„It’s a shame Hitler didn’t finish the job“: Israelis antworten kritischen Shoa-Überlebenden

Letzte Woche ist ein Offener Brief, unterzeichnet von ca. 300 Überlebenden der Shoa bzw. Angehörigen von Überlebenden und Opfern, veröffentlicht worden. Darin wird das Massaker, dass Israels Streitkräfte an ca. 2000 Palästinensern im Gazastreifen verübt haben, aufs Schärfste verurteilt. Der Text fand schnelle Verbreitung in den sozialen Medien. Reaktionen aus Israel ließen nicht auf sich warten:

David Cohen: Those aren’t Holocaust survivors those are probably collaborators with the Nazis.

Shmulik Halphon: He’s invited to go back to Auschwitz.

Itzik Levy: These are survivors who were Kapos. Leftist traitors. That’s why they live abroad and not in the Jewish State.

Vitali Guttman: Enough, they should die already. They survived the Holocaust only to do another Holocaust to Israel in global public opinion?

Meir Dahan: No wonder Hitler murdered 6 million Jews because of people like you you’re not even Jews you’re disgusting people a disgrace to humanity and so are your offspring you are trash.

Asher Solomon: It’s a shame Hitler didn’t finish the job.

Katy Morali: Holocaust survivors who think like this are invited to go die in the gas chambers.

Yafa Ashraf: Shitty Ashkenazis you are the Nazis.

Was sagt man dazu? Kommentare erbeten!

Gaza: Wer in dieser Zeit nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen denkt, hat es schwer.

In Gaza türmen sich Trümmer und Leichen. Die Zahl geht mittlerweile bis in Bereiche jenseits von 1200 Toten. Und Außenminister Steinmeier analysiert messerscharf:

Vor seinem Abflug, der ihn am Montag zunächst in die jordanische Hauptstadt Amman führen wird, kritisierte Steinmeier erneut scharf die Hamas: „Der Raketenbeschuss der Hamas gegen Israel hat eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt, die kaum noch aufzuhalten scheint.“ Auf beiden Seiten lebten die Menschen seitdem in ständiger Angst vor dem nächsten Angriff.

„Die Bilder der vielen unschuldigen Opfer“, so Steinmeier, „sind schwer zu ertragen.“ Die tragische Entwicklung könne Deutschland deshalb nicht gleichgültig sein, so der Minister weiter: „Nicht nur aus Sorge um die Sicherheit Israels, sondern auch weil die möglichen Konsequenzen einer weiteren Eskalation kaum absehbar sind.“

Demnach trägt Hamas die Hauptschuld alleinige Schuld am Massaker, das die israelische Armee gegenwärtig im Gazastreifen anrichtet. Und was Steinmeier mit den „möglichen Konsequenzen einer weiteren Eskalation“ meint, wer weiß das? Tribünen für israelische Zuschauer des Massakers?

Und wenn der Deutsche Koordinationsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (DKR)  in einer vor Selbstgerechtigkeit, Wirrheit aber auch Kaltschnäuzigkeit nur so strotzenden Presseerklärung offen die Propaganda der Regierung Netanyahu weiter betreibt und eindrucksvoll Marc Ellis‘ These vom „ökumenischen Deal“ in der christlich-jüdischen Zusammenarbeit belegt, kann man nicht einmal mehr den Kopf schütteln. Wie heißt es in anderen Zusammenhängen immer gern: „Die schlimmsten Feinde des Glaubens sind seine unbarmherzigen Verteidiger.“

Man muss kein Freund der Hamas sein – und wer ist das schon? -, um dennoch zu erkennen, dass die wieder und wieder aufgewärmte Behauptung, alles sei, vereinfacht gesagt, ruhig und friedlich im Lande Israel gewesen, bis die Hamas mit Raketen Angst und Schrecken in der israelischen Bevölkerung verbreitet hat, nicht zutrifft. Die Abriegelung des Gazastreifens, die wiederhole Heimsuchung unschuldiger Zivilisten durch israelisches Militär – sei es aus der Luft, sei es von der See her oder im Rahmen der sog. „Kriege“ in den Jahren 2008/2009 und 2012: Man muss schon mit einer Haltung ausgestattet sein, wie sie vom Koordinationsrat eingefordert wird: Eine Mischung aus gehobener Feiertagsstimmung, wenn es um den Staat Israel geht, (un)freundlischer Gleichgültigkeit, was zivile Opfer angeht, Ignoranz ob der Lage vor Ort, z.B. im Gazastreifen und, seinerseits, Geschichtsvergessenheit.

Wer Propaganda widerlegen will, lese diesen wichtigen Beitrag von Noura Erakat aus dem amerikanischen Nation-Magazin. Doch Vorsicht: Wer in dieser Zeit nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen denkt, hat es schwer.

Israel sollte Ahmadinejad dankbar sein.

Es ist immer so eine Sache, wenn den Sieger der iranischen Wahlen, Ruhani, in westlichen Gefilden als Reformer zu deklarieren. Das amtliche Endergebnis aus Teheran steht noch gar nicht fest, da warnt Israels Premierminister Netanyahu schon wieder davor, die iranische Regierung mit allzu offenen Armen in der Gemeinschaft der angesehenen Staaten willkommen zu heißen. Bibi hat ja recht: Der Mann hat noch nichts geleistet, also Vorsicht mit Vorschusslorbeeren. Ein Friedensnobelpreisträger wie Barack Obama hat sich ja auch als paranoider Abhör-Fetischist und Kontrollfreak entpuppt. Interessant, dass Netanyahu ebenfalls darauf hinweist, dass im Iran der Staatspräsident de facto dem Willen der hohen Geistlichkeit unterworfen sei. In der New York Times heißt es: „Israel sollte Ahmadinejad dankbar sein.“ weiterlesen

„Am Yisrael Chai“

Der Holocaust werde von denen, welche es um die Propagierung, Verteidigung und Belobigung der Arbeit der israelischen Regierung oder der IDF geht, instrumentalisiert, so hört man aus israelkritischen Mündern allzu oft. Man mag vorsichtig diesem Übersetzungsversuch zustimmen, dessen Urheber  freilich viel zu fest auf (anti)deutschem Boden zu stehen scheint:

Als Weltmeister der Geschichtsaufarbeitung haben wir Deutschen die Deutungshoheit in Sachen Antisemitismus – wer Antisemit ist, bestimmen wir! Seit geraumer Zeit hat die Holocaustindustrie ihr Tätigkeitsfeld auf Produktpiraterie ausgeweitet mit dem Ziel, selbstmächtig über das deutsche Eigentum Holocaust©, Auschwitz© und Shoah© zu verfügen. Dabei weiß jeder, dass es sich nur um zweitklassige Imitate handeln kann, deren Qualität niemals an made in germany heranreichen wird. Schlimmer noch: Die Unterstellung, Israel sehe sich Kräften gegenüber, die auf seine Vernichtung abzielen, ist nichts als Demagogie und Propaganda, weswegen sich nicht nur Gleichsetzungen, sondern auch schon Vergleiche verbieten.

Ein schneller Blick auf die Blockroll verrät: Jener Blogger hat StandwithUs nicht aufgelistet. Warum ich das sage? Fangen wir mit einem Bild an. Zu sehen ist eine Gruppe von Gefangenen im KZ Buchenwald: „„Am Yisrael Chai““ weiterlesen

„Du sollst dir kein Bildnis machen.“

Der Soziologe Zygmund Bauman über die von Israel errichtete Trennungsmauer zur Westbank:

What I also said, but was not picked up by my opponents, is that the decision to build a wall between Jews and the occupied population of the Palestinians could be seen as Hitler’s posthumous triumph. It almost attained what Hitler wished but did not succeed to achieve: to set Jews and the rest of the world at loggerheads and make their peaceful coexistence all but inconceivable or impossible.

Zweifel dürften nicht bestehen, dass Bauman sich auf mediales Backenfutter wird gefasst machen müssen, denn: „Du sollst dir kein Bildnis machen“, will heißen: Israels Palästinenserpolitik in Worte fassen. Genau darum aber ging es ja beispielsweise in der Angelegenheit Broder/Augstein.

Jüdisch-islamischer Dialog

Beim Testspiel gefunden: Serdar Somuncu und Oliver Polak beschäftigen sich mit Grenzen und Möglichkeiten eines jüdisch-islamischen Gesprächs. Oder wie es auf Youtube angekündigt ist:

Serdar im Gespräch mit dem jüdischen Standup Comedian Oliver Polak über Anmache, Antisemitismus und Alkoholbeichten.

Und was soll ich sagen? Geht doch:

Maiden rules!
 

Es geht nicht um Lapid oder Bennet. Es geht um Qamar.

Während sich die Welt noch die Augen reibt ob des Glanzes, den Israels neue Politstars Naftali Bennett und Yair Lapid verströmen, soll uns das folgende Video, aufgenommen von Aktivisten der Menschenrechtsgruppe Ta’ayush vor Augen führen, um was es im Kern im israelisch-palästinensischen Konflikt geht: Die einen verschaffen sich Zugang zu Ressourcen und tun dies in vollem Bewusstsein auf Kosten der anderen – und mag es sich dabei auch um Kleinstkinder handeln:
Am 19.1. verhafteten israelische „Sicherheitskräfte“ in der Nähe von Hebron – man versuche, sich die Visagen dieser Typen einzuprägen, Gott sei Dank, lässt uns das Internet nicht vergessen – die 18 Monate alte Qamar und ihre Mutter Rima Ismail Awad.  Siedler hatten sich der Ländereien und der Olivenhaine der Familie bemächtigt und mussten natürlich nun von diesem antisemitischen Mob beschützt werden.

Welche Gedanken kommen einem bei diesen Bildern? „Es geht nicht um Lapid oder Bennet. Es geht um Qamar.“ weiterlesen

Vom Glauben, von Bankräubern und Kannibalen

Christian Bommarius geht mit all jenen ins Gericht, die Jakob Augstein ernsthaft für den schlimmsten Antisemiten deutscher Sprache und den neuntschlimmsten weltweit halten. Das Simon Wiesenthal Center bekommt sein Fett weg, besonders aber jener, auf den sich die Juroren als Kronzeugen berufen:

Wer Broder Glauben schenkt, der vertraut auch einem Bankräuber sein Bargeld an und einem Kannibalen die Ehefrau. Mit der weltweiten Ausrufung Augsteins als Antisemit hat sich das Simon Wiesenthal Center – möglicherweise ungewollt, aber grob fahrlässig – zum Komplizen Broders gemacht und zum Vollstrecker der Rufmordkampagne, die Broder seit Längerem gegen den Freitag-Herausgeber führt. […]

Nach Bommarius‘ Dafürhalten betreibt Broder das Geschäft derer, die zu bekämpfen er vorgibt: „Vom Glauben, von Bankräubern und Kannibalen“ weiterlesen

Die Charts gestürmt!

Augstein als Top-10-Antisemit? Wo ist Grass?

Sorry, das meine ich nicht ernst. Anstatt wieder  den Gesang vom Missbrauch des Holocaust durch Hardcore-Fans des Staates Israel anzustimmen: Wer sonst so auf die Liste gesetzt worden ist, erscheint mir nicht eben sympathisch. Aber jeder bekennende Antisemit, der es in die Hitparade des Simon-Wiesenthal-Centers geschafft hat, darf nun Jakob Augstein als Feigenblatt für den eigenen Hass benutzen bzw. sich unmäßig aufgewertet fühlen. Nils Minkmar bemerkt sehr treffend:

Jakob Augstein hat in dieser Reihe nichts verloren: In seinen Texten geht es nicht um die Juden und nicht um den Juden. Er propagiert keine Gewalt, zieht keine Traditionslinien und operiert nicht mit Vorurteilen. Was er kritisiert, ist nicht das Symptom eines in der Existenz der Juden oder Israels wurzelnden Übels, sondern das Resultat politischer Entscheidungen der aktuellen israelischen Regierung.

Wer in einer Reihe mit Augstein, an dem mich allerhöchstens der Baukastenschreibstil aus der Spiegel-Autorenschule stört, präsentiert wird, der muss sich des Verbrechens, das er Meinung nennt, nicht mehr schämen. Und will womöglich sogar noch diese Worte Minkmars über Augstein für sich reklamieren:

Man muss diese Kritik und die Analyse, die ihr voraus geht, im einzelnen nicht teilen, aber sie hat nichts mit Antisemitismus zu tun.

Armer Augstein. Armer Simon Wiesenthal. Der notwendige Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus – mit jenen, die im Namen Wiesenthals zu handeln vorgeben, ist er auf Stromberg-Niveau abgerutscht: Lirumlarum.

Was hat Augstein selber dazu zu sagen? Dies hier!

BDS und Antisemitismus

Schaue ich mir den Blog von BDS Germany an, so fällt auf, dass sich auf besagter Website schon seit anderthalb Jahren nichts mehr getan hat. Bedeutet das, dass die BDS-Bewegung hierzulande zum Erliegen gekommen ist? Selbst das wäre besser als jene Äußerungen, die aus nämlichen Kreisen im Vereinigten Königreich die Runde machen. Auf Open Zion zeigt sich die britische „pro-israelische Friedensaktivistin“ Hannah Weisfeld verwundert: Natürlich sei es Unsinn, jegliche Art von Kritik an israelischer Politik als Antisemitismus zu apostrophieren, aber: „BDS und Antisemitismus“ weiterlesen

„They (the Palestinians) will bring upon themselves a bigger shoah because we will use all our might to defend ourselves“

Ich kann mich noch erinnern, als ich einmal in einem Ostjerusalmer Buchladen auf dieses Machwerk stieß. Danach schrieb ich für das Palästina Journal der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft einen viel zu langen Artikel über Palästina-Solidarität und ihre „deutsche Grenzen“. Ich war sowas von empört. Im Jahr 2004. Die Tatsache, dass die Autoren des Buches allem Anschein nach jüdischer Herkunft sind, spielte für mich keine Rolle. Auf Titel wie diesen hatte die pro-israelische Fan-Community nur gewartet! „„They (the Palestinians) will bring upon themselves a bigger shoah because we will use all our might to defend ourselves““ weiterlesen

Über Solidarität, die „sehr schnell endet, wenn es um die Beschäftigung mit deutscher Vergangenheit geht. Oder um den Papst.“

Einige sehr bedeutsame Überlegungen zu Butler, Israel, Israel-Solidarität und Rassismus finden sich bei dem wunderbaren Momorulez! „Über Solidarität, die „sehr schnell endet, wenn es um die Beschäftigung mit deutscher Vergangenheit geht. Oder um den Papst.““ weiterlesen

Flüchtlingsdrama an der israelisch-ägyptischen Grenze

1977: Ministerpräsident Begin begrüßt vietnamesische Flüchtlinge in Israel (Photo: Israelischer Pressedienst)
1977: Ministerpräsident Begin begrüßt vietnamesische Flüchtlinge in Israel (Photo: Israelischer Pressedienst)

Ohne weitere Worte. Via Dimi Reider erreichten mich die folgenden Worte von Ronit Tzach: „Flüchtlingsdrama an der israelisch-ägyptischen Grenze“ weiterlesen

Israelsolidarität auf einem Bierdeckel

Manchmal spiele ich ja mit dem Gedanken, bei der Deutsch-Israelischen Gesellschaft um Aufnahme zu ersuchen. Von innen her könnte ich dann mobil machen gegen Besatzung, Abriegelung, Kriegstrommelei, antiarabischen Rassismus und zionistischen Antisemitismus („Jude ist nur, wer den Staat Israel liebt.“). Denn um Israelsolidarität in diesem Lande ist es schlecht bestellt. Man darf Ghassan dankbar sein für diesen Screenshot aus einer Online-Diskussion bei Indymedia:

Im Ernst, Leute: Wer solch ein Weltbild auch noch für das Ergebnis kritischer Theorie verhökern will, wer im Ernst meint, diese Aussagen spiegelten das Gegenteil der von Adornoerforschten  autoritären Persönlichkeit wider, dem kann ich nur entgegenrufen: Wenn sich etwas in diesem Bockmist zeigt, dann purer Antisemitismus: die Zukunft der Judenheit wird einmal mehr ausschließlich mit den Direktiven aus Westjerusalem/Tel Aviv verknüpft. Wieder möchte ich das Lied von der Zionisierung von allem und jedem anstimmen, der, die, das laut Etikett mit jüdischen Angelegenheiten zu tun haben soll, sich dann aber doch nur als Propaganda-Pistole für eine Form jüdischer Selbstvergewisserung herausstellt. „Israelsolidarität auf einem Bierdeckel“ weiterlesen