„Undzer Shtetl brent“ und die Situation der Palästinenser

Dies ist heißer Stoff – und gleichzeitig ein bewegendes Tondokument. Auf Mondoweiss findet sich der Hinweis auf dieses Video. Zu hören ist ein Lied in jiddischer, arabischer und neuhebräischer Sprache: die Adaption eines jiddischen Liedes mit dem Titel „Undzer Shtetl brent“, verfasst von dem 1877 in Krakau geborenen Mordecai Gebirtig. Das Land stammt im Original aus dem Jahr 1938. Die Pogrom-Erfahrungen osteuropäischer Juden werden im vorligenden Video in Wort und Bild verbunden mit heutigen Erfahrungen von Palästinensern. Sehr brisant. Aber auch ein nicht zu überhörender Appell an die Mitmenschlichkeit eines jeden. Hier geht es nicht ums Vergleichen, hier geht es darum, Zeugnis abzulegen: Geschichte als Unrechtsgeschichte. Gesungen wird das Lied u.a. von Yonathan Shapira, einer äußerst interessant schillernden Person.

Jüdisch-islamischer Dialog

Beim Testspiel gefunden: Serdar Somuncu und Oliver Polak beschäftigen sich mit Grenzen und Möglichkeiten eines jüdisch-islamischen Gesprächs. Oder wie es auf Youtube angekündigt ist:

Serdar im Gespräch mit dem jüdischen Standup Comedian Oliver Polak über Anmache, Antisemitismus und Alkoholbeichten.

Und was soll ich sagen? Geht doch:

Maiden rules!
 

Die „Sünde des Siebten Tages“, zur Tugend erhoben

Yeshayahu Leibovitz sprach von der „Sünde des Siebten Tages“ und meinte damit die israelische Besatzung von Westbank, Golan, Sinai und Gazastreifen als Resultat des hierzulande als solchen bezeichneten Sechs-Tage-Krieges 1967. Das frisch gegossene Bündnis zwischen Netanyahus Likud-Block und Liebermans Israel Beiteinu steht für die Umkehrung der Sünde in Tugend. Dabei geht es nicht allein um 1967, sondern auch um die Ereignisse um 1948, die nicht nur die Gründung des modernen Staates Israel zur Folge hatte, sondern auch und gerade die palästinensische Katastrophe, Nakba. „Unsere Heimat ist Likud“ repräsentiert jene Haltung, entsprechend welcher die Nakba längst noch nicht vollendet sei. Sie insistiert nicht so sehr auf einer Notwendigkeit von Besatzung und Siedlungsbau aus (wenn auch vermeintlichen) Sicherheitsgründen, wie uns Shimon Peres und Mitstreiter aus den Gefilden der israelischen Arbeitspartei haben weismachen wollen.  Sie beharrt auf Landraub und Bevölkerungstransfer aus scheinbar religiösen Gründen – und wenn das nicht mehr reicht, aus reinem Spass an der Freude. „Palästinenser, kniet nieder, die Siedler kommen wieder!“, skandieren (anti-)deutsche Fans von Likud Beiteinu. Ihnen ist mit diesem Song von Albino ein Denkmal aus Rap gesetzt worden:

 

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Grass wachsen hören und lesen

Ausgerechnet via Mondoweiss ist mir dieses Video vor die Linse geflattert. Moritz Eggert singt: „Israel, ich hab dich lieb, aber bitte greif nicht den Iran an“. Auf welcher Metaebene der Text funktioniert? Schwer zu sagen, aber er funktioniert.

Ein lesenswerter Beitrag zum Problem des Grass wachsen Hörens in diesem Land ist auch bei Schmok zu finden. Avner Ofrath schreibt u.a.: „Grass wachsen hören und lesen“ weiterlesen

Israelisches Philharmonisches Orchester beim Londoner Gastspiel gestört

Am gestrigen Abend gastierte das israelische Philharmonische Orchester in der Londoner Royal Albert Hall. Laut eigener Angaben darf dieses Orchester nicht nur als einer von Israels bedeutendsten Kultur-Botschaftern angesehen werden. Auch bietet es israelischen Soldaten an verschiedenen Stützpunkten und Außenposten immer wieder gern Zerstreuung und zivilisatorischen Anstrich (meine Wortwahl…). Das Konzert wurde gestört. Sehet und staunet:

via Mondoweiss

One World: „Freedom for Palestine“

One World: „Freedom for Palestine“

Hier das Video des britischen Musikprojekts One World mit dem Track „Freedom for Palestine“.

Beigetragen zur Entstehung des Stücks, das Anfang Juli auf CD veröffentlicht werden soll, haben unter anderem Randall, Jamie Catto (1 Giant Leap), Maxi Jazz (Faithless), LSK, Harry Collier (Kubb), Andrea Britton, Sudha (Faithless), Andy Treacy (Faithless/Moby/Groove Armada) und Attab Haddad. Coldplay gehören immerhin zu den bekanntesten Unterstützern des Projekts. Sowas hätte sich Bono nie getraut.

„Christenverfolgung“ und Propaganda

Kaiser Nero wird Unrecht getan...
Kaiser Nero wird Unrecht getan...

Als an den Gott Jesu Christi glauben Wollenden hat mich die Nachricht vom Massenmord an fast 60 einheimischen Christen in Ägypten fassungslos gemacht. Auch die Situation der irakischen Christen in ihrem Land, dem Heimatland Abrahams und Sarahs, bereitet mir Sorgen. Im Nahen Osten bilden Christen – historisch-geografische Nachfahren jener, die sich als erste von Jesu Botschaft haben begeistern lassen – eine Minderheit. Mutmaßlich zur Stärkung des Nahen Ostens als christlicher Standort nahm der EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider das Wort von der „Christenverfolgung“ in den Mund. Das Jahr 2011 dürfe nicht zum Jahr der Christenverfolgung werden. Christenverfolgung. Sandalenfilme mit Steward Granger, Peter Ustinov und Kirk Douglas kommen mir da in den Sinn. Das Römische Weltreich auf der Jagd nach Christen.

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Jörg Marx: „Liebe Antisemiten, möge das Internet euere Einträge niemals vergessen.“

„Sieg!!!“ oder: Wer keine Punkte gibt, wird mit Online-Geschichtsklitterung ohne Ende bestraft.

Via Metalust flatterte Jörg Marx‘ Blogpost zu Lenas deutschem Sieg in Oslo ins Haus. Wieder einmal bin ich sprachlos und bin mir sicher: Das nächste Einstellungsgespräch kommt für diese Zeitleser und Facebook-Nutzer bestimmt, und ihre Bilder und Namen sind vorher gegooglet worden. Ich freu mich schon jetzt auf die Fußball-WM…

Nachtrag:

Dass man selbst den größten Stuss von seiten besonders ironisch-gebrochener Antisemiten noch versuchen kann, irgendwie ideologisch Kapital zu ziehen, beweist der Kommentar zum besagten Blogpost von einem User „Jacob“. Er schlägt gleich mit zwei Fäusten zu – und kann sich offenbar nicht entscheiden, welche nun seine Schlaghand sein soll – die antiarabische:

Es fällt auf, dass die “harten Antisemiten” unter den Postern allesamt scheinbar arabisch-stämmig sind.

– oder die antijüdische:

Und das heute “Jude” ein Schimpfwort unter Jugendlichen ist stimmt. Ich bin mir nicht ganz sicher woher es kommt, aber vielleicht liegts daran, dass wir schon in der Schule etwas über die “Judenklischees” lernen, die damals von den Nazis verbreitet worden sind, auch wenn sie nicht die ersten waren. Dadurch muss selbst ich wenn ich eine Person treffe die in irgendeiner Form geizig ist, direkt ans Judentum denken.

Wobei  „Jacob“ für die von ihm verbreiteten Antisemitismen natürlich keine Verantwortung übernehmen will. Wann und wo dieser „Jacob“ wohl welche Schule besucht haben will, diese Frage keimt mir im virtuellen Gebeiß.

Und wenn die eigene Schulbiographie erschöpfend genug verwurstet worden ist, gibt es immer noch Andere, die Schuld haben, wer auch immer das sein mag. Das weiß „Jacob“ offenkundig selbst nicht so genau…:

Hinzu kommen noch die ganzen antijüdisch eingestellten ethnischen Gruppierungen in Deutschland.

Wen meint „Jacob“ nur? Deutsche?

Elvis Costello und n-tv’s „israelische Sicherheitspolitik“

Keine Ahnung, was für Toastbrote in der Onlineredaktion von n-tv vor die Rechner gelassen werden. Elvis Costellos Absage von zwei Konzerten in Israel wird mit einer ziemlich bizarren Begründung ausgestattet, die Bände spricht über den geistigen Zustand von Teilen der hierzulande als respektabel angesehenen Journaille:

Zur Begründung verwies er auf die israelische Sicherheitspolitik, die auch vor „Einschüchterung“ und „Demütigung“ der palästinensischen Zivilbevölkerung nicht halt mache.

Ach, ich frage lieber nicht, wessen Sicherheit Israels Politk nun wirklich dienen soll…  und was in den Hirnen besagter n-tv-Knechte wohl los ist, wenn das Wort „Sicherheitspolitik“ ersetzt würde durch „Siedlungspolitik“… Aber das sind Marginalien, und letztlich geht es ja ohnehin nichts Anderes als darum, dass „wir“ uns schadlos halten.

Costellos eigene Erklärung zirkuliert bereits seit Tagen im Internet. In Anbetracht der Tatsache, dass nach Carlos Santana ein weiterer Künstler der Promi-Klasse A sein Auftreten in Israel absagt, wird in Blogs wie Mondoweiss oder Jews sans Frontieres einmal mehr der Aufgang einer neuen Sonne über Israel-Palästina verkündet. Man wird sehen. Einmal mehr überzeugt der israelische Journalist Noam Sherzav mit seiner Einschätzung, Costellos Absage könne dazu beitragen, Israelis aus ihrer mithin auch selbst gewählten Unmündigkeit zu befreien:

Furthermore, Costello’s decision has been the talk of the day for many people  – I also had a ticket for his Tel Aviv gig – and even when people hated him, they had to think about the political issues and about their consequences, and especially on where they stand. Just like after Gil Scott-Heron had decided not to come here, in the past couple of days I saw friends who never discuss politics going into long debates on Facebook because of Costello. For a country that is in a constant state of denial regarding the occupation, this is no small thing.

Wo Sherzav, obwohl fraglich sein dürfte, ob er jemals das Geld, das er für seine Costello-Konzertkarte hat berappen müssen, erstattet bekommen wird, sich als großzügiger, weil nüchtern argumentierender Menschenfreund erweist, kann man dies von Israels Kulturministerin allem Anschein nach nicht gerade behaupten:

Israels Kulturministerin Limor Liwnat reagierte mit Unverständnis auf die Absage Costellos. „Ein Künstler, der seine israelischen Fans boykottiert, ist es nicht wert, vor ihnen aufzutreten“, erklärte Liwnat.

Hatte auch sie ein Costello-Ticket? Beziehungsweise: Hat sie das auch wirklich gesagt? Oder hat n-tv da wieder was verwechselt?

Gesichter der Nakba (umgekehrt): Wall Street Journal’s Bild der Woche

Bildunterschrift:

FACING A CROWD: A Palestinian woman whose house has been occupied by Jewish settlers argued with Israelis who came to celebrate Jerusalem Day in the mainly Arab neighborhood of Sheikh Jarrah, East Jerusalem, Wednesday.

Ausgerechnet während ich mir dieses Bild hier anschaue, muss ich an meine eigene Begegnung mit einer Gruppe besonders „strenggläubiger“ Yeshiva-Boys mit amerikanischem Akzent in Jerusalems Altstadt 1998 denken, die mich ob des von mir getragenen Shirts als „Jew hater“ glaubten, zurechtweisen zu müssen. Tatbestand: NOFX-Shirt. Auf deren 1994er Album „Punk in Drublic“ findet sich der Song „The Brews“:

Friday night we’ll be drinkin‘ Manishewitz
Goin‘ out to terrorize Goyim
Stompin‘ shaygetz, screwin‘ shiksas
As long as we’re home by Saturday mornin
Cause hey, we’re the Brews
Sportin‘ anti-swastika tattoos
Oi Oi we’re the boys
Orthodox, hasidic, O.G. Ois

Orthopedic, Dr. Martins good for
Waffle making, kickin‘ through the shin
Reputation, gained through intimidation
Pacifism no longer tradition

Cause hey we’re the Brews
Sportin‘ anti-swastika tattoos
Oi Oi we’re the Brews
The fairfax ghetto boys skinhead Hebrews

We got the might, psycho mashuganahs
We can’t lose a fight, and we are the chosen ones
Chutzpah, we battle then we feast
We celebrate, we’ll separate our milkplates from our meat

We’re the Brews
Sportin‘ anti-swastika tattoos
Oi Oi we’re the boys
Orthodox, hasidic, O.G. Ois

Und hier die Musik zum Mitsingen:

Ein paar Gedanken über einige Leidenschaften von mir

Meine Frau und ich – wir sind umgezogen, in ein wunderschönes weißes Haus mit türkisen Fensterläden, einem Garten, der wunderschön verschlungen und dabei nicht einmal so riesig  ist – und viel Platz. Zwar befindet sich unser Grundstück in einer Siedlung, aber wir liegen am Rand. So hab ich es schon immer am liebsten gehabt. Das Haus bietet alles, womit sich die Träume und Wünsche von uns zwei beiden verwirklichen lassen. Und: Ich komme hier wirklich zur Ruhe. Wie lange habe ich das schon nicht mehr tun können – in der alten Wohnung konnte ich – so gern ich auch im Stadtzentrum Osnabrücks gewohnt habe – nicht so gut entspannen, vom ruhigen Dasitzen und dem Lauschen einer CD ganz zu schweigen. Hier sitze ich im Wohnzimmer, umgeben von unseren Büchern und ganz viel Grün, und höre aktiv Musik. Hier meine derzeitige Top 5: „Ein paar Gedanken über einige Leidenschaften von mir“ weiterlesen

Empfehlung: Metalust & Subdiskurse

Nun habe ich allerlei Energie darauf verwendet, mein links-katholisches Nahostblog abzugrenzen gegen allzu säkularistische Tendenzen, gegen Anti-Islamismus, Antiantisemitismus und Antisemitismus, dass ich es für dringend geboten halte, auch einmal auf etwas noch Wichtigeres als „unsere“ Befindlichkeiten in Sachen Israel, ISRAEL und Israel einzugehen. Wer einen Eindruck erhalten möchte, wie es Theodor Wiesengrund Adorno, wiedergeboren und gefangen im Leib eines stadtarchitekturkritisch bloggenden Hamburger St.-Pauli-Fans, ergehen könnte, sollte das Blog Metalust & Subdiskurse ab und zu anlesen. Reif für die Aufnahme in die Monarchie-und-Alltag-Schmähkritik-Bestenliste und dabei sensibel, wenn nicht melancholisch, so doch jedenfalls tiefschürfend: Diese Reflexion zum MTV-Unplugged-Album der Sportfreunde Stiller aka Sportis aka Sportls: „Empfehlung: Metalust & Subdiskurse“ weiterlesen