„I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so.“

Auf Meedia mokiert sich Stefan Winterbauer u.a. über den, seiner Ansicht nach wenig gemeinsinnigen, Wortbeitrag von Sebastian Loudon, der nicht so ohne weiteres Charlie Hebdo sein möchte. Winterbauer:

Man muss nicht selbst im Fadenkreuz der Terroristen stehen. Trotzdem kann und darf man Mitgefühl und Gemeinschaftssinn zeigen.

Mir geht diese Kampagne, „Je suis Charlie Hebdo“ schon jetzt gesteigert auf den Keks. Ich bin nicht Charlie Hebdo, allerhöchstens dieser Charlie:

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Ich empfinde Mitgefühl gegenüber den Hinterbliebenen der Mordopfer. Ich bin entsetzt über den schrecklichen möderischen Anschlag auf die Redaktion des Pariser Magazins Charlie Hebdo. Ich verabscheue die verübte Tat. Doch fällt es mir schwer, diesen Mehrfachmord als einen Anschlag auf Meinungsfreiheit, Satire, Zivilisation, „uns alle“ etc. zu sehen. Wie schon zu früheren Zeitpunkten kriechen schon jetzt wieder die Ratten aus ihren Löchern. Sehr empfehlenswert dieses Mal: die taz-Kolumne von Deniz Yücel.

Doch analog zur jüngsten Aussage aus dem berufenen Munde des seit jeher überschätzten Oasis-Gitarristen und Songschreibers Noel Gallaghers, dass, wer es heutzutage an die Spitze der Charts schaffe, automatisch scheiße sein müsse – kann ich mich eines erhöhten Bauchgrimmens erwehren, wenn ich sehe, wer sich so alles Charlie Hebdo nennen lassen möchte.  HIer sind sich Union, SPD, Bild, Spiegel und Pegida (wieder) einig. Die Ratten sind auch unter diesen, gewisslich oft nicht übel wollenden Zeitgenossen und Vorbildern der Gesellschaft. Und so möchte man den neuen Charlie Hebdos zurufen: Passt bloss auf, mit wem ihr zusammen auf der Solidaritätsveranstaltung gesehen werdet.

Schon jetzt, schon wieder registriere ich öffentliche Äußerungen, die darauf schließen lassen, dass die Morde an Charlie Hebdo nicht nur auf Seiten irgendwelcher Jihadisten und Salafisten, sondern auch bei angeblichen Verteidigern des sog. Abendlandes auf Dankbarkeit stößt und Aufbruchstimmung initiiert. Nachdem in den letzten Wochen die Stimmen aus den Reihen des Anders-Breivik-Fanclubs kaum zu hören waren – jedenfalls nicht hierzulande, weil Pegida -, so darf man getrost davon ausgehen, dass sich der Wind dabei ist zu drehen. Und so bin ich bei Elise Hendrick auf eine weitere Version von „Je suis Charlie Hebdo“ gestoßen: Ich bin einer, der wegen Charlie zu leiden haben wird:

Charlie

Und wo wir bei dem Magazin Charlie Hebdo selbst sind: Meine Meinung zu dieser Art von Satire, wie sie ja hierzulande eifrigst von Titanic und Konsorten kopiert wird – deckt sich in etwa mit der Meike Büttners:

„Charlie Hebdo“ hat zahlreiche rassistische Witze gerissen und nur allzu oft Hass als Spaß maskiert. Und wir wissen wohl alle noch vom Schulhof, dass ein Witz nicht immer nur zum Lachen gedacht ist. Oft genug ist es das Ziel eines solchen Witzes, Menschen zu verletzen. Damit kann ich mich schlicht nicht identifizieren.

Vielleicht ließe sich das sogar noch zuspitzen: Es geht ja nicht generell darum, Menschen zu verletzen. Was ja noch hässlicher ist, ist der Umstand, dass auf dem Schulhof bestimmte Witze Aggressionen gegen jene auslösen und jene verletzen können, die sich nicht wirklich wehren können. Humor wird leicht zum „Nach unten Treten“ instrumentalisiert – und ist dann kein echter Humor mehr. Ähnliches gilt für Satire, die vorgibt bzw. der von der schreibenden Kollegenschaft eilfertig attestiert wird, sie stehe in der Tradition und im Dienste der Aufklärung und des kritischen Denkens. Sie produziere einen Humor, der dem Kaiser die Kleider stehle und die Mächtigen dumm dastehen lässt. Tja, und wenn sich ebendieser Karl-Kraus-Kurt-Tucholsky-Gedächtnishumor letzten Endes entpuppt als rassistischer Klospruch… Wem fehlt dann das Papier?

Aber ich will mich auch nicht zu sehr beschweren. Als Schlusswort zitiere ich einfach mal Dyad Abou Jahjah, der auf Twitter mal so ganz nebenbei auch eine Kerze anzündet für jenen Polizisten, der iden Tätern der Charlie-Hebdo-Mordaktion ebenso zum Opfer fiel, eine Kerze anzündet:

I am not Charlie, I am Ahmed the dead cop. Charlie ridiculed my faith and culture and I died defending his right to do so.

Gaza: Wer in dieser Zeit nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen denkt, hat es schwer.

In Gaza türmen sich Trümmer und Leichen. Die Zahl geht mittlerweile bis in Bereiche jenseits von 1200 Toten. Und Außenminister Steinmeier analysiert messerscharf:

Vor seinem Abflug, der ihn am Montag zunächst in die jordanische Hauptstadt Amman führen wird, kritisierte Steinmeier erneut scharf die Hamas: „Der Raketenbeschuss der Hamas gegen Israel hat eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die kaum noch aufzuhalten scheint.“ Auf beiden Seiten lebten die Menschen seitdem in ständiger Angst vor dem nächsten Angriff.

„Die Bilder der vielen unschuldigen Opfer“, so Steinmeier, „sind schwer zu ertragen.“ Die tragische Entwicklung könne Deutschland deshalb nicht gleichgültig sein, so der Minister weiter: „Nicht nur aus Sorge um die Sicherheit Israels, sondern auch weil die möglichen Konsequenzen einer weiteren Eskalation kaum absehbar sind.“

Demnach trägt Hamas die Hauptschuld alleinige Schuld am Massaker, das die israelische Armee gegenwärtig im Gazastreifen anrichtet. Und was Steinmeier mit den „möglichen Konsequenzen einer weiteren Eskalation“ meint, wer weiß das? Tribünen für israelische Zuschauer des Massakers?

Und wenn der Deutsche Koordinationsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR)  in einer vor Selbstgerechtigkeit, Wirrheit aber auch Kaltschnäuzigkeit nur so strotzenden Presseerklärung offen die Propaganda der Regierung Netanyahu weiter betreibt und eindrucksvoll Marc Ellis‘ These vom „ökumenischen Deal“ in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit belegt, kann man nicht einmal mehr den Kopf schütteln. Wie heißt es in anderen Zusammenhängen immer gern: „Die schlimmsten Feinde des Glaubens sind seine unbarmherzigen Verteidiger.“

Man muss kein Freund der Hamas sein – und wer ist das schon? -, um dennoch zu erkennen, dass die wieder und wieder aufgewärmte Behauptung, alles sei, vereinfacht gesagt, ruhig und friedlich im Lande Israel gewesen, bis die Hamas mit Raketen Angst und Schrecken in der israelischen Bevölkerung verbreitet hat, nicht zutrifft. Die Abriegelung des Gazastreifens, die wiederhole Heimsuchung unschuldiger Zivilisten durch israelisches Militär – sei es aus der Luft, sei es von der See her oder im Rahmen der sog. „Kriege“ in den Jahren 2008/2009 und 2012: Man muss schon mit einer Haltung ausgestattet sein, wie sie vom Koordinationsrat eingefordert wird: Eine Mischung aus gehobener Feiertagsstimmung, wenn es um den Staat Israel geht, (un)freundlischer Gleichgültigkeit, was zivile Opfer angeht, Ignoranz ob der Lage vor Ort, z.B. im Gazastreifen und, seinerseits, Geschichtsvergessenheit.

Wer Propaganda widerlegen will, lese diesen wichtigen Beitrag von Noura Erakat aus dem amerikanischen Nation-Magazin. Doch Vorsicht: Wer in dieser Zeit nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen denkt, hat es schwer.

Von Volksverhetzung zu Volksverhetzung

Und mit einem Mal regt sich alle Welt auf. Der gestern in der Bild am Sonntag erschienene, vor Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Primitivität nur so schäumende Beitrag von BamS-Vizechef Nikolaus Fest, erregt die Gemüter. Treffend zerpflückt Mats Schönauer die widerlichen Worte Fests. Auch Stefan Niggemeier findet passende Formen, um das Geschwalle als das herauszustellen, was es eigentlich ist: Aggressiver Rassismus. Der Spitze von Bild ist das alles mittlerweile höchst unangenehm. Schlimmer noch für Fest, der sich über Twitter noch über den veritablen Shitstorm freute, der schon kurz nach Erscheinen seines Beitrags angerührt wurde:

Kai Diekmann antwortete in der Ausgabe vom Montag: „Genau solche Auseinandersetzung entlang religiöser Grenzen wollen wir NICHT. Wir wollen sie nicht führen, nicht befördern und nicht herbeischreiben.“ Diekmann verantwortet zwar die Bild, hat aber auf die Berichterstattung der BamS keinen Einfluss. Marion Horn ist die zuständige Chefredakteurin der Sonntagsausgabe. Sie verteidigte Nicolaus Fest zunächst auf Twitter, schrieb dann aber: „Bild am Sonntag hat Gefühle verletzt. Ganz deutlich: Wir sind nicht islamfeindlich! Ich entschuldigte mich für den entstandenen Eindruck.“

Bei Bild streiten sich die Granden also in aller Öffentlichkeit über den manifest gewordenen Islamhass Fests – sorry, kein Wortspiel intendiert.

In den sozialen Netzwerken ereifern sich Muslime und andere über Fest. Nicht nur aufgrund des in seinem Text enthaltenen Rassismus. Auch und gerade ob der zum Himmel speienden Heuchelei, die, so empfinden es viele, von Seiten der Bild vorgeführt werde: Noch kürzlich vergossen Promis wie Maria – „Die Flucht“- Furthwängler  für das Flaggschiff des Hauses Springer Krokodilstränen: Einen neuen Antisemitismus gelte es zu bekämpfen. Dieser mache sich in den europäischen Metropolen breit: auf propalästinensischen Demonstrationen. Schlesinger hat zu den entsprechenden Vorkommnissen, etwa zum Skandieren von „Jude, Jude feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ bereits die richtigen Worte gefunden:

Solche Parolen wollen doch ganz offenkundig eine Volksgruppe treffen und erniedrigen, und nicht etwa eine Politik Netanjahus anprangern.

Evelyn Hecht-Galinski, die zu Radikalität neigende Tochter des früheren Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, die durch ihre zügellosen Äußerungen zum Aushängeschild aller hiesigen Israelfeinde wurde, meint zu solchen Slogans ungerührt “Natürlich sind diese Parolen nicht politisch korrekt.” Oh nein, mit politischer Korrektheit hat das nichts zu tun. Hecht-Galinski übersieht die besondere Qualität solcher Hetzparolen nur deshalb großzügig, weil sie selbst gerne maximal vom Leder zieht.

Die anti-jüdischen Slogans sind und bleiben: Abstoßend. Nicht zu rechtfertigen. Letztlich schlicht unrechtmäßig.

Die Schreihälse  – nicht: alle Demonstrationsteilnehmer! – nehmen den Gazakrieg nur zum Anlaß ihre niederen Instinkte zum Ausdruck zu bringen. Diesem Klientel sollte nicht erlaubt sein, den ansonsten durchaus berechtigten Protest gegen den Gazakrieg und die jahrelange israelische Blockade zu diskreditieren.

Kommen wir von dieser Volksverhetzung zur oben beschriebenen zurück.

Ich wundere mich ein bisschen über all jene, die sich nun über Bild echauffieren. Weder will ich Verschwörungstheorien Vorschub leisten noch sonstwie schlaumeiern, aber verdichtet sich in einem Organ wie Bild – und ich schließe Bild am Sonntag ausdrücklich mit ein in mein Gebet – nicht das, was der mediale Meinungsmainstream der Bevölkerung ohnehin anträgt zu glauben?

Im Gazastreifen werden zumeist palästinensische Zivilisten – auffallend viele Kinder! – abgeschlachtet. Mittlerweile ist die Tausendergrenze überschritten. Auf den Hügeln nahe dieses Elendsgebiets sitzen israelische Schlachtenbummler und machen La Ola dazu. Es sind gerade die sozialen Netzwerke, denen es zu verdanken ist, dass Bilder unvorstellbarer Grausamkeit an die Öffentlichkeit gelangen. Als Vater einer zweijährigen Tochter rauben mir diese Bilder den Schlaf. Die Israelis sind dabei, den Gazastreifen in ein riesiges Massengrab zu verwandeln, in  USA und in Israel von dankbaren, vermeintlichen, Israel-Freunden euphorisch registriert.

In Zeiten wie diesen rücken Bundesregierung und freie Medien in diesem Lande besonders eng zusammen. Die Qualität der Untaten der israelischen Streitkräfte unter der Führung von Ministerpräsident Netanyahu lässt sich mitunter auch daran bemessen, wie hoch die Gefahr eines neuen Antisemitismus eingeschätzt wird. Wie hat es Norman Finkelstein einmal ausgedrückt: „Kill Arabs, cry anti-Semitism“. Ging es nur mir so, oder war es nicht doch auffallend, wie breit sich die Front der neuen Antisemitenjäger in Presse und Politik hierzulande ausnahm? 

 Von FAZ bis stern, von Frankfurter Rundschau bis Kölner Stadtanzeiger, nicht zu vergessen Welt und Bild: Man war sich einig. Mit Gauck. Mit Graumann. Mit Broder. Das Abschlachten der zivilen Bevölkerung des Gazastreifens hat man dabei kaum erwähnt.

 Und Nikolaus Fest hat das alles – ist dies nicht seine Aufgabe? – zusammengefasst und in geballter Form wiedergegeben. Pointiert. Gerade heraus. Und nun ist man entrüstet. In den sozialen Netzwerken. Plötzlich erinnert man sich, dass Anders Breivik gerade mal vor drei Jahren mit seinem Massenmord die Gewaltphantasien hiesiger, ach so kritischer, Islamkritiker in die Tat umsetzte. Nun ist einem das alles unangenehm.

Handelt sich das alles um Theater? Um eine große Inszenierung? Wie gesagt:  Verschwörungstheorien Vorschub zu leisten, ist nicht mein Ding. Dies ist schließlich ein Nahost-Blog. Aber mal ernsthaft: Ist die Causa Fest womöglich als eine Art von Ouvertüre zu deuten? Werden sich in den kommenden Tagen kritische Stimmen gegen Israels Morden in Gaza auch im Meinungsmainstream mehren? Rolf Verleger und der Fotograf Martin Lejeune haben im Deutschlandfunk in zwei höchst unterschiedlichen Interviews den Anfang gemacht. Ich bin auf die kommenden Tage gespannt.

Und bereits jetzt angeekelt.

Wer sich über die Bild entrüstet, hat nichts verstanden. Keinem toten Fisch möchte ich es antun, ihn in entsprechend bedrucktes Papier einzuwickeln. Und für die anderen Blätter gilt: Es geht nicht um Juden, auch nicht um Palästinenser, nur um eigene Befindlichkeiten.

Den Zionismus vor Israel retten? Oder umgekehrt?

Starke Worte von Zeev Smilansky in Ha’aretz, so deutlich, dass sämtliche Bedenkenträger, die ihren Sprach- und Gedankenort über die Realität stellen, einmal ins Grübeln geraten sollten – es aber sicher nicht tun werden:

I boycott the Jewish settlements in the West Bank. I will not cross the Green Line and I do not buy products from the West Bank settlement of Elkana. I will not collaborate with scientists attached to Ariel University.

And I am not talking just about myself. The people in my immediate circle all live within the Green Line and regard everything that is happening beyond it as a terminal illness.

Und wer heute sagt, er sei voll und ganz auf Seiten des Staates Israel, muss wissen, was das heißt:

The Six Day War of June 1967 was the greatest disaster that has ever befallen on the State of Israel, because it led Israelis to believe that physical force is the only lens through which the world should be viewed. The combination of being a bully and a victim at the same time has become Israel’s trademark and Prime Minister Benjamin Netanyahu is its spearhead.

Noch Fragen?

Michael Sommer!

Egon Bahr zufolge geht es in der internationalen Politik – aller Lippenbekenntnisse und Sonntagsreden zum Trotz – nicht um die Umsetzung von Menschenrechten und Demokratie. Was zählt, sind Interessen, die es gilt, zu wahren. Wie anders  ist das betont und in aller Ausführlichkeit gewürdigte  israelsolidarische Gebahren von DGB-Chef Michael Sommer zu verstehen. Auch Gewerkschaftspolitik ist schlussendlich internationale Interessenspolitik! Für Deutschland! Oder in den Worten Moshe Zuckermanns:

Michael Sommer hat sich den Arno-Lustiger-Preis redlich verdient. Dieser Preis hat etwas mit der neurotisch-neuralgischen Beziehung zwischen Deutschen und Juden zu tun, vielleicht auch etwas mit der Propagandapraxis der israelischen Botschaft in Deutschland. Entsprechend hat Michael Sommers Sicht der Dinge nichts mit der israelisch-palästinensischen Realität zu tun. Was sie überhaupt noch mit den genuinen gewerkschaftlichen Kämpfen zu tun hat, darüber soll hier geschwiegen werden.

Nun denn…

Syrien!

Was sich da über und in Syrien zusammenbraut, macht mich sprachlos. Stattdessen seien drei Texte zur Lektüre empfohlen:

“La Repubblica” über einen westlichen Militärschlag in Syrien:  Auf tiara013 wird ein lesenswerter Artikel aus besagtem italienischen Blatt zitiert. Wie so oft, wenn es um „den Westen“ geht, geht es um Nabelschau und Selbstbefindlichkeiten – und nicht, wie behauptet und getrommelt, darum, der Situation (diesmal) in Syrien irgendeine positive Wende beizubringen.

Bomben als einzige “Alternative”:  In unserer „alternativlosen“ Zeit machen sich Bomben als „einzige“ Option schrecklich logisch aus. Denn, so Emran Feroz:

Es geht um Macht und natürlich geht wie bei jedem Krieg um finanzielle Interessen. Aus diesem Grund wird die Tragödie in Syrien sicherlich kein schnelles Ende finden.

Der Countdown läuft: Als hätte es Afghanistan, Irak, NeoCon-Propaganda und all den ganzen Mist nicht gegeben, überbieten sich Polit- und Mediendarsteller nach Lutz Herden momentan dabei, die Kriegstrommeln zu rühren. Bedrohlich.

Wo sich John Kerry seinen Friedensprozess hinstecken kann

Der arme, bedauernswerte John Kerry. Mittlerweile wird er den Nahen und Mittleren Osten besser kennen als sein Büro daheim im Washingtoner Außenministerium. Sechsmal schon pendelte er in Sachen Wiederauffrischung des Nahostfriedensprozesses in die Region. Seine Mission: Die USA als wichtigsten Makler zwischen Israelis und Palästinensern neu etablieren. Die Früchte der bisherigen Bemühungen, die jener Mensch, der anno 2004 doch tatsächlich das US-Präsidentschaftsrennen gegen George W. „Bretzel“ Bush verlor,  sind kaum der Rede wert. Besonders die palästinensische Seite, so scheint es endlich, hat keine Lust mehr, bei diesem Schmierentheater mitzumischen. M.J. Rosenberg formuliert bedächtig, differenziert und vor allem sensibel:  „Wo sich John Kerry seinen Friedensprozess hinstecken kann“ weiterlesen

„Singling out Israel“? Ja, warum denn nicht?

Israels Wirtschaftsminister, der rechtsradikale Siedlerist Naftali Bennett, hat jüngst in Jerusalem der international anerkannten Zwei-Staaten-Lösung eine Absage erteilt. Vielmehr, so Bennett, sei für Israel das Gebot der Stunde, in der Westbank zu „bauen, bauen, bauen“: Einen Staat Palästina dürfe es niemals geben. Als Reaktion ereignete sich ein Vorgang, den man sich unbedingt in den Kalender eintragen und dann auf der Zunge zergehen lassen sollte: Der Director des American Jewish Committee, David Harris, kritisierte Bennett für seine „nicht hilfreichen Äußerungen“ und forderte die israelische Regierung auf, sich von diesen zu distanzieren.  Harris‘ harsche Kritik an Bennett verdient Beachtung, denn sie ist nach wie vor eine Rarität, gerade wenn sie von seiten des AJC geäußert, das neben der Anti-Defamation League und AIPAC zu den wichtigsten jüdischen pro-israelischen Lobbygruppen in den USA gehört.

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Die einen nennen es Rassismus, andere sprechen von Apartheid

De jure sind israelische Palästinenser ihren jüdischen Mitbürgern gleichberechtigt. Die Realität sieht indes anders aus. Der in Nazareth lebende, britische Journalist Jonathan Cook beschreibt hier sehr anschaulich anhand einiger heftiger Beispiele, wie normal es innerhalb der israelischen Gesellschaft zu sein scheint, Palästinenser – und hier sind auch jene mit israelischem Pass gemeint – aufgrund ihrer Herkunft zu benachteiligen. All dies hat demnach Formen erreicht, dass sogar die Regierung Netanyahu es für geboten sah, ihre tiefe Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen, indem von einzelnen Vertretern das Kind einfach mal bei einem seiner zahlreichen Namen genannt wurde:

Government ministers led an outpouring of revulsion. Tzipi Livni, the justice minister, called the incident [üble Vorgänge im Freizeitpark Superland] a “symptom of a sick democracy”. Defence minister Moshe Yaalon was “ashamed”. Prime minister Benjamin Netanyahu demanded that the “racist” policy be halted immediately.

„Die einen nennen es Rassismus, andere sprechen von Apartheid“ weiterlesen

Israel sollte Ahmadinejad dankbar sein.

Es ist immer so eine Sache, wenn den Sieger der iranischen Wahlen, Ruhani, in westlichen Gefilden als Reformer zu deklarieren. Das amtliche Endergebnis aus Teheran steht noch gar nicht fest, da warnt Israels Premierminister Netanyahu schon wieder davor, die iranische Regierung mit allzu offenen Armen in der Gemeinschaft der angesehenen Staaten willkommen zu heißen. Bibi hat ja recht: Der Mann hat noch nichts geleistet, also Vorsicht mit Vorschusslorbeeren. Ein Friedensnobelpreisträger wie Barack Obama hat sich ja auch als paranoider Abhör-Fetischist und Kontrollfreak entpuppt. Interessant, dass Netanyahu ebenfalls darauf hinweist, dass im Iran der Staatspräsident de facto dem Willen der hohen Geistlichkeit unterworfen sei. In der New York Times heißt es: „Israel sollte Ahmadinejad dankbar sein.“ weiterlesen

„Am Yisrael Chai“

Der Holocaust werde von denen, welche es um die Propagierung, Verteidigung und Belobigung der Arbeit der israelischen Regierung oder der IDF geht, instrumentalisiert, so hört man aus israelkritischen Mündern allzu oft. Man mag vorsichtig diesem Übersetzungsversuch zustimmen, dessen Urheber  freilich viel zu fest auf (anti)deutschem Boden zu stehen scheint:

Als Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung haben wir Deutschen die Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus – wer Antisemit ist, bestimmen wir! Seit geraumer Zeit hat die Holocaustindustrie ihr Tätigkeitsfeld auf Produktpiraterie ausgeweitet mit dem Ziel, selbstmächtig über das deutsche Eigentum Holocaust©, Auschwitz© und Shoah© zu verfügen. Dabei weiß jeder, dass es sich nur um zweitklassige Imitate handeln kann, deren Qualität niemals an made in germany heranreichen wird. Schlimmer noch: Die Unterstellung, Israel sehe sich Kräften gegenüber, die auf seine Vernichtung abzielen, ist nichts als Demagogie und Propaganda, weswegen sich nicht nur Gleichsetzungen, sondern auch schon Vergleiche verbieten.

Ein schneller Blick auf die Blockroll verrät: Jener Blogger hat StandwithUs nicht aufgelistet. Warum ich das sage? Fangen wir mit einem Bild an. Zu sehen ist eine Gruppe von Gefangenen im KZ Buchenwald: „„Am Yisrael Chai““ weiterlesen

„Zynisch und schlichtweg menschenverachtend.“

Ich finde es ja schade, dass es im Transatlantikblog des hochgeschätzten Schlesinger derzeit nicht die Möglichkeit gibt, als Leser Kommentare zu posten. Der Gute veröffentlicht seine Texte ja noch im Freitag – und mit was für einem Bullshit sich Schlesinger da zuweilen zu befassen hat, ist echt nicht mehr feierlich. Sein aktueller Beitrag über den 20jährigen israelischen Soldaten Mor Ostrovski, der sich nicht entblödet hat, ein Bild von einem palästinensischen Jungen im Fadenkreuz von Ostrovskis Waffe online zu stellen, ist ähnlich empfehlenswert wie etwa der Beitrag zum selben Thema von Emran Feroz. Die Vorwürfe, der sich Schlesinger dann zu erwehren hat, lassen in mir das Verständnis für Schlesingers comment policy wachsen. Nein, ihm wird nicht Antisemitismus vorgeworfen – eher im Gegenteil (sic!). Zudem merke ich, dass ich bislang großes Glück gehabt: Die meisten Kommentare in meinem Blog sind bemerkenswert differenziert und freundlich.