anders-Breivik-Fanclubs kaum zu hören waren – jedenfalls nicht hierzulande, weil Pegida -, so darf man getrost davon ausgehen, dass sich der Wind dabei ist zu drehen. Und so bin ich bei Elise Hendrick auf eine weitere Version von „Je suis Charlie Hebdo“ gestoßen: Ich bin einer, der wegen Charlie zu leiden haben wird:

Charlie

Und wo wir bei dem Magazin Charlie Hebdo selbst sind: Meine Meinung zu dieser Art von Satire, wie sie ja hierzulande eifrigst von Titanic und Konsorten kopiert wird – deckt sich in etwa mit der Meike Büttners:

„Charlie Hebdo“ hat zahlreiche rassistische Witze gerissen und nur allzu oft Hass als Spaß maskiert. Und wir wissen wohl alle noch vom Schulhof, dass ein Witz nicht immer nur zum Lachen gedacht ist. Oft genug ist es das Ziel eines solchen Witzes, Menschen zu verletzen. Damit kann ich mich schlicht nicht identifizieren.

Vielleicht ließe sich das sogar noch zuspitzen: Es geht ja nicht generell darum, Menschen zu verletzen. Was ja noch hässlicher ist, ist der Umstand, dass auf dem Schulhof bestimmte Witze Aggressionen gegen jene auslösen und jene verletzen können, die sich nicht wirklich wehren können. Humor wird leicht zum „Nach unten Treten“ instrumentalisiert – und ist dann kein echter Humor mehr. Ähnliches gilt für Satire, die vorgibt bzw. der von der schreibenden Kollegenschaft eilfertig attestiert wird, sie stehe in der Tradition und im Dienste der Aufklärung und des kritischen Denkens. Sie produziere einen Humor, der dem Kaiser die Kleider stehle und die Mächtigen dumm dastehen lässt. Tja, und wenn sich ebendieser Karl-Kraus-Kurt-Tucholsky-Gedächtnishumor letzten Endes entpuppt als rassistischer Klospruch… Wem fehlt dann das Papier?

Aber ich will mich auch nicht zu sehr beschweren. Als Schlusswort zitiere ich einfach mal Dyad Abou Jahjah, der auf Twitter mal so ganz nebenbei auch eine Kerze anzündet für jenen Polizisten, der iden Tätern der Charlie-Hebdo-Mordaktion ebenso zum Opfer fiel, eine Kerze anzündet:

I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so.

Anna Esther Younes‘ „Banalität des Bösen“ – eine Streitschrift als Trostschrift

A Work in progress: In Erinnerung an die toten Kinder von Gaza, Flüchtlingslager Aida (nahe Bethlehem), 28. Juli 2014. Quelle: smpalestine.com.
A Work in progress: In Erinnerung an die toten Kinder von Gaza, Flüchtlingslager Aida (nahe Bethlehem), 28. Juli 2014. Quelle: smpalestine.com.

Abermals Kudos to Wolf Wetzel. In seinem Blog ist jetzt ein Text in die Welt gesetzt worden, der es wahrlich in sich hat. Die deutsch-palästinensische Politologin Anna Ester Younes hat eine Streitschrift zum Umgang mit dem Nahostkonflikt in Deutschland in Zeiten des jüngsten Gaza-Massakers verfasst und sie, gar nicht einmal unprovokant, unter die Überschrift „Die Banalität des Bösen“ gefasst. Es geht um ihre Wahrnehmung des besagten Konflikts. Durchsetzt mit massig Fußnoten, soll Younes‘ Beitrag  eben keine wissenschaftliche Abhandlung sein – und schon gar nicht so es darum gehen, Argumente kritisch und (scheinbar) objektiv gegeneinander abzuwägen. Vielmehr geht es darum, wie der Umgang der hiesigen Öffentlichkeit – gerade auch die Rezeption in jenen Kreisen, die sich sonst, ohne mit der Wimper zu zucken, für jede sonstige Form der Solidarität einspannen lassen –  mit dem Gemetzel in Gaza, aber auch die Biographie der Autorin bei derselben zu einem Gefühl der Ohnmacht, zu Wut und zu Trauer geführt haben:

Ich schreibe diese Zeilen, weil ich sie gerne mal gelesen hätte – auf Deutsch: Einen wütenden Artikel über und aus Deutschland! Auf Facebook ist die internationale Sprache English und so wird in Zeiten des Konfliktes auch oft gepostet – die besten Artikel und tollsten politischen Übersichten[85] und Abrisse[86] und Chronologien[87]. Sie sind herzlichst eingeladen alle Fußnoten hier nachzulesen!

Eine nicht unbedeutende Rolle in Younes‘ Überlegungen spielen auch ihre Erlebnisse in sozialen Medien. Einerseits ergebe sich dort, so Younes, am ehesten die Möglichkeit, ungefiltert, empathisch und offen über Israel-Palästina zu sprechen. Andererseits würden ebendort aber auch Unvermögen und Unwillen zum Dialog besonders deutlich zum Tragen kommen.

Letzten Endes behandelt Younes‘ Streitschrift die ganz großen Fragen: Was tun, wenn alle schweigen im Angesicht des Bösen? Was tun, wenn jegliches Mitgefühl fehlt und einem Worthülsen und messerscharf-unbarmherzige Analysen um die Ohren fliegen? Was tun, wenn Worte nicht ausreichen, um die entstandene Vereinsamung zu beschreiben? Was, wenn Krieg gleich Frieden ist? Wenn Moral und Unmoral gleich sind? Wenn es dann doch nur um uns selbst geht? Und der Tod das letzte Wort haben darf?

Auf Instagram prahlt der IDF-Soldat David Dovadia damit, 13 Kinder im Gazastreifen getötet zu haben. 

Auch in der taz wird dem Lesenden befohlen, nicht so fixiert auf Israel zu sein – ach, der cel:

Wenn dir die Menschenrechte im Nahen Osten so am Herzen liegen, dann finden sich für dich andere Themen. Die Situation der Palästinenser in Syrien zum Beispiel, die zwischen den Truppen des Assad-Regimes und den liebevoll „Rebellen“ genannten islamistischen Milizen eingeschlossen sind.

Und Younes erzählt u.a. von zwei Begegnungen der besonderen Art mit Israelis, die auf ihre Weise für ihre Sache und ihr Land im wahrsten Sinne des Wortes eintreten. Zunächst gibt es auch in Israel den Ruf nach einem freien Tibet:

Ich traf einmal einen Israeli in Nordindien mit einem „Free Tibet“ T-Shirt. Ich ging rüber, lächelte und fragte höflich: „Sag mal, hast du nicht das gleiche Problem bei dir zu Hause?[62] Wie kannst du denn da für Tibet sein?“ Antwort: „Der Unterschied ist, dass Tibetaner friedliche Menschen sind. Nicht wie Araber, die sind aggressiv und Terroristen.“ Wenig später sagte er noch, dass sie alle „ausgerottet werden sollten! Eine Atombombe auf die Westbank und Gaza“. Das war 2007, liebe Leserinnen und Leser.

Und dann noch der Philosophiestudent:

Während einem Verhör an der Israelischen Grenze zu Jordanien, sagte mir mein Verhörer grinsend, dass er die Möglichkeit hätte meinen Laptop zu konfiszieren und mich zurück nach Jordanien schicken kann, zu meiner Familie, so dass ich meine Masterarbeit vergessen könnte (und somit auch meinen Studienabschluss!). Das alles weil ich mich weigerte meine persönliche eMail und die meiner Mitbewohnerin in Ramallah herauszugeben. Ich antwortete: „Das stimmt, das können Sie tun. Machen Sie’s doch einfach! Wir wissen doch beide sehr wohl, wer hier mehr Macht hat. Aber was ich gerade interessant finde, ist dass Sie das anscheinend genießen, oder warum lächeln Sie so!? Haben Sie mal Hannah Arendts ‚Banalität des Bösen’ gelesen?“ David, so hat er sich genannt, ohne so zu heißen, verlor sein Lächeln. Er hatte Philosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem studiert. Das Verhör dauerte acht Stunden und ich musste in einer kurzen Pause selbst um ein Glas Wasser (bei 35 Grad) bitten. Letzteres ist nichts Ungewöhnliches an der israelischen Grenze – wenigstens wurde ich reingelassen und meinen PC durfte ich auch behalten nachdem ich mich ausziehen durfte.

Ich bin es leid, über Israelkritik und Solidarität mit wem auch immer zu debattieren. Ich habe keine Lust mehr auf messerscharfe Analysen. Ich bin entsetzt. Als Familienvater kommen mir bei den Bildern zermetzelter Kinder und Babys die Tränen.  Als Christ und Humanist bleibt mir nur, Ohnmacht und Trauer auszuhalten. Worte vermögen dabei wenig. Die Streitschrift von Anna Esther Younes lese ich auch als Trostschrift. In einer trostlosen Zeit. Ihr Text ist aus einer anderen Perspektive als meiner eigenen verfasst, aber die in ihm zum Ausdruck gebrachten Gefühle – sie sind die meinen.

 

Warum ich bei Lit-ex die zweite Silbe betone

Die Tage von Lit-ex, dem Fachmagazin für Verrisse aller Art, auf meiner Blogroll dürften auch gezählt sein. In einem Blogeintrag vom 9. September wird der Nahostkonflikt, im Artikel „Israelfrage“ genannt gleichsam auf dem Bierdeckel gelöst: „Warum ich bei Lit-ex die zweite Silbe betone“ weiterlesen

Sibylle Berg nobelpreisverdächtig?

Endlich mal wieder was über Literatur in diesem Blog hier: Maximilian Buddenbohm schlägt Sibylle Berg für einen der nächsten Kolumnen-Nobelpreis vor. Felix Schwenzel  ist da ganz anderer Meinung. Ich schlage da einen Kompromiss vor: Wie wäre es mit dem Friedensnobelpreis – ein Preis, in dem es um was ganz Unironisches geht, der aber schon an einige schlimme Massenmörder und Todmacher (von Arafat über Kissinger, Obama und Rabin bis Peres) verliehen worden ist. Wie schreibt Schwenzel:

wenn ich sibylle berg lese, komme ich mir vor wie ein autist: meint sie das ernst, im spass, ironisch, sarkastisch? ich kann sie im wahrsten sinne des wortes nicht lesen.

Larry Derfner über linke Israel-Besessenheit

Wenn alles Andere nicht funktioniert, versuchen eingeschworene Israel-Apologeten in Diskussionen desöfteren der unguten argumentativen Lage, in der sie sich befinden, dadurch zu entgehen, indem sie behaupten, Israel werde allzu sehr beobachtet, kritisch beäugt und entsprechend verurteilt. „Singling out Israel“, so der Vorwurf. Manchmal mag sogar etwas dran sein. „Larry Derfner über linke Israel-Besessenheit“ weiterlesen

„Eine schmerzende Leere“: Linda Benedikt über sich und Israel

Und wieder mache ich ein bißchen Reklame für den mir sehr am Herzen liegenden AphorismA-Verlag zu Berlin. Linda Benedikt hat ein Buch veröffentlicht, von dem ich glaube, ohne dass ich es schon gelesen hätte, es dennoch ohne Einschränkung empfehlen zu können. In Israel, a love that was erzählt die Journalistin und Kabarettistin ihre ganz eigene „Geschichte einer Entzauberung“. Es geht um Benedikts Verhältnis zu Israel, um die jähe Diskrepanz zwischen dem Wunschtraum von Altneuland als Geographie gewordenen Trost für alle Opfer der Shoa und dem erlebten Alltag eines Staates, der sich selber immer mehr prägt durch Besatzung, Demütigung und Unterdrückung der Palästinenser.

Im Münchener Club Voltaire gab Benedikt jüngst eine Kostprobe ihres Könnens.

„„Eine schmerzende Leere“: Linda Benedikt über sich und Israel“ weiterlesen

„As Jews, darkness surrounds us. We have entered an abyss.“

Lesetipp für alle, die sich dem Thema Israel-Palästina auch und gerade aus theologischer bzw. befreiungstheologischer Perspektive zuwenden wollen. Unter der Überschrift „Exile and the Prophetic“ will Marc H. Ellis auf Mondoweiss künftig regelmäßig – wenn nicht sogar täglich –  Gedanken über jüdische Identität und Prophetentum zu Papier bringen. Und das aus exilischer Perspektive. Exilisch, das scheint momentan wieder einmal im wörtlichen Sinne für Ellis zu gelten, denn:

I write from Cape Canaveral, in a small but serviceable apartment two blocks from the ocean. In some ways I am living in an idyllic setting, but the reasons for my arrival here are less than ideal. You see I have entered a new phase of a long exile after running into Ken Starr – yes that Ken Starr – who lo and behold became president of my university a couple of years ago. It’s a book length drama, perhaps even a movie but that’s for another time. Suffice it to say that all the dramatic components are present; deceit, hypocrisy, false accusations and even a paid witness or two! As I said, high drama.

Die Zeiten sind hart für eine prophetische Stimme wie die eines Marc H. Ellis. Und mehr noch: „As Jews, darkness surrounds us. We have entered an abyss.“

Grass wachsen hören und lesen

Ausgerechnet via Mondoweiss ist mir dieses Video vor die Linse geflattert. Moritz Eggert singt: „Israel, ich hab dich lieb, aber bitte greif nicht den Iran an“. Auf welcher Metaebene der Text funktioniert? Schwer zu sagen, aber er funktioniert.

Ein lesenswerter Beitrag zum Problem des Grass wachsen Hörens in diesem Land ist auch bei Schmok zu finden. Avner Ofrath schreibt u.a.: „Grass wachsen hören und lesen“ weiterlesen

„…dann bedeutet Solidarität mit Israel auch ggf. die Unterstützung einer gezielten Militäraktion gegen das iranische Atomwaffenprogramm.“

Solange die Palästinenser Israels Existenzrecht nicht samt und sondern anerkennen, sollte man die Israelis wegen des von ihnen betriebenen Siedlungsbaus auf okkupiertem und annektiertem palästinenssichen Grund und Boden bitte nicht kritisieren. Sage nicht ich, sondern heißt es in einer Erklärung der Berliner Jusos. Ach ja, und einen israelischen Erstschlag gegen den Iran halten die JunggenossInnen „ggf.“ für nicht gänzlich indiskutabel: „„…dann bedeutet Solidarität mit Israel auch ggf. die Unterstützung einer gezielten Militäraktion gegen das iranische Atomwaffenprogramm.““ weiterlesen

Grass und so weiter…

Weil ich so lieb gefragt worden bin und in diesem Blog ja auch zu einem nicht ungerüttelt Maß meine eigene Profilneurose auslebe, denke ich mal in schriftlicher Form über Grass und seinen „Anschlag auf Israels Existenz“ in Form seines Gedichts „Was gesagt werden muss“ nach. „Grass und so weiter…“ weiterlesen

Deutscher Medienpreis für Mitri Raheb

Gratulation an den protestantischen Theologen Mitri Raheb, einen der wichtigsten Verfechter einer zeitgenössischen Palästinensischen Kontextuellen  Theologie. Neben drei weiteren „leisen Friedensstiftern“ ist ihm der Deutsche Medienpreis verliehen worden:

Raheb betreibt neben seiner Gemeinde ein Internationales Begegnungszentrum, ein Bildungswerk und ein Gesundheitszentrum. Er konzentriert sich seit 15 Jahren darauf, die Kultur des friedlichen Dialogs unter den Palästinensern zu fördern. „Wenn man sich selbst nicht lieben kann, kann man den Feind nicht lieben. Die meisten Deutschen wollen, dass wir den Feind lieben, ohne dass wir uns mit uns selbst beschäftigen. Ich sage, das ist genau das Falsche. Wenn man es nicht schafft, sich selbst zu lieben, kann man seine Frau nicht lieben und seine Nachbarn nicht lieben und seinen Feind nicht lieben.“

Wesentlich mehr Raum in der Meldung zur Entscheidung, Raheb zu den diesjährigen Medienpreisträgern zu machen, nimmt in Engelbrechts Webartikel die Kritik der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und des Koordinierungsrates der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit eben daran ein. So etwas nennt man Beißreflexe. „Deutscher Medienpreis für Mitri Raheb“ weiterlesen

BDS – „Königsweg der Befreiung oder Sackgasse der Geschichte?“

In Sachen Israel-Palästina ist und bleibt mir der Berliner AphorismA-Verlag der liebste. Eine brandneue Veröffentlichung sei hiermit ausdrücklich zur Lektüre empfohlen. Es geht um BDS!

Königsweg der Befreiung
oder Sackgasse der Geschichte?

BDS | Boykott, Desinvestition und Sanktionen.

Annäherungen an eine aktuelle Nahostdebatte:
Kathrin Vogler – Martin Forberg – Peter Ullrich „BDS – „Königsweg der Befreiung oder Sackgasse der Geschichte?““ weiterlesen

Hat Jonathan Franzen Walt/Mearsheimer zum Sieg verholfen?

Die Frage im Titel zu beantworten – das lasse ich mal lieber.

Ich hatte ja erzählt, dass ich gerade Freedom von Jonathan Franzen lese. Die Charaktere begleiten mich momentan überall hin, und wann immer es geht, schaue ich in mein zunehmend zerlesenes Buchexemplar dieses großartigen Romans. „Hat Jonathan Franzen Walt/Mearsheimer zum Sieg verholfen?“ weiterlesen

Sepulveda? Wiesenfeld!

Sepulveda? Wiesenfeld!
Tony Kushner (Bild: nydailynews.com)
Tony Kushner (Bild: nydailynews.com)

Aus den Jahren 1544 oder 1545 stammt das folgende Zitat des spanischen Humanisten im Dienste Karls V., Juan Ginés de Sepúlveda, der sich zur spanischen Eroberung Amerikas und der Unterwerfung der dort lebenden Ureinwohner wie folgt äußerte:

Indianer sind ihrer Natur nach Barbaren, Sklaven … und dies wiederum bedeutet, dass sie sich gemäß einer natürlichen Gerechtigkeit, dem Europäer unterwerfen müssen. Dies wiederum ist ein göttliches und ewiges Gesetz, welches unbedingt befolgt werden muss. Recht und Pflicht zur Abschaffung des Kannibalismus, Götzendienstes und der Menschenopfer, letzteres mit besonderem Nachdruck.

Im Jahr 2011 vernehmen wir diese bedeutenden Worte aus dem Munde von Jeffrey Wiesenfeld. Hier:

Ich denke, für uns alle ist Fairniß geboten, … besonders in Anbetracht der Tatsache, dass sich der Staat Israel, unser einziger Verbündeter in der Region [des Nahen und Mittleren Ostens] in einer Gegend befindet, wo fast überall Regierungen an der Macht sind, die fast überall [sic!] frauenfeindlich, homosexuellenfeindlich und antichristlich eingestellt sind.

Und, es geht noch schlimmer, befragt von einem Reporter der New York Times, ob Palästinenser nicht die gleichen Menschenrechte wie israelische Juden zu genießen hätten, kritisiert Wiesenfeld zunächst den Fragenden, denn:

Sie stellen beide beide moralisch auf eine Stufe.

Gemeint  sind Palästinenser und israelische Juden. Das ist Wiesenfeld schon bewusst:

Leute, die für den Tod ihrer Kinder beten, sind keine Menschen. […] Sie haben eine Kultur [daraus] entwickelt, die es so in der Menschheitsgeschichte noch nicht gegeben hat.

Wie war das noch: „Letzteres mit besonderem Nachdruck“? Jeffrey Wiesenfeld, ein ganz gewöhnlicher Rassist, hat es nur deshalb in die Schlagzeilen geschafft, weil er sich in seiner Funktion als trustee der City University New York (CUNY) mit Händen und Füßen gegen die Auszeichnung des Schriftstellers Tony Kushner mit der Ehrendoktorwürde besagter Hochschule  gewehrt hat. Wiesenfeld hält Kushner aufgrund dessen kritischer Einstellung zu zentralen Aspekten der  israelischen Geschichte und Gegenwart für einen jüdischen Antisemiten. Was Kushner selbst zu sagen hat, ist seinem Brief an CUNY zu entnehmen. Mittlerweile scheint das Verhalten Wiesenfelds auch bei anderen nicht gänzlich unumstritten  zu sein.

(Übersetzungen aus dem Englischen von mir)