Am Ende einige Ratschläge an eine aufstrebende Linkspartei

17. November 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Recht wohltuend lesen sich einzelne Passagen in Pascal Beuckers Kritik der Linkspartei für ihr kollektives Versagen – nicht nur die einen, auch die anderen, und die in der Mitte auch! – in Sachen Blumenthal/Sheen. In Zeiten, da es in der Betrachtung der Vorgänge in Israel-Palästina anscheinend nur darum zu gehen scheint, auf der irgendwie richtigen Seite zu stehen, geben einem Worte wie diese zu denken:

Es geht nicht darum, ob die aktuelle israelische Regierungspolitik kritisiert werden darf, wie immer wieder demagogisch behauptet wird. Selbstverständlich darf, ja muss die Besatzungs- und Siedlungspolitik der Netanjahu-Regierung kritisiert werden. Ebenso selbstverständlich sollte das Mitgefühl mit den Opfern des endlosen Nahostkonflikts sein, den palästinensischen wie den israelischen.

Dass es mit seinem Mitgefühl leider nicht ganz so weit her ist, zeigt Beucker u.a. im weiteren Verlauf seines Artikels:

Doch es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man sich mit der israelischen Friedensbewegung Peace Now solidarisch erklärt oder sich auf die Seite der islamistischen Terrororganisation Hamas stellt, die Israel vernichten will.

Wer hat sich da an die Seite von Hamas gestellt? Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht will Beucker ja hier auf den Umstand hinaus, dass Höger und Groth anno 2010 mit an Bord der Mavi Marmara waren, die im Rahmen einer Solidaritätsflotte Kurs auf Gaza nahm. Und wer sich in Solidarität mit den Bewohnern dieses Freiluftkäfigs und Bombenabwurftestgeländes der IDF übt – ist das dann auch ein Hamas-Versteher? Sagt Beucker nicht. Auch nicht sonderlich mitfühlend, sowas.

Am Ende scheppert es dafür nochmal so richtig:

Eine Linke, die antisemitische und antiisraelische Ressentiments schürt, hört auf, links zu sein. Die Partei wird sich entscheiden müssen. Obsessiver Hass und die Dämonisierung von Israel, die in dem Aufruf „Ihr sprecht nicht für uns!“ angeprangert werden, widersprechen einem emanzipatorischen Projekt. Die Unterzeichnung dieses begrüßenswerten Weckrufs sollte keine Frage der Flügelzugehörigkeit sein. Sondern eine Selbstverständlichkeit.

Und so stellt sich Beuckers zu all den anderen Edelfedern und Lohnschreibern, die sich in den letzten Tagen als kritische Geister ausgaben – und alle dasselbe schrieben und schruben. Taz halt.

Die Zeit der Empathie ist in Sachen Israel-Palästina lange vorbei. Und wenn von Mitgefühl die Rede ist, dann nur für jene, die, nach dem Geschmack der jeweiligen Fans in den Solidaritätszirkeln, die richtigen Farben tragen.

Fürwahr, einen Mann wie Max Blumenthal einzuladen, ist für eine Partei wie diese Linke es ist, kaum zu vertreten. Man mag inhaltlich mit vielem übereinstimmen, was der Mann in Blog und Büchern notiert hat. Den Mainstream bedienen kann man mit ihm nicht. Schon gar nicht in einer Öffentlichkeit, in der jedes ermordete palästinensische Kind und jeder Palästinenser, der Widerstand leistet, schnell mal als “anti-israelisches Ressentiment” dasteht.

Genau darum aber, den Mainstream zu erreichen, muss es dieser Linkspartei momentan gehen, will sie in Sachen Realpolitik in absehbarer Zeit was reißen.  Die Palästinenser müssen leider draußen bleiben.

Nachdem ihnen Wolf Biermann am 9.11. kräftig im Bundestag einen eingeschenkt und klar gemacht hat, dass sie nicht dazu gehören, müssen Gysi und Co. verlorenen Boden wieder gut machen.

Die Sache mit Blumenthal und Sheen konnte nur schief gehen! Die Folge: Aufruhr in der Partei, zwei Referenten aus den USA und Israel, die es mit der Angst bekommen mussten, eine lesende Öffentlichkeit, die in allen Zeitungen dasselbe lesen musste. Nicht wahr, Herr Steinmeier?

Vielleicht hat Gregor Gysi ja Lust, wenn es nächstens darum geht, ausländischen Gästen die Keramik des Bundestags vorzuführen, eben dies Rabbi Michael Lerner angedeihen zu lassen. Der Gründer von Tikkun nimmt, so hörte ich, Kurs auf D-Land, um in finsterer Zeit seine Geschichte von den zwei großen Narrativen in dem einen gelobten Land zu erzählen, die beide ernstgenommen werden wollen.

Oder man lädt MJ Rosenberg ein. Ich schätze den sehr! Der war mal Mitarbeiter bei AIPAC und nun einer der lautesten Kritiker von “America’s Pro-Israel Lobby”(!!!). Die Herren Beck und Mißfelder könnten Rosenberg abends doch zur Pizza einladen? Vielleicht kommt der Weinthal ja auch, einmal mehr als “Journalist”, und macht ein “Interview”. Obwohl…

Aber der Gysi!  Zumal Rosenberg Blumenthals Arbeit ja nicht wirklich schätzt. Nur sollte Rosenberg nicht über Gaza und den Horror für die Zivilbevölkerung im letzten August sprechen. Oder über Mavi Marmara 2010. Dann wird Gysi nie Außenminister!

Aram Lintzel mag doch sicher auch Pizza, oder?

Über Blumenthal, Sheen, Gysi und so weiter

15. November 2014 § 9 Kommentare

Was mit Max Blumenthal und David Sheen in Berlin passiert ist – vielleicht passt das in einen Zusammenhang mit dem, was Aram Lintzel kürzlich in Bezug auf deutsche Erinnerungskultur anmerkte:

Wenn die Holocaust-Erinnerung tatsächlich so durchgesetzt und hegemonial wäre, wie die Gedenkkritiker behaupten, dann hätte es 2014 keinen aufgewärmten Streit über den Ersten Weltkrieg und keine Mauerballons geben dürfen. Dann hätte einzig der ungarischen Juden gedacht werden müssen, die vor 70 Jahren vergast wurden. Allein von Mai bis Juli 1944 wurden über 400.000 nach Auschwitz deportiert.

Der politische und mediale Offenbarungseid zum 9. November: Nachdem Wolf Biermann im deutschen Bundestag die parlamentarische Linke in die Ecke gestellt hatte, versuchten Gysi und Co aus selbiger herauszukommen. Dass ausgewiesene Israel-Kritiker wie Blumenthal und Sheen unter der Ägide einiger namhafter Linken-Politikerinnen öffentlich über Palästina, Gaza und die im Sommer ermordete Familie Kilani sprechen wollten, war nichts weniger als ein Super-GAU, wo man doch alles tun wollte, um von seinen politischen Gegnern und ihren medialen Erfüllungsgehilfen wieder zurück in den Sandkasten gelassen zu werden.

Und so mussten die Damen Höger, Groth und Hänsel zum Rapport, um sich zu entschuldigen. Aber das genügte nicht allen in der Partei, die sich bekanntlich anschickt, mit Bodo Ramelow in Thüringen den ersten linken Ministerpräsidenten zu stellen:

Nach mehrstündiger Diskussion in geschlossener Sitzung teilte ein Fraktionssprecher aber auch mit: “Gleichwohl verurteilt die Fraktion auf das Schärfste das Agieren gegenüber dem Fraktionsvorsitzenden.” Wer “uns oder unsere Genossen” so feindselig behandele wie an diesem Montag, “mit dem werden wir nicht kooperieren”. Die Entschließung wurde mit einer Gegenstimme und einer Enthaltung angenommen.

Auch der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei attackierte die drei Politikerinnen: “Die heutige Entschuldigung der MdB Groth, Höger und Hänsel gegenüber Gregor Gysi ist das Mindeste”, schrieb der Parteimanager auf Facebook. “Als Konsequenz der untragbaren Ereignisse ist dies aber völlig unzureichend. Ein solches Verhalten ist mit meinem Verständnis linker Politik und politischer Kultur nicht vereinbar.”

Zurück zum Eingangszitat: Wäre  der ungarischen Juden von seiten des Bundestags oder der Bundesregierung gedacht worden – wir hätten es bestimmt erfahren. Dass die Shoa am 9. November überhaupt zum Thema wurde, dafür haben Blumenthal und Sheen gesorgt. Und das wird ihnen nicht verziehen. Nicht von Gysi, nicht von Pau, nicht von Volker Beck – nicht von Deutschlands Meinungsmachern. Und nicht von “Journalist” Benjamin Weinthal.

Rhizom ist nur zuzustimmen:

Wenn es um den Nahostkonflikt geht, dann wird aus bundesdeutschen Medien schnell eine unerträgliche Mischung aus BILD-Zeitung und Aktueller Kamera.

Shoa-Gedenken im deutschen Herbst 2014. Was es eben auch bedeuten kann, wenn aus den Verbrechen der Nazis keine Lehren gezogen werden, erlebt man momentan nur allzu deutlich.

Max Blumenthal – “the wrong kind of Jew”

14. November 2014 § 3 Kommentare

Die Causa Blumenthal/Gysi/Beck etc. ist derartig unappetitlich, dass es mir einmal mehr die Sprache verschlägt. Gut, dass es nun eine auf Youtube zu verfolgende Antwort Blumenthals auf seine Kritiker gibt (via rhizom).

Nebenbei gesagt: Ich selber bin nicht unbedingt ein Fan des Werks Blumenthals. Doch im Angesicht des Verhaltens hiesiger, sich als links ausgebender, Politiker, von der hiesigen Medienkamarilla mal ganz zu schweigen, fühle ich mich gezwungen, für ihn Partei zu ergreifen.

Zuckermann live (Hamburg, 18.10.2014)

31. Oktober 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

via Assoziation Dämmerung

Merkels Vertriebene

30. August 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

“”Wir müssen unsere Stimme gegen die Vertreibungen von heute erheben” – so die Bundeskanzlerin heute  bei einem Festakt des Bundes der Vertriebenen in Berlin. Und meinte damit die Flüchtlinge in Syrien und im Irak. Ob sie hier auch Palästinenser gemeint hat? Vermutlich nicht. Sonst hätte sie auch noch all die anderen arabischen Staaten nennen müssen, in denen es Palästinenser im Zuge der Nakba seit 1948 verschlagen hat. Und dann hätte Merkel auch noch über Israel reden müssen. Nein nein, die Staatsdoktrin. Und die Redezeit. Und überhaupt. Dann lieber Erika Steinbach in den eigenen Reihen ertragen und weiter an der Gutwerdung der Deutschen feilen?

“It’s a shame Hitler didn’t finish the job”: Israelis antworten kritischen Shoa-Überlebenden

29. August 2014 § 2 Kommentare

Letzte Woche ist ein Offener Brief, unterzeichnet von ca. 300 Überlebenden der Shoa bzw. Angehörigen von Überlebenden und Opfern, veröffentlicht worden. Darin wird das Massaker, dass Israels Streitkräfte an ca. 2000 Palästinensern im Gazastreifen verübt haben, aufs Schärfste verurteilt. Der Text fand schnelle Verbreitung in den sozialen Medien. Reaktionen aus Israel ließen nicht auf sich warten:

David Cohen: Those aren’t Holocaust survivors those are probably collaborators with the Nazis.

Shmulik Halphon: He’s invited to go back to Auschwitz.

Itzik Levy: These are survivors who were Kapos. Leftist traitors. That’s why they live abroad and not in the Jewish State.

Vitali Guttman: Enough, they should die already. They survived the Holocaust only to do another Holocaust to Israel in global public opinion?

Meir Dahan: No wonder Hitler murdered 6 million Jews because of people like you you’re not even Jews you’re disgusting people a disgrace to humanity and so are your offspring you are trash.

Asher Solomon: It’s a shame Hitler didn’t finish the job.

Katy Morali: Holocaust survivors who think like this are invited to go die in the gas chambers.

Yafa Ashraf: Shitty Ashkenazis you are the Nazis.

Was sagt man dazu? Kommentare erbeten!

Wenn dies die politische Mitte in Israel ist…

21. August 2014 § Hinterlasse einen Kommentar

It advocates militarism, completely supported Prime Minister Benjamin Netanyahu in the recent Gaza actions and largely identifies, in terms of the current government, with Yesh Atid, whose leader, Yair Lapid, kicked off his campaign for the Knesset in a settlement and has stated that Israel should not compromise at all on Jerusalem. That’s the “center” in Israel, and it is as good a barometer as you can ask for to see how far right the country has shifted (Link) – 

…man möchte sich über die politische Rechte gar nicht erst mehr Gedanken machen.